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Hans-Joachim Stuck: Alles Gute zum 75. Geburtstag

Ein sehr persönlicher Geburtstagsbrief an meinen ehemaligen Teamkollegen und Weggefährten Hans-Joachim Stuck.

Rainer Braun

Von

Im Artikel erwähnt

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Lieber Hans, jetzt bist du also tatsächlich am Neujahrstag 2026 schon 75. Damit kennen wir uns seit exakt 57 Jahren. Du warst damals gerade 18 und kamst 1969 als Racing-Frischling ins BMW-Team von Hans Peter Koepchen. Deine Team-Kollegen hießen Helmut Kelleners, Hans Heyer – und gelegentlich durfte auch ich in einem der infernalisch schnellen weiß-blauen 2002er Platz nehmen.

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Nie werde ich deinen ersten Start am Nürburgring vergessen – es war das 300 km-Rennen des ADAC Mittelrhein im Juni 1969. Dein mutiger Ritt über die Nordschleife ist mir noch in bester Erinnerung, quer bis zum Anschlag, Sprünge zum Fürchten, Führung, Rundenrekord, Vollgas, bis irgendwas am Auto brach. Ich saß bei dieser unvergesslichen Darbietung schierer Fahrfreude als dein direkter Verfolger erste Reihe Mitte auf dem Logenplatz.

Der Teamchef wollte es so, dass wir beide anschließend ein Mischprogramm aus Rundstrecken- und Bergrennen bestreiten sollten. Als Renn-Mechaniker wurde uns Werner Frowein (den du respektlos „Bergziege“ genannt hast) zugeteilt. Ein begnadeter Techniker, der Jahre später große Karriere bei Mercedes und Audi gemacht und es bis zum Chef der quattro GmbH in Neckarsulm geschafft hat. Eine seiner Großtaten war die Geburt des Audi R8. Bis heute sind wir beide so stolz auf unseren ehemaligen „Mann für alles“.

Flugplatzrennen wie Fassberg, Laupheim, Neubiberg oder Wunstorf sowie Berge wie Schauinsland, Ratisbona oder Schwäbisch Alb waren unsere Spielplätze. Hier haben wir unsere infernalisch gut gehenden weiß-blauen BMW 2002 so quer wie eben möglich um die Ecken fliegen lassen. Dass du dabei meist Sieger geblieben bist, versteht sich von selber.

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Trotzdem bin ich stolz drauf, dich wenigstens zweimal in meinem Leben jeweils hauchdünn besiegt zu haben. Beim Bergrennen in Neuffen im Herbst 1969 fehlten dir nur ein paar Zehntel zum Klassensieg. Und im gleichen Jahr Ende November beim Saisonfinale in Hockenheim trennte uns auch nur eine halbe Wagenlänge, fast hättest du mir meinen schon sicher geglaubten Sieg noch auf dem Zielstrich weggeschnappt.

Wir sind eigentlich von Anfang an bis zu deinem Karriereende gemeinsam durchs Rennsport-Leben gegangen – du als Supertalent, fröhlicher Profi-Gasfuß und Gaudi-Bursch, ich als Journalist, Streckensprecher und TV-Kommentator.

In dieser Zeit haben wir zusammen unzählige Interviews geführt – auf dem Startplatz, am Siegerpodium, bei Events, Präsentationen und Galas. Und immer warst du ein unterhaltsamer, geduldiger und informativer Gesprächspartner, nicht ohne fette Lacher einzubauen. Was die Zuhörer stets erfreut hat.

Manchmal, wenn du dich im Rennen geärgert hast, weil dich jemand angerempelt oder gar „Dirty Driving“ praktiziert hat, bist du fast explodiert vorm Mikrofon. Dann hast du getobt, geschimpft und getadelt. Ich erinnere mich noch gut, wie du 1990 beim DTM-Finale in Hockenheim den Klaus Ludwig via TV-Mikro bei Christa Haas rundgemacht und dich über eine Attacke von ihm beschwert hast. Anderseits konntest du dich diebisch freuen über einen Sieg, ein gelungenes Überholmanöver oder einfach nur einen gewonnenen Zweikampf – solche Momente wurden von dir in der Regel gern mit einem kernigen Jodler besiegelt.

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Und dann natürlich die Blödeleien und der Unfug, der du schon damals bei Koepchen zum Entsetzen unserer Mitstreiter inszeniert hast. Was haben wir alles erlebt in der jahrzehntelangen gemeinsamen Rennsport-Zeit. Das kann man wirklich nicht niederschreiben – und das ist auch ganz gut so. Da sind Geschichten dabei, über die sich die jungen Rennfahrer, Journalisten und Reporter von heute ganz schön wundern würden.

