Tourist Trophy

Sieger auf der Isle of Man sind echte Helden

Von Ralf Waldmann - 13.09.2013 08:26

Mit Topspeed 100 bin ich auf der Isle of Man über die Landstraße gehoppelt. Jetzt weiß ich, weshalb das Fahrerlager zwischen Meer und Friedhof liegt.

Eigentlich wollte ich mal gerne nach Goodwood zum «Festival of Speed». Dann gibt es noch das Goodwood «Revival Festival», da laufen sie alle in alten Gewändern rum, aus den 1920er-Jahren. Als mich Audi gefragt hat, ob ich auch mit der Isle of Man einverstanden bin, habe ich sofort ja gesagt. Der Anlass war 75 Jahre Ewald Kluge, gewonnen auf DKW Kompressor 250, Baujahr 1938. Waldi Werksfahrer, Audi, hin.

Das ist eine super Landschaft dort, riesig. Eigentlich wollten wir schon am Samstag und Sonntag fahren, aber irgendwie war da nur eine Runde für die Isle-of-Man-Typen geplant, eine «Lap of Honour». Dann habe ich mal eine Runde mit dem Auto gedreht, die 60 Kilometer, und habe auch Training geschaut. Mir ist dann schon klar geworden, weshalb im Fahrerlager in Douglas auf der einen Seite das Meer und auf der anderen der Friedhof ist. Wenn du schlecht fährst, kannst du ins Meer gehen und dich ersäufen. Und wenn du viel zu gut fährst, kommst du auf den Friedhof. Der Wahnsinn. Dass die Älteren wie Dunlop und McGuinness so schnell sind, ist ganz klar. Die fahren dort seit 25 Jahren, haben alle schon ein bisschen Bauch, sind aber höllenschnell.

Meine Fahrt ging richtig in die Berge hoch, ich kam mir vor wie auf 7000 Metern. Da wächst kein Holz mehr, wirklich geil. Ich bin dann auch meine Runde gefahren, hatte aber leider bei der Hälfte 100 Grad Wassertemperatur, zog eine Rauchfahne hinter mir her. Ich mit Topspeed 100, den Berg runter hatte ich auch schon mal 120 drauf, bin ich die Landstraße entlanggehoppelt. Ich bekam dann irgendwann die schwarze Fahne mit weißem Punkt drauf und meiner Startnummer. Ich hab noch ganz unschuldig auf mich gezeigt und mit den Schultern gezuckt. Sie haben mir dann irgendwann zugerufen: «Dein Viertakter verliert Öl, du rauchst!» Ich gesagt: «Kann gar nicht! Ich Zweitakter, Kompressor!» Wir haben geschaut was los ist und die Karre dann nicht mehr anbekommen, weil sie zu heiß war.

Aber ich hatte ja vorgebaut. Handy dabei, 20 Pfund und einen Zündkerzenschlüssel in der Tasche. Ich noch schnell die Kerze getauscht, weil ich dachte, der Motor ist ersoffen, aber der ist eh nicht mehr angesprungen. Ich also zack in den Pub und erst mal schön ein Guinness geschlürft. Zurückkommen war ja nicht.

Fahren auf der Isle of Man ist wirklich grenzwertig. Wer dort gewinnt, ist ein echter Held.

Ralf Waldmann auf dem Bike von Ewald Kluge, Baujahr 1938 © Audi Ralf Waldmann auf dem Bike von Ewald Kluge, Baujahr 1938 «Fahren auf der Isle of Man ist grenzwertig», meint Ralf Waldmann © Audi «Fahren auf der Isle of Man ist grenzwertig», meint Ralf Waldmann

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