Romain Grosjean: 5 Jahre nach Feuerunfall ist Helm zurück
Am 29. November 2020 hatte Romain Grosjean einige Schutzengel: Er überlebte in Bahrain einen fürchterlichen Feuer-Unfall. Nun hat er seinen damaligen Helm der Marke Bell zurückerhalten.
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Haas-Fahrer Romain Grosjean wechselte nach dem Start zum Grossen Preis von Bahrain 2020 am Ausgang der dritten Kurve die Fahrbahnseite, dabei geriet er mit dem AlphaTauri von Daniil Kvyat aneinander, weil er wohl den Abstand zum Auto des Russen falsch eingeschätzt hatte, dann schoss Romains Wagen rechterhand in die Leitschienen, trotz blockierender Räder mit rund 200 km/h.
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Das fast Verhängnisvolle dann: Der Wagen wurde durch zwei Leitschienen hindurchgezwängt, dabei wurde der hintere Teil des Wagens von der Überlebenszelle gerissen. Um genau zu sein, drang der Wagen zwischen die erste und zweite Etage der dreistöckigen Leitschienen. Der Wagen schmirgelte durch die Schienen und wurde dann an einem Befestigungspfosten auseinandergefetzt, aus abgerissenen Leitungen trat Kraftstoff aus, ein Feuerball stieg auf – der hintere Wagenteil blieb vor den Leitschienen liegen, Vorderachse und Nase wurden von der Aufprallenergie zerrieben, die Überlebenszelle blieb in den Leitschienen stecken.
Grosjean sass rund 25 Sekunden lang in den Flammen, Rennanzug und Overall sind dafür entworfen, einem solchen Feuer mindestens eine Minute lang zu widerstehen. Der Genfer krabbelte selber aus dem Wagen und warf sich in die Arme des heraneilenden Rennarztes Ian Roberts, ex-Rennfahrer Alan van der Merwe, Fahrer des Medical-Car von Roberts, war mit einem Feuerlöscher zur Stelle.
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Vor kurzem hat der in Genf geborene Grosjean den Unfall-Helm zurückerhalten. Er schreibt auf Instagram: «fünf Jahre nach dem 29. November 2020 bin ich wiedervereint mit meinem Helm. Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich dazu bereit bin, ihn mir anzusehen, aber meine Kinder drängten darauf zu verstehen, wie ich damals so gut geschützt wurde und was genau passiert war.»
«Ich werde Bell Racinng und Alpinestars immer dankbar sein, dass sie in jenen Momenten ihre schützende Hand über mich gehalten haben. Das Leben geht weiter, und wir neigen zum Vergessen – aber das ist eine kraftvolle Erinnerung daran, jeden Tag das beste aus seinem Leben zu schöpfen.» Mit dem Wort Wunder wird heute so verschwenderisch umgegangen wie mit dem Wort Star. Aber hier ist es wirklich ein Wunder, dass Romain Grosjean der Feuerhölle von Bahrain mit verhältnismässig leichten Verletzungen davongekommen ist. Der Westschweizer sagt dazu pragmatisch: "Ich spürte, dass meine letzte Stunde noch nicht geschlagen hatte, aber ich sah den Tod kommen."
