Motorradtke GYTR Sportbike Team erteilt Euro Moto klare Absage
In der Sportbike war das Yamaha-Team im Vorjahr mit viel Eigeninitiative eingestiegen und hatte Justin Hänse bis an die IDM-Spitze katapultiert. Doch die Euro Moto-Orga vermiest eine Fortsetzung.
Am frühen Montagmorgen dieser Woche glühten zwischen Motorradtke-Chef Lars Sänger und Wim Vermeulen, dem für die IDM-Euro Moto Verantwortlichen von Yamaha Deutschland, die Telefondrähte. Bis zum 1. März 2026 hatten Sänger und seine Mannschaft sowie die bereits verpflichteten Fahrer auf ein offizielles Reglement der IDM-Euro Moto-Macher gewartet. Doch es kam nichts. «Eine schwere Entscheidung musste heute getroffen werden», musste Lars Sänger am Montagabend verkünden. «Nach allem Invest aus der Saison 2025 sagen wir unsere Teilnahme an der Euro Moto Sportbike zum heutigen Tag bis auf weiteres ab.»
Die Gründe für den klaren und unmissverständlichen Schnitt sind rasch erklärt. Die Euro Moto wird aktuell nicht den FIM-Status der Europameisterschaft erhalten. Darüber hinaus wird die Euro Moto eine neue Regelung basierend auf der FIM-Regelung einführen, deren Ausgestaltung zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar ist.
«Nach langem Überlegen und ausdauerndem Warten und unterschriebenen Fahrerverträgen rennt uns nicht nur die Zeit weg, es wird schlichtweg zu spät, um eine professionelle Umsetzung dieses Projektes im deutschen Spitzensport zu gewährleisten», erklärte Sänger. Das Team von Motorradtke zählt zu den klassischen IDM-Teams, die sich neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Yamaha-Vertragshändler mit eigener Werkstatt obendrauf noch im Motorradsport in Sachen Nachwuchs engagieren.
«Es ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar, nach welchen Parametern wir die neuen 2026er Modelle aufbauen dürfen», so die nüchternen Fakten im Yamaha-Team. «Die Euro Moto-Homepage scheint eingefroren. Mit Aussagen wie ‚es wird prinzipiell das FIM Regelwerk sein‘ kommen wir als Team nicht weiter. Dass wir die Yamaha R7 konkurrenzfähig in der Serie platzieren können, haben wir in der vergangenen Saison zusammen mit unserem Fahrer Justin Hänse mehrfach mit viel Einsatz, Schweiß und Herzblut unter Beweis gestellt. Die 2025er Bikes stehen einsatzbereit bei uns, dürfen allerdings wegen der 2025er-Homologation nicht mehr verwendet werden.»
Der Blick richtet sich auf das Jahr 2027
«Es widerspricht schon im Grundsatz unserer Teamphilosophie», stellt Sänger klar, «den ersten Test beim ersten Rennen zu fahren. Da es jetzt anscheinend ein FIM/DMSB-Mischregelwerk geben kann, schaffen wir uns scheinbar eine Konfiguration der R7, die nicht 100 Prozent dem FIM-Regelwerk entspricht. Somit gestaltet sich auch eine Teilnahme mit geplanten Wildcards im Rahmen der Sportbike-WM wieder schwierig. Wir sind leidensfähig und hochmotiviert, für die politische Unklarheit können wir als Team nichts.»
An Fahreranfragen mangelte es beim Team Motorradtke GYTR Sportbike nicht. Den Einsatz von vier Fahrzeugen hatte man geplant. Zwei Piloten als Punktejäger vorneweg und zwei Nachwuchsfahrer, die sich in deren Windschatten entwickeln sollten. Aus all diesen Plänen wird nichts. «Bei allem Engagement und Sportgeist müssen ich jetzt umsetzbare Entscheidungen treffen», lautete am Ende Sängers Fazit. «Wir werden die neuen Sportbikes nach dem kompletten FIM-Regelwerk aufbauen und in einen gut vorbereiteten Testbetrieb gehen. Ob es im Rahmen der Euro Moto Sportbike zu Gaststarts kommen kann, sehen wir, wenn uns irgendwann das Regelwerk vorliegt.»
Wir sind leidensfähig und hochmotiviert, für die politische Unklarheit können wir als Team nichtsLars Sänger
Volle Rückendeckung aus dem Hause Yamaha Deutschland ist Sänger sicher. «Es war eine sehr schwierige Entscheidung für Lars», so der Kommentar von Yamaha-Mann Wim Vermeulen, «aber wir respektieren und unterstützen ihn vollkommen. Wir haben immer gesagt, dass wir offiziell antreten würden, wenn die FIM-Regeln für die Klasse Sportbike zu 100 Prozent eingehalten würden, was durch die Verleihung des Status einer Europameisterschaft durch die FIM sichergestellt werden sollte. Diese Bedingungen sind nicht mehr gegeben, was bedeutet, dass Lars sich aufgrund der derzeit unklaren Vorschriften nicht richtig auf den Kampf um die Meisterschaft vorbereiten kann. Da wir gerade dabei sind, die Motorräder fertigzustellen, werden wir sie in einer separaten Klasse unter unserem R7-Cup einsetzen und auch einige Wildcard-Teilnahmen in der Sportbike-WM in Betracht ziehen.»
Der IDM-Promoter hatte seine Idee, die profilierte Serie in eine Art Europameisterschaft umzuwandeln, im August 2025 groß angekündigt. Doch bisher fehlt für die neue Verpackung noch der entsprechende Inhalt. Für die Nachwuchsklasse Sportbike stapeln sich aktuell die Anmeldungen nicht wirklich. Daher muss man vier fehlende Yamaha-Fahrer als herben Verlust bezeichnen. Für die Meisterschaft und auch die Fahrer, die nun, wenige Wochen vor dem Start in die Saison, mit ziemlich leeren Händen dastehen.
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