KTM-Rennsportchef Pit Beirer: «Aufgeben war noch nie unsere größte Stärke»
Die Ducati-Asse haderten mit Speed und Glück, Aprilia-Held Bezzecchi patzte im Sprint. Dass Pedro Acosta mit KTM in Thailand die meisten Punkte holte, ist für Pit Beirer nicht die größte Überraschung.
Die erste Wettfahrt der Saison 2025 am vergangenen Samstag hatte noch kein endgültiges Bild über die Aufstellung der MotoGP-Hauptdarsteller gegeben. Das lag insbesondere an Aprilia-Werksfahrer Marco Bezzecchi, der sich im Sprint nach nicht einmal zehn Rennkilometern per Crash frühzeitig verabschiedete.
Ducati war zur Stelle und hätte ohne pingelige Regelauslegung auch mit dem Weltmeister den ersten Sieger des Jahres gestellt. Ob Marc Marquez oder der am Ende gefeierte Pedro Acosta, über die Distanz von 13 Runden schenkten sich Bologna und Munderfing über eine Runde gesehen nur wenig. In Zahlen ausgedrückt: Auf die schnellste Rennrunde des Champions (1:29,922 min) verlor Acosta 0,104 sec.
Bemerkenswerte Zahlen, denn während Marquez identische Zeiten wie 2025 fuhr, war Acosta nahezu eine halbe Sekunde schneller. Erstaunlicher noch: Der Renner aus Österreich brach weder über die kurze noch über die doppelt so lange GP-Distanz ein. Und im Großen Preis von Thailand ließ sich die Freude im Lager von Red Bull KTM Factory Racing nochmals steigern. Denn nach dem Thailand-GP und mit fehlerfreiem Referenz-Pilot Marco Bezzecchi an der Spitze konnte von einer Italo-Zweiklassengesellschaft überhaupt keine Rede sein.
Die Vorstellung des Teams aus Noale fand auch bei KTM-Racing-Chef Pit Beirer große Anerkennung: «Bei aller Vorsicht und dem sehr frühen Zeitpunkt der Saison, bis hierher ist es mal so, dass Aprilia von allen Herstellern den besten Job über den Winter gemacht hat.» Der Tabellenstand nach dem Thailand-GP ist eine handfeste Sensation. Auf Pedro Acosta folgen alle vier Aprilia-RS-GP-Athleten und die Top 6 schließt Brad Binder, wieder KTM, ab.
Nach dem aus KTM-Sicht Spitzenauftakt berichtete Rennsportchef Pit Beirer gegebüber SPEEDWEEK.com exklusiv: «Wir haben bewiesen, dass der Sprint kein einmaliger Glückstreffer ist. Im Gegenteil, beim GP ist all das zum Tragen gekommen, woran in den letzten Monaten gearbeitet wurde. Ich bin wahnsinnig stolz auf alle.»
Doch Beirer kam nicht umher, das Führungstrio hinter dem jüngsten Erfolg herauszuheben: «Die Achse mit Aki, Kevin und Sebastian hat perfekt zusammengespielt und vor sehr konsequent an dem festgehalten, was gemeinsam als Vorgehensweise vereinbart wurde Sie alle haben viel Verantwortung übernommen und zusammen die richtigen Schlüsse gezogen.»
Weniger Topspeed, bessere Rundenzeiten
Die Rede ist von Urgestein Aki Ajo, der 2025 die Rolle als Teammanager übernommen hat und seitdem konsequent auf transparente und einfache Kommunikation setzt. Mehr Verantwortung übernahm der junge Kevin Ranner, der das Ingenieurs-Mastermind Sebastian Risse auf der technischen Ebene ergänzt.
Die eine Antwort auf die Frage, wie es KTM gelang, die Schwächen des Vorjahres zu eliminieren, die gibt es nicht. Pit Beirer: «Es ist ein riesiges Bündel an Themen und Entscheidungen, die das Team zusammenhalten muss. Im Kern ging und geht es darum, mehr aus dem Reifenmaterial herauszuholen, auch wenn das bedeutet, vielleicht die Stärken zurückzubauen. Beispiele sind Topspeed oder Traktion, die auch eine Rolle spielen. Beim Thema Reifenkühlung geht es manchmal auch darum, im richtigen Moment nicht zu schnell unterwegs zu sein. All das hat die Mannschaft nicht nur verstanden, sondern auch erfolgreich umgesetzt.»
Die Aussagen von Beirer werden von den Aufzeichnungen untermauert. Bei deutlich höherer Rennpace gab KTM die Domäne Topspeed vorübergehend auf. Die beste KTM tauchte mit Binder in Buriram «nur» auf Platz 5 auf.
Eine Frage nach Thailand: Warum sollte Acosta zu Ducati gehen?
Nach dem KTM-Aufschlag beim WM-Auftakt bekommt die Personalie Acosta noch mehr Brisanz. Auch wenn der Transfermarkt in Buriram nicht erstes Thema war, gilt der junge Spanier weiterhin als fixer Kandidat des Ducati-Werksteams für 2027. Zumindest nach den ersten beiden Rennen dürfte das Supertalent aus Murcia ins Grübeln geraten sein.
Pit Beirer: «Pedros große Vision ist es natürlich, Marc zu schlagen. Das steht für ihn an erster Stelle – und das hat er in Thailand aus eigener Kraft mit unserem Motorrad geschafft. Auch deshalb haben wir den Gedanken, dass Pedro auch 2027 für KTM fährt, noch lange nicht aufgegeben – Aufgeben ist bekanntlich nicht unsere größte Stärke.»
Dennoch unterstrich Pit Beirer auch nach Runde 1 in Thailand: «Die Parole bleibt die gleiche: All-in für 2026. Nur das zählt. Das gesamte Team konzentriert sich auf nichts anderes.» Das Ergebnis der Kräftebündelung spricht vorerst für sich – in der zehnten Saison des Projekts führt KTM erstmals die MotoGP-Wertungen an. Neben der Fahrer-WM muss sich Österreich Platz 1 bei den Herstellern mit Aprilia teilen. Werken haben in Thailand mit je 32 Punkten reichlich Beute gemacht. Ducati kam auf 19 Zähler.
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