Fred Vasseur: Schüchternheit adé, Ferrari aus der Defensive holen
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur verrät, was ihn bei seinem Start bei Ferrari schockiert hat, was er verändert hat und warum die Maxime «Sei nicht schüchtern» ein wichtiger Teil seines Führungsstils ist.
Seit Beginn der Saison 2023 ist Frédéric Vasseur Teamchef bei Ferrari. Er übernahm die Scuderia in einer sportlich herausfordernden Zeit. Der letzte Team-WM-Titel war 2008, seitdem ist die Scuderia titellos. Im Interview mit unserem Kollegen von «The Race» sprach Vasseur nun über seine Anfangszeit bei Ferrari, einen kleinen Kulturschock und über den Innovationsgeist, den er fördern will.
Als er bei Ferrari angefangen hat, sprang ihm eine Sache sofort ins Auge, verriet Vasseur: «Es ist nicht so, als hätte es eine Kultur der Angst oder der Schuldzuweisungen oder ähnliches gegeben. Aber vielleicht waren wir ein bisschen in der Defensive. Das Erste, was mich schockierte, als ich hier anfing, war die Lücke, die wir bei jedem einzelnen Thema hatten, nur weil wir uns nicht bloßstellen wollten.»
Mehr Gewicht, mehr Sprit...
Vasseur erklärt, was alles getan wurde, um auf Nummer sicher zu gehen: «Ein Kilo mehr Gewicht, um auf der sicheren Seite zu sein, einen halben Liter oder mehr im Tank, den Seitenkasten weiter öffnen... Am Ende des Tages, wenn man alles auf den Tisch legt, waren es zwei Zehntel.» Also aufs Rennen gerechnet jede Menge Performance, die aus Vorsichtsgründen unter den Tisch fiel.
Der Franzose stellt klar: «Man kann nicht bei null Spielraum sein. Aber zwischen null und zwei Zehnteln liegt eine Zehntel. Und wenn man bedenkt, dass der Durchschnitt zwischen uns und dem Fahrer vor uns im letzten Jahr drei Hundertstelsekunden betrug, kann man sich vorstellen, welche Auswirkungen eine Zehntel auf die Saison hat.»
Vasseur geht mehr ans Limit
Dass es auch mal nach hinten losgehen kann, ans Limit zu gehen, zeigen drei Disqualifikationen in den letzten Jahren: 2025 beide Autos in China – einmal wegen Untergewicht, einmal weil die Planke unterm Auto zu stark abgenutzt war – und 2023 in Austin Leclerc (ebenfalls die Planke).
«Seid nicht schüchtern»
Vasseur: «Was Innovation angeht, ist es eine Botschaft, dass wir den ganzen Tag alles geben müssen, um zu sagen: ‹Seid nicht schüchtern›. Wenn ihr einen Vorschlag habt, seid offen. Wir geben niemandem die Schuld, wenn ihr etwas vorschlagt und es nicht funktioniert.» Ein besonders auffälliges Ergebnis dieser Philosophie: Der «Macarena-Flügel» getaufte drehbare Heckflügel, der sich um die eigene Achse dreht und auf den Kopf stellt.
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