Fernando Alonso (Aston Martin-Honda): «Die Welt hat sich recht verändert»
An diesem 22. Oktober exakt von 20 Jahren wurde Fernando Alonso zum zweiten Mal Formel-1-Weltmeister, damals mit Renault. Der heute 45-Jährige sagt: «Die Welt hat sich recht verändert.»
Unfassbar, dass das wirklich schon 20 Jahre her ist: Fernando Alonso sicherte sich auf den Tag genau vor zwei Dekaden seinen zweiten WM-Titel, am 22. Oktober 2006. Der Spanier sagt: «Damals hätte ich es mir nie träumen lassen, dass ich so viele Jahre später noch immer ein Grand Prix-Pilot bin.»
Alonso ist der einzige Fahrer im Feld, der F1-WM-Läufe mit ganz verschiedenen Motoren gefahren hat: V10-Triebwerke, V8-Motoren, erste Aggregate mit Energie-Rückgewinnung, dann seit 2016 V6-Turbomotoren mit Hybridtechnik bis zu den 2026er Antriebseinheiten, die fast die Hälfte der Leistung elektrisch erzeugen.
2030 will FIA-Chef Mohammed Ben Sulayem V8-Motoren zurückbringen, kaum denkbar, dass Alonso dann immer noch am Lenkrad eines GP-Rennwagens sitzen wird.
Heute sagt der 32-fache GP-Sieger: «Die Welt hat sich ziemlich verändert. Die Rennautos vor 20 Jahren haben wahnsinnig viel Spass gemacht. Sie waren sehr leicht, sehr laut, aber vielleicht passt diese Art von Technik nicht mehr in die heutige Welt.»
«Was haben wir damals Motoren gewechselt! Als ich anfing, hatten wir einen Motor für die Trainings am Freitag, dann einen für Samstag, mit nur 12 Runden im Qualifying, und dann einen weiteren Motor für den Grand Prix vom Sonntag. Ist das in der heutigen Welt noch möglich? Wahrscheinlich nicht.»
«Ich schätze, wir müssen uns dem Lauf der Dinge in der Welt anpassen, und vielleicht sind hybride Systeme ja der richtige Weg. Wir müssen nur das richtige Verhältnis finden, sowohl im Verbrennungs- als auch im elektrischen Bereich, wie viel wir auf der elektrischen Seite unterstützen müssen.»
Fernando Alonso: Knallharte Kritik an moderner Formel 1
Alonso hat – wie Max Verstappen – nicht gespart mit Kritik an den 2026er Motoren. Ende Juli sprach Aston Martin-Superstar Fernando Alonso sogar wie ein Fahrer, der intensiv an Rücktritt denkt. «Ich fühle mich frisch und motiviert und schnell. Aber ich muss auch Freude an der Arbeit haben, und – ganz ehrlich – das Fahren in Silverstone und Spa hat keinen Spass gemacht.»
«Wir sollten doch unseren Sport immer besser machen, aber für mich am Lenkrad und auch für viele Zuschauer ist das eine Formel 1, die nicht erfreulich ist. Ich spürte zuletzt nicht das gleiche Adrenalin am Steuer wie früher.»
Am Madring hat der Formel-1-Champion von 2005 und 2006 die Weltmeisterschaft als «Batterie-WM» verspottet. «Es liegt in der Natur dieser Antriebseinheiten, dass du die Batterie in schnellen Kurven oder am Ende der Geraden aufladen musst, weil es dann am effizientesten geht. Aber das sind genau die Stellen, die einem Racer doch Spass machen oder wo ein guter Fahrer den Unterschied ausmacht. Das ist wider die Natur des Racers oder wider dem Instinkt, die Grenzen seines Autos auszuloten.»
Nach dem Qualifying auf der neuen Formel-1-Rennstrecke Madring ist der 45-jährige Asturier ernüchtert: «Es ist traurig, dass du zu einer neuen, aufregenden Rennbahn kommst, mit wirklich herausfordernden Kurven wie der Monumental – und dann ist mit diesen Autos der Beitrag des Piloten bei null.»
«Unser Mediendelegierte könnte die Monumental fahren. Aber das ist nicht der Motorsport, den ich will. Ich will eine Formel 1, in welcher Fähigkeiten und Mut belohnt werden. Jetzt hängt mein Speed nur davon ab, wie viel Saft in der Batterie ist.»
«Es kann doch nicht sein, dass Irgendeiner in einer Mutpassage wie hier in den Kurven 10 bis 12 schneller ist als Max Verstappen, nur weil er mehr Batterieleistung hat. In solch einer Passage muss doch der überdurchschnittliche Fahrer den Unterschied machen können. Aber wir können das derzeit nicht.»
In Baku hat der Weltmeister von 2005 und 2006 nachgelegt: «Es gibt keine andere Rennsportkategorie auf der Welt, in welcher du in gewissen Passagen langsamer machen musst, um am Ende der Runde schneller zu sein.»
«Wir fahren auf grandiosen Rennstrecken, wie etwa Silverstone. Aber dort macht es mit diesen Autos keinen Spass mehr. Spa? Ein Klassiker. Nun ist es fast peinlich, durch Eau Rouge zu fahren. Die 130R von Suzka? Gleich Geschichte. So killen wir die ganzen klassischen Rennstrecken.»
«Wir Fahrer haben unsere Fähigkeiten über Jahre verfeinert. Dann kommst du in die Formel 1 und musst komplett anders fahren. Das gibt es nur mit diesen Rennwagen.»
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