Unsere Generation hat den Motorsport noch anders erlebt – nicht so geordnet, nicht so sicher, nicht so streng und nicht so verbissen. Dafür hatten wir aber eindeutig mehr Spaß als das offensichtlich heute der Fall ist. Das alles sind Erinnerungen, die keiner von uns missen möchte.

So richtig Ernst wurde es für dich nach den fröhlichen Jahren bei BMW-Koepchen mit dem ersten Werksfahrer-Vertrag 1972 bei Ford. Da hast du den Capri RS so brutal um die Nordschleife gedroschen, dass selbst abgehärtete Streckenposten Angst bekamen. Was folgte, war eine nicht enden wollende Siegesserie mit dem grandiosen Capri RS und gleich der erste große Titelgewinn des DRM-Championats.

Nahtlos weiter ging’s bei BMW mit dem wunderbaren CSL-Coupé. Überhaupt BMW: Den Münchnern und deinem Ziehvater Jochen Neerpasch verdankst du unendlich viel – den Aufstieg in die Formel 2 zum Beispiel. Was du mit dem March-BMW in Jägermeister-Farben allein in Hockenheim aufgeführt hast, gehört zu den Sternstunden der Formel 2-Geschichte.

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Die weiteren Stationen sind bekannt – fünf Jahre Formel 1 mit 74 Starts, Sportwagen-WM mit Porsche, DTM mit Audi und Opel und wieder Rückkehr zu BMW. Zwei Le Mans-Siege mit Porsche und die Sportwagen-Weltmeisterschaft sowie der DTM-Titel 1990 mit Audi gelten als die großen Highlights deiner einzigartigen Karriere.

Das 24-Stunden-Rennen am 26. Juni 2011 auf dem Nürburgring sollte eigentlich deine einzigartige Rennfahrer-Karriere offiziell beenden. Aber wie das so ist – ein paar Jahre später bist du ja dann doch noch Mal ein bisschen rückfällig geworden. Und dabei irgendwann bemerkt, dass es besser ist, es beim Rücktritt zu belassen.

Schon vor deinem Rücktritt hattest du dich nochmals neu orientiert und eine Art Zweit-Karriere als Sport-Manager eingeschlagen. 2008, quasi in der Übergangszeit zum Racing-Ruhestand, wurdest du vom VW-Konzern zum Motorsport-Berater und Marken–Botschafter ernannt. Kein schlechtes Ruhekissen am Ende einer langen Rennfahrer-Karriere. Und 2012 erfolgte auch noch die Berufung zum Präsidenten des DMSB, der höchsten deutschen Motorsport-Instanz.

Wenn mir jemand vor 20 oder 30 Jahren gesagt hätte, dass ausgerechnet der Schlimmste aus dem legendären Blödsinn-Stadl „Trio Infernal“ (Stuck, Quester, Poldi) mal das wichtigste Motorsport-Amt in Deutschland übernehmen würde, wäre ich versucht gewesen, denjenigen für komplett bekloppt zu erklären.

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Immerhin hast du acht Jahre an der DMSB-Spitze durchgehalten, bevor du das Amt aus persönlichen Gründen vorzeitig abgegeben hast. Jedenfalls haben dich deine Pflichten bei VW und dem DMSB zu einem stilsicheren, standfesten und weltmännisch auftretenden Repräsentanten geformt. Insofern hat dir der Wechsel ins Management ganz gutgetan, weil du damit zwangsläufig die Rolle des Dauer-Spaßmachers wenigstens zeitweise abgelegen konntest.

Wann hat man dich denn in deiner aktiven Rennfahrerzeit schon mal im schicken Anzug und mit Krawatte erlebt, als standfesten Redner mit klaren Statements bei wichtigen Veranstaltungen oder als harten Verhandler in Sachen Sportpolitik? Geblieben sind lediglich das fröhliche Gemüt und, wenn’s grad passt, ein kerniger Spruch.

Lieber alter Freund und Weggefährte, im Namen vieler Fans möchte ich Dir sagen: Danke für eine tolle Zeit, aufregende Rennen, weite Sprünge, göttliche Drifts, große Siege, derbe Scherze und gekonnte Jodler. Kurzum – für beste Unterhaltung über mehr als ein halbes Jahrhundert.

Happy Birthday und alle guten Wünsche für die nächsten Jahre. Bleib vor allem gesund und optimistisch.

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Herzlichst

Dein alter Racing-Freund Rainer

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