Rivola (Aprilia): Übernehmen MotoGP-Teams das Formel-1-Modell?
Aprilia-Rennleiter Massimo Rivola spricht über den XXL-Kalender, die MotoGP-Zukunft mit Liberty Media und erklärt, warum Wachstum in der MotoGP auch Risiken birgt.
Der MotoGP-Kalender ist im vergangenen Jahr auf 22 Rennwochenenden mit insgesamt 44 Rennen angewachsen – ein Pensum, das längst nicht mehr nur Fahrer und Ingenieure fordert. Auch hinter den Kulissen macht sich Ermüdung breit. Nach der vergangenen Saison wirkten viele Teammitglieder ausgelaugt, der Dauerstress ist unübersehbar. Die Frage drängt sich auf: Wären weniger Rennen nicht besser?
Aprilia-Rennleiter Massimo Rivola sieht das grundsätzlich ähnlich, glaubt aber nicht an eine kurzfristige Entlastung. «Es wäre schön, weniger als das zu haben. Ich glaube aber nicht, dass wir weniger Rennen haben werden, besonders mit Liberty, denn offensichtlich ist die Show das, was sich auszahlt», erklärte der Italiener im Rahmen der Aprilia-Teampräsentation für die Saison 2026.
Seit Liberty Media im Vorjahr die Mehrheit am MotoGP-Rechteinhaber Dorna übernommen hat, ist klar, wohin die Reise gehen soll: mehr Reichweite, größere Sponsoren, eine optimierte Show – ähnlich wie zuvor in der Formel 1.
Mehr Grands Prix nur dann sinnvoll, wenn...
Rivola betonte, dass der aktuelle Umfang nur dann zu bewältigen ist, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld weiterentwickelt. «Solange wir das Geschäftsniveau anheben, denke ich, dass wir auch 22 Rennen mit der Anzahl an Tests, die wir derzeit haben, abdecken können.»
Gleichzeitig sieht er Reformbedarf bei den Abläufen. Eine Möglichkeit wäre, die Testfahrten deutlich zu reduzieren und personell umzudenken. «In der Formel 1 fängt man an, mehr Mechaniker und mehr Ingenieure einzusetzen und diese zu rotieren», so Rivola. Dort betreuen längst nicht mehr bei jedem Grand Prix die gleichen Crews die Autos – ein Modell, das auch im Motorradsport Schule machen könnte.
Allerdings hätte das Konsequenzen auf Management-Ebene. «Vielleicht bekommen Leute wie ich und Fabiano (Sterlacchini) dadurch Probleme, aber zumindest betrifft es dann zwei Personen und nicht alle», räumte Rivola ein.
Entscheidend sei, das Gesamtpaket MotoGP attraktiver zu machen. «Wir müssen das geschäftliche Niveau der MotoGP insgesamt anheben. Dann wird die Lösung – ich will nicht sagen einfach – aber wir werden eine Lösung finden. Absolut. Sobald große Top-Sponsoren in die MotoGP einsteigen, werden auch wir davon profitieren. Es geht also um das Niveau der MotoGP als Marke.»
Bekommt die MotoGP ein exklusives Fahrerlager?
Im Zuge der Liberty-Übernahme rechnet Rivola zudem mit spürbaren Veränderungen im Fahrerlager. «Ich erwarte, dass wir das Layout des Fahrerlagers immer weiter optimieren können», sagte der Aprilia-Rennleiter. Gespräche mit der Dorna laufen bereits, um für die MotoGP-Teams mehr Platz in den Boxen zu schaffen und Sponsoren eine bessere Sicht auf das Geschehen zu ermöglichen.
«Die Saison 2027 wird vielleicht nicht nur ein Neustart in Sachen Motorräder sein sondern auch bezüglich des Fahrerlagers.» Rivola lobt die jüngsten Initiativen ausdrücklich: «Auf jeden Fall hat die Dorna in den vergangenen Monaten sehr viel unternommen, um den Wert der Marke MotoGP zu steigern.»
Doch das Wachstum hat auch Schattenseiten. In den Diskussionen