Vom Sturzpiloten zum Moto3-Sieger: Wie Peter Öttl bei Almansa Wunder wirkte
Intact-Teammanager Peter Öttl bewies einen guten Riecher und formte David Almansa zum Moto3-Gewinner. Der Bayer weiß: Trifft er bei seinen Fahrern nicht den richtigen Ton, ist das Vertrauen dahin.
Mit der Verpflichtung von David Almansa, der Spanier wurde im Vorjahr für Leopard Honda WM-Elfter, hatte Teammanager Peter Öttl eine gute Nase. Der 20-jährige KTM-Rückkehrer beendete sowohl das Zeittraining als auch das Qualifying auf dem Chang Circuit in Buriram/Thailand für das Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP auf Platz 1.
Im Rennen sahen wir einen unterhaltsamen Kampf zwischen Almansa und seinem Landsmann Maximo Quiles (CF Moto Aspar), den Außenseiter Almansa um wenige Zentimeter gegen den Vizeweltmeister für sich entschied. Erstaunlich: Der Youngster hat im Vorjahr zwar zwei Pole-Positions erobert und einige Führungskilometer geleistet, schaffte es aber erst einmal aufs Podium, als Dritter in Malaysia. Und jetzt das: Erster Start für das Intact-Team aus Memmingen –
Öttl über Almansa: «Sein Speed war immer da»
«David Almansa wollte gerne zu uns, und es war mein Wunsch, dass er zu uns kommt», holte Peter Öttl beim Treffen mit SPEEDWEEK.com etwas aus. «Wir konnten uns vertraglich einigen, das war der erste Schritt. Sein Potenzial ist unbestritten, sein Speed war da, an dem mussten wir nicht arbeiten. Es ist aber nicht so, dass wir alles gelöst haben, das geht Schritt für Schritt. Er hat eine Sturzanfälligkeit und hatte letztes Jahr 31 oder 32 Stürze. Er hat auch am Rennende eine Schwäche. Wir wussten, dass wir an diesen Punkten arbeiten müssen. Aber man braucht auch ein bisschen Glück, dass man den exakten Punkt erwischt, an dem man ansetzen muss, um einen Fahrer dorthin zu bringen. Man braucht auch einen Fahrer, der das annimmt. Das bedarf Vertrauen – oder ein Fahrer hatte ganz viele Niederlagen und sieht keinen Ausweg, dann glauben sie dir auch. Almansa war immer aufgeschlossen.»
«Ich bin nicht davon überzeugt, dass wir schon das erreicht haben, was ich für einen späteren Zeitpunkt als Ziel gesetzt habe», so Öttl. «Man darf nicht lockerlassen, darf nichts übersehen, man muss unheimlich konzentriert sein bei den Sachen, die man einem Fahrer kommuniziert. Es ist nicht erlaubt, da irgendwo Fehler zu machen, sonst verliert ein Fahrer schnell das Vertrauen – speziell, wenn er in eine neue Struktur kommt. Das ist sehr komplex. Ich bin am Abend müde, weil ich mir so viele Gedanken mache, was die richtigen Worte für den Fahrer sind und wo ich ansetzen kann. Unsere Arbeit ist noch nicht zu Ende, definitiv nicht. Es geht um winzige Details, die zwischen Sieg und Niederlage entscheiden.»
Öttl weiß: Von allein wird es nicht gut
«Wenn ein Fahrer zu uns kommt, ist er nicht anders als zuvor», betonte der Ainringer. «Man darf nicht denken, dass sie zu uns kommen und alles ist gut. Das haben wir letztes Jahr mit Almansas Teamkollege David Munoz gesehen, mit dem wir vier oder fünf Rennen brauchten, um die entscheidenden Punkte zu analysieren, zu verstehen und sie ihm dann auch zu vermitteln. Das ist nicht so einfach. Und die Erfahrungen von Munoz auf Almansa zu übertragen, geht nicht, weil die Problematik eine ganz andere ist, als sie bei Munoz war. Unsere analytische Arbeit führt früher oder später zum Erfolg, aber man braucht auch etwas Glück dabei. Ob es immer gelingt, den genau richtigen Ansatz zu finden, da bin ich mir nicht sicher. In der Vergangenheit war es tendenziell so, dass wir den Weg mit den Fahrern gefunden haben. Da kommt meine Erfahrung als Rennfahrer dazu und meine Erfahrung mit verschiedenen Piloten.»
Öttl hebt hervor, wie wichtig in diesem Prozess die Zusammenarbeit mit den beiden Crew-Chiefs Emanuele Martinelli und Stefan Kirsch ist: «Mit ihnen arbeite ich perfekt zusammen, wir stimmen uns viel ab über die Kommunikation mit den Fahrern. Ich lasse deren Erfahrung genauso mit einfließen. Eine Stärke unseres Teams ist, dass wir auf beiden Seiten gleich stark aufgestellt sind. Beide Seiten haben das Potenzial, zu gewinnen. Nicht nur die beiden Fahrer dieses Jahr, sondern auch von der personellen Seite sind wir auf sehr hohem Level. Das ist nicht meine Leistung allein, das ist eine Teamleistung. Wir als Team haben unheimlich Erfahrung, die Crew-Chiefs und ich sind 60 Jahre alt und wir sind 35 bis 40 Jahre im Paddock.»
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