24h Le Mans: Einwertung des legendären Klassikers

Kolumne von Oliver Müller
24h Le Mans

Mit dem Sieg von Sébastien Buemi, Kazuki Nakajima und Fernando Alonso ging für Toyota eine lange Durststrecke bei den 24 Stunden von Le Mans zu Ende. SPEEDWEEK.com machte sich Gedanken zu den dargebotenen Ereignissen.

Es ist vollbracht. Toyota hat endlich die 24 Stunden von Le Mans gewonnen. Die unermüdlichen Japaner treten (mit Unterbrechungen) bereits seit 1985 beim großen Klassiker an der französischen Sarthe an. Dabei entsandten sie bei 20 Einsätzen insgesamt 47 Fahrzeuge. Oft hatte Toyota das schnellste Auto und manchmal lagen ihnen die Sieges-Lorbeeren bereits zu Füßen, doch mehr als fünf zweite Plätze (1992, 1994, 1999, 2013, 2016) konnten sie nie mit nach Hause nehmen.

Toyota ist erst der zweite japanische Hersteller, der in Le Mans gewonnen hat. Zuletzt stand Mazda im Jahre 1991 mit dem Wankelmotor 787B ganz oben im Tableau des so prestigeträchtigen Langstrecken-Rennens. Doch während Mazda den Sieg eher abstaubte, konnte Toyota einen sauberen Triumph aus eigener Kraft herausfahren. Bis auf wenige eigentlich zu vernachlässigende Mini-Nicklichkeiten (wie zwei Geschwindigkeitsübertretungen während der Slow Zones), fuhr das erfolgreiche Trio ein tadelloses Rennen. Natürlich gab es in der Schlussphase noch einmal Diskussionen um ein potentielles verbotenes Reifen-Durchdrehen beim Boxenstopp. Doch die Stewards hatten dafür keine Strafe verhängt. Und selbst, wenn sie es getan hätten, wäre das Endergebnis nicht anders ausgefallen.

Sicherlich könnte nun gesagt werden, dass der Toyota-Sieg ohne wirklich Konkurrenten erreicht wurde. Dieser Fakt ist nicht von der Hand zu weisen. Jedoch war die Leistung Toyotas in diesem Jahr so stark, dass selbst die früheren Rivalen von Audi und Porsche sich daran wohl die Zähne ausgebissen hätten.

Mann des Rennens war zweifelsohne Fernando Alonso. Über das ganze Wochenende wurde der Formel-1-Star wie bei einem Spießrutenlaufen durch den Paddock gezerrt. Ob Fan, Journalist oder Funktionär – jeder wollte etwas von dem Spanier. Und wenn es nur ein Selfie mit dem Mobiltelefon war. Szenen wie diese hat es in Le Mans in den letzten Jahrzehnten nicht mehr gegeben. Alonso hätte genügend Gründe gehabt, durch all die Ablenkungen im Rennen einen Fehler zu begehen. Doch der zweimalige Weltmeister blieb stets cool. Und tatsächlich war es sein ultimativer Nachtstint, der seinen Toyota #8 nach einer 60-Sekunden-Strafe wieder in Schlagdistanz zu den führenden Teamkollegen brachte.

Natürlich dürfen an dieser Stelle auch Sébastien Buemi und Kazuki Nakajima nicht vergessen werden, die ebenfalls atemberaubend fuhren. Insbesondere für den immer höflichen Japaner schließt sich nun ein Kreis. Vor genau zwei Jahren war es Nakajima, der drei Minuten vor Rennende auf der Zielgeraden in Führung liegend ausgerollte und den sicheren Sieg verlor. Jetzt hat er die damals erlittene größte sportliche Niederlage seiner Karriere mit der von Jubel begleiteten Zieldurchfahrt egalisiert. Allein der Blick in Nakajimas strahlendes Gesicht im abendlichen Paddock von Le Mans hat noch Stunden nach dem Rennen eine Gänsehaut-Atmosphäre erzeugt.

Sicherlich werden in den nächsten Tagen wieder einige Verschwörungstheorien die Runde machen, dass Toyota den Sieg auf das prominenter besetzte Auto ausgerichtet hat. Doch tatsächlich präsentierte sich der am Ende siegreiche TS050 fast über das gesamte Rennen als das schnellere der beiden Werksfahrzeuge. Im zweitplatzierten Auto fiel insbesondere der Argentinier José María López leicht ab. Auch das Verpassen der Boxeneinfahrt von Kamui Kobayashi zu Rennende war keine Glanzleistung. Neben einer halben Runde im Schleichtempo brockte der Japaner seinem Auto zusätzlich noch zwei Zeitstrafen ein. Damit reicht es bei einem so engen Rennen, wie jenem zwischen den beiden Toyota, halt einfach nicht mehr für den Sieg.

In Bezug auf den Rennausgang komplett irrelevant waren die im Vorfeld ermüdenden Diskussionen über die EoT (Equivalence of Technology). Natürlich waren die diversen privaten LMP1 in Le Mans um einiges langsamer als die Hybrid-Renner von Toyota. Doch selbst mit gleichschnellen Waffen hätten die hybridlose Fraktion kein Land gesehen. Dafür zeigten sich die Wagen einfach noch viel zu unzuverlässig.

Letztendlich kamen von den acht gestarteten Privatwagen nur die beiden Rebellion R13 und einer der Ginetta ins Ziel. Mit 99 Runden Rückstand ist das Ergebnis des ständig zur Reparatur in der Box gestrandeten G60-LT-P1 aber nicht unbedingt ein wettbewerbsfähiges. Dass die beiden Rebellion die schwarzweiß karierte Flagge gesehen haben, lag auch an der Entscheidung, den R13 rund um einen soliden Saugmotor zu konzipieren. Mit dem BR1 von DragonSpeed lief auch der dritte LMP1, der mit dem 4.5L-V8-Aggregat von Gibson ausgestattet war, lange Zeit stabil. Letztendlich wurde das Fahrzeug jedoch durch einen Unfall aus dem Rennen gerissen.


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