Marc Márquez: «Wir dürfen nicht in Panik verfallen»
Honda hat bei den ersten 13 Grand Prix nur einen Podestplatz erreicht, der letzte GP-Sieg liegt fast 1 Jahr zurück. Deshalb rechnet Stefan Bradl am Dienstag mit einer Testteilnahme von Marc Márquez.
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Marc Márquez trainierte gestern auf der Kartpiste in Aragón erstmals seit seiner vierten Oberarm-Operation mit einer 600-ccm-SSP-Honda. Beim Österreich-GP hielt sich der 59-fache MotoGP-Sieger am Freitag erstmals wieder in der Repsol-Box sein und nahm an allem Technical Debriefs mit den HRC-Ingenieuren teil.
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Die HRC-Manager und Marc Márquez gaben sich bisher beim Thema, wann der Spanier wieder auf der Honda RC213V sitzen werde, sehr zurückhaltend. Doch Stefan Bradl rechnet mit einem Comeback am Dienstag und Mittwoch beim IRTA-MotoGP-Test in Misano. "Das Wichtigste ist, dass die Rehabilitation Fortschritte macht. Wenn ich eine Woche länger warten muss, werde ich warten", hielt Márquez beim Österreich-GP fest. Gleichzeitig betonte er: "Sobald ich mich zu 70 Prozent fit fühle und überzeugt bin, ich kann ein MotoGP-Bike auf halbwegs vernünftige Art und Weise fahren und beherrschen, werde ich antreten und ein Comeback machen. Denn die beste Therapie und der letzte Teil der Rehabilitation ist das Rennfahren. Du kannst nicht warten, bis du zu 100 Prozent fit und genesen bist, bevor du wieder ein MotoGP-Bike steuerst. Wir müssen den Zeitpunkt noch entschieden. Wir ziehen aber all diese Belange in Betracht."
Marc Márquez weiter: "In den ersten sechs Wochen nach der Operation habe ich komplett stillgehalten, da habe ich meinen rechten Arm nicht bewegt. Die Ärzte haben eine konservative Heilung und Genesung vorgeschlagen, ich habe zu 100 Prozent zugestimmt. Ich habe immer gesagt: Es ist besser eine Woche länger zu warten als wieder zu optimistisch zu sein. Nach den ersten sechs Wochen habe ich den rechten Arm etwas bewegt, mein Physio hat das immer genau überwacht. In den vier Wochen vor dem Österreich-GP haben wir mit elastischen Bändern gearbeitet, dann haben wir die Belastung etwas erhöht. Nach dem Rennen in Spielberg gaben die Ärzte grünes Licht für eine noch stärkere Belastung. Dann durfte ich stärker pushen. So konnten wir einen Plan machen und überlegen, wann ich auf die GP-Piste zurückkehren kann. Wir müssen zwei Sachen berücksichtigen – den Knochen und die Muskulatur."
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"Ich war mir immer bewusst, wie wichtig die richtige Rehabilitation ist. Diese Operation war meine letzte Chance", sagte der Repsol-Honda-Star, der von 2013 bis 2019 sechs von sieben MotoGP-WM-Titel gewonnen hat.
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Hat Marc eine Vorstellung davon, wie die MotoGP-Honda endlich wieder konkurrenzfähig gemacht werden kann? Zur Erinnerung: Bei seinem letzten Rennen in Mugello kam Marc über Platz 10 nicht hinaus. Pol Espargaró hat bei den letzten sechs Grand Prix nur einmal gepunktet – mit Platz 14.
"Ich habe die neuesten Teile noch nicht probiert. Aber in Mugello hatten wir ein sehr schwieriges Motorrad", räumt Marc ein. "Unsere Probleme waren groß. Wir haben überall Zeit verloren." Marc Márquez ist überzeugt, bei HRC müsse der Informationsfluss beschleunigt werden, außerdem muss die Entwicklungsgeschwindigkeit erhöht werden – wie es die europäischen Werke Ducati, Aprilia und KTM vormachen.
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"Wenn unsere Mannschaft motiviert bleibt, werden wir uns sicher aus dieser Situation retten. Wir Fahrer sind hier, um da mitzuhelfen. Als Rennfahrer werde ich zu 100 Prozent meinen Beitrag leisten und das Team unterstützen. Und jetzt ist wichtig, dass wir verstehen, was wir vom 2023-Projekt brauchen. Wir müssen auch das Konzept ändern und die Koordination verbessern. Honda hat als Marke mehr WM-Titel gewonnen als alle anderen. Ich bin bei Honda, weil ich an diese Marke glaube. Ich glaube, dass ich mit ihnen wieder an die Spitze zurückkehren kann. Es steht aber auch fest, dass Honda verstehen muss, wie sie sich besser organisieren können. Wir haben jedes Jahr mehr Rennen und weniger Tests. Die Arbeit im Werk bekommt also immer mehr Bedeutung für die Performance auf der Rennstrecke. Das Rennteam muss noch enger mit dem Werk in Japan zusammenarbeiten." Das war ein Mangel, den Gigi Dall’Igna nach dem Oktober 2013 bei seiner Ankunft bei Ducati Corse als erstes bereinigt hat. Er band die Ingenieure im Werk viel stärker in die Arbeit auf der Rennstrecke ein. Jetzt hat Ducati bei 19 Rennen in Serie immer einen Fahrer auf dem Podest, Honda seit zwölf Rennen keinen mehr. Am Schluss wiederholt Marc Márquez seine Ansprüche an Honda: "Ich will das beste Bike auf der Strecke haben. Honda macht mit, um Weltmeisterschaften zu gewinnen. Das gilt auch für die Honda-Fahrer: Alle von uns wollen um den WM-Titel kämpfen."
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Nach den Schlappen der vergangenen Monate (kein WM-Punkt beim GP von Deutschland!) ortet Marc Márquez bei HRC einen Sinneswandel. "Sie gehen mit einem ‘open mind’ an die Arbeit. Die Honda-Techniker sind für neue Ideen offen. Es ziehen alle am gleichen Strang. Das ist am wichtigsten." Braucht Honda eine Revolution? Márquez: "Ich will nicht behaupten, Honda muss die Arbeitsmethoden der Europäer nachahmen. Nein, denn der japanische Arbeitsstil war in den letzten Jahren sehr erfolgreich. Honda hat in den letzten zehn Jahren viele Titel gewonnen. Aber die Welt ändert sich, die Meisterschaft verändert sich. Als die jungen Fahrer nach oben gekommen sind, hat sich die Fahrweise geändert. Man muss dann als Fahrer nachforschen, wie man sich verbessern und sich weiter an der Spitze behaupten kann. Honda strengt sich in dieser Richtung sehr an. Wir müssen alles genau analysieren. Aber wir dürfen nicht in Panik verfallen. Die Panik ist unser größter Feind." "Ich habe mich zur vierten Oberarm-Operation entschlossen, weil ich mit Honda wieder an die Spitze zurückkehren will. Das ist mein klares Ziel", versicherte der 29-jährige MotoGP-Star. Bisher hat sich der Honda-Werkspilot zum Dienstag-Test nicht geäußert. "Ich komme zurück, sobald ich mich bereit fühle. Ich kann bisher noch nicht sagen, ob ich in diesem Herbst noch ein, zwei oder drei Rennen fahren werde. Aber es ist wichtig, dass ich die Saison 2023 ordentlich vorbereiten kann."
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