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"Jeder fragt mich: Wie war das im Feuer, wie war das in diesen 28 Sekunden? Für mich fühlte es sich viel länger an. Als der Wagen stand, machte ich die Augen auf und öffnete sofort die Gurten. Ein Rätsel ist für mich, wo das Lenkrad hinkam. Es war nicht mehr da. Wahrscheinlich ist es beim Aufprall weggeflogen, ich weiss es nicht." "Ich wollte zunächst aussteigen, spürte aber etwas an meinem Kopf. Also zurück in den Sitz. Dann sah ich das Feuer. Ich versuchte erneut auszusteigen, ich dachte an Niki Lauda, es ging nicht. Also liess ich mich wieder in den Sitz fallen. Auf einmal spürte ich eine grosse Ruhe. Ich dachte, jetzt werde ich sterben. Ich dachte: Wann beginnt der Schmerz, wenn ich verbrenne? Das waren real bestimmt nur Sekundenbruchteile. Meine Kinder kamen mir in den Sinn. Ich dachte – das kann ich ihnen nicht antun!" "Ich lehnte mich nach links hinüber, um mich aus dem Wagen zu schlängeln, dieses Mal kam ich mit den Schultern durch, mein Schuh blieb im Auto hängen. Meine Handschuhe wurden schwarz, nun kam der Schmerz. Ich spürte aber auch Erleichterung, dass ich raus bin. Das nächste was ich spürte, war, dass jemand an meinem Overall zerrt." "Ich bemerkte, dass mein Overall brennt, meine Hände taten nun richtig weh. Ich wollte die Handschuhe sofort ausziehen. Da war schon Ian Roberts, der mich anherrschte: ‚SETZ DICH!’ Ich sagte zu ihm: ‚Du kannst auch normal mit mir reden.’ Ich hörte die Streckenposten, wie sie riefen: ‚Die Batterie brennt, bringt andere Feuerlöscher!’"
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"Ian sagte, dass die Ambulanz gleich komme. Ich antwortete – ich will zum Krankenwagen gehen. Das war vielleicht nicht intelligent, aber mir war wichtig, dass meine Familie und die Menschen sehen, ich kann gehen, ich bin okay." "Die Leute sagen mir, ich sei ein Held. Ich sehe das nicht so. Ich sagte vielmehr Ian Roberts und Alan van der Merwe, dass ich sie als Helden einstufe. Sie meinten: 'Nein, wir haben nur unseren Job gemacht.' Ich fühle mich nicht als Held. Ich finde die Bilder ja selber unglaublich. Wenn ich sie als Aussenstehender gesehen hätte, so hätte ich gedacht: Kein Fahrer kann das überleben." "Ich spürte im Feuer nie Panik, alles war rational. Ich weiss nicht, wieso ich so reagiert habe, aber das hat mir zweifellos das Leben gerettet. Aber ich halte mich deswegen nicht für etwas Bemerkenswertes." "FIA-Präsident Jean Todt erinnerte mich daran, was ich damals über den Kopfschutz Halo gesagt habe. Aber nur ein dummer Mensch ändert seine Meinung nicht. Was die Sicherheitsausrüstung angeht, so sollten wir die Handschuhe verstärken. Das sehe ich als Schwachstelle. Feuer haben wir lange nicht mehr erlebt in der Formel 1, aber wir wurden daran erinnert, dass diese Gefahr noch immer da ist."
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Die Abreissvisiere des Helms von Grosjean waren am Schmelzen und wurden undurchsichtig, wie konnte Romain sehen, wohin er fliehen muss? "Das Visier selber war komplett in Ordnung, so wie der Helm auch, aber die Abrissvisiere waren tatsächlich am Schmelzen. Viel sehen konnte ich nicht, ich versuchte, den Feuerlöschknopf im Wagen zu finden, doch ich sah ihn nicht. Die Eineinhalb-Liter-Flasche hätte bei diesem Feuer ohnehin nicht viel geholfen. Das Problem war, dass die Abreissvisiere zu schmelzen begannen, links war alles verschwommen, aber die rechte Seite war halbwegs okay, zudem schätze ich, dass das Hirn Informationen einspielt, welche das Bild komplettieren. Ich konnte genug sehen, um da rauszukommen, ich weiss noch, dass ich mich auch umgedreht habe und ungläubig auf das Feuer sah und wie die Feuerwehrleute versuchten, es zu löschen." Die verkokelte Überlebenszelle von Romain Grosjeans Haas-Rennwagen ist Kernstück der offiziellen Formel-1-Ausstellung, zu sehen in Madrid, dann in Wien, Toronto, Melbourne und Oberhausen.
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