Wer fahren will muss selber zahlen

Kolumne von Markus Niegtsch
Supermoto-S1-WM
Das Nations 2012 ist ohne deutsche Überflieger

Das Nations 2012 ist ohne deutsche Überflieger

In anderen Sportarten sorgen die Verbände dafür, dass für die Fahrer gesorgt ist. Im deutschen Motorrad-Sport sind wir davon weit entfernt.

Frühsommer 2010, Anruf von Jogi Löw bei Philipp Lahm: «Du Philipp, wir wollen dich zur WM nach Südafrika mitnehmen. Du musst aber Flug, Hotel und Verpflegung für dich und deine Betreuer selbst bezahlen. Und bring eigene Fussballschuhe und einen Ball mit. Prämien für das Weiterkommen oder gar den WM-Titel gibt es auch
nicht, dafür haben wir Trikots!»

Unvorstellbar? Nicht im deutschen Motorsport. Das diesjährige Supermoto of Nations (SMoN) findet im September im 2500 km entfernten Portimão in Portugal statt. Um ein Team (Teamchef, drei Fahrer, sechs Bikes, Mechaniker usw.) antreten lassen zu können, ist die absolute Kostenuntergrenze zirka 10 500 Euro. Dann wird aber selbst gekocht, und der Nachtisch ist schon gestrichen worden.

Der DMSB wäre bereit, 5000 €, also nicht einmal die Hälfte, beizusteuern. Den Rest müssen die Teammitglieder aus eigener Tasche berappen. Mit der Konsequenz, dass nicht die besten Fahrer Deutschland vertreten, sondern jene, die zahlen können – oder wollen.

Beim Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) wird mir erklärt, dass Motorsport nicht olympisch sei. Deswegen wurde 2011 die Kann-Förderung des Bundesministeriums für Inneres gestrichen, der DMSB habe seine Ausgaben konstant bei 5000 € gehalten. Um die Lücke zu kompensieren, ist der DMSB jetzt so weit, dass den ehrenamtlichen Teammanagern ein Flyer zur Verfügung gestellt werden soll, mit dem sie in ihrer Freizeit Sponsorenakquise betreiben können.

In normalen Wirtschaftsunternehmen ist es in solchen Fällen üblich, die Verwaltungs- oder nichtproduktiven Ausgaben zu reduzieren.
Kann es sich der DMSB überhaupt leisten, die Kosten zu reduzieren und mehr als 5000 € an den Supermoto-Sport zurückzugeben?

Ich empfehle die Lektüre der Gebührenordnung. Alleine für die Erlaubnis, die Veranstaltung «Internationale Deutsche Meisterschaft» zu nennen, darf ein Veranstalter 1718 € an den DMSB abführen. Bei sieben IDM-Veranstaltungen und den dafür notwendigen Fahrerlizenzen nimmt der DMSB über 30.000 € ein. Die Einnahmen aus anderen regionalen Supermoto-Rennen kommen dazu. Somit versickern über 84 Prozent der Einnahmen beim DMSB, ohne dass die Fahrer etwas davon haben.

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