Alvaro Bautista zu Honda: Wie irre ist der Schritt?

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM

Seit fünf Jahren hat Honda in der Superbike-WM im Trockenen kein Rennen gewonnen, trotzdem zieht Alvaro Bautista das Angebot des größten Motorradherstellers jenem von Ducati vor. Nur wegen des Geldes?

Seit der Einführung der aktuellen CBR1000RR Fireblade SP2 blamiert sich Honda in der Superbike-WM wie nie zuvor. Bis heute wurde mit diesem Modell kein Podestplatz errungen, den letzten Sieg im Trockenen eroberte Jonathan Rea im Juli 2014 in Portimao mit dem Vorgängermodell. Und der letzte WM-Titel gelang James Toseland 2007.

2019 merkt man von der werksseitigen Rückkehr Hondas in die Superbike-WM nicht viel, Platz 8 von Ersatzfahrer Yuki Takahashi im ersten Rennen in Misano auf nasser Strecke ist das Saisonhighlight. Die Ingenieure der Honda Racing Corporation konzentrieren sich auf das Sammeln von Daten und die Entwicklung der neuen Maschine.

In Japan wird seit Monaten mit dieser getestet, teilweise sogar mit Verkleidungen von Kawasaki und Yamaha, um nicht aufzufallen. Ein Honda-Insider erzählte: «Das neue Motorrad wird sich grundlegend von der aktuellen Maschine unterscheiden.»

Beim zweiten SBK-Event des Jahres in Buriram sprachen hochrangige HRC-Manager davon, den «leistungsstärksten Reihenvierzylinder» in einer Serienmaschine zu bauen, sie wollen sich sogar mit der Ducati Panigale V4R messen. Inzwischen sickerte durch, dass Honda die neue Fireblade im Oktober auf der Tokyo Motor Show präsentieren möchte.

Dass es Honda in der Superbike-WM wieder ernst meint, beweist auch die Verpflichtung des 14-fachen Saisonsiegers und WM-Zweiten Alvaro Bautista. Der Spanier schlug dafür ein Angebot von Ducati aus, welches ihm neben einem Zwei-Jahres-Vertrag ein jährliches Fixum von 400.000 Euro plus Boni garantiert hätte.

Aus sportlicher Sicht geht Bautista mit Honda ein hohes Risiko ein, bei Ducati hätte er eine siegerprobte Maschine und das erfolgreichste Team der Superbike-WM hinter sich.

Während des MotoGP-Wochenendes auf dem Red Bull Ring in Spielberg sickerte aber durch, dass Honda Bautista ein Angebot machte, welches er kaum ausschlagen konnte. Bei Ducati müsste er 15 Hauptrennen und den WM-Titel gewinnen, um auf das gleiche Geld zu kommen, welches ihm der größte Motorrad-Hersteller als Basisgehalt offeriert hat.

«Wenn du als Fahrer ein Angebot eines anderen Herstellers vorliegen hast, welches finanziell viel besser ist, und Geld für dich wichtig ist…», grübelte Ducatis Sport-Direktor Paolo Ciabatti über Bautistas Beweggründe. «Ich verstehe seine Situation, er ist keine 20-jähriger Junge mehr, sondern ist 34 Jahre alt und wird bald Vater. Offensichtlich konnte er nicht nein sagen.»

Hinzu kommt, dass HRC alle Voraussetzungen hat, um ein siegfähiges Motorrad zu bauen – wenn sie das wollen. «Wenn Honda Alvaro einen Zwei-Jahres-Vertrag anbietet, dann wahrscheinlich, weil sie ein grundlegend neues Projekt haben», überlegte Ciabatti im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Honda hat das Suzuka Eight Hours, ein sehr wichtiges Rennen für sie, seit fünf Jahren nicht mehr gewonnen. Das lässt mich vermuten, dass sie entschieden haben, ein High-Performance-Bike zu entwickeln.»

Seit dem werksseitigen Ausstieg von Aprilia aus der Superbike-WM nach der Saison 2014 hat Ducati nur Seriensieger Kawasaki und ab und zu Yamaha als starken Gegner. Jeder im SBK-Fahrerlager wünscht sich, dass Yamaha, Honda und BMW deutlich zulegen, um eine hochklassigere Meisterschaft zu haben. «Auch die Fans würden sich freuen, wenn sich die Hersteller an der Spitze abwechseln», meint Ciabatti. «Und wenn es schwieriger ist zu gewinnen, dann sind Siege mehr wert.»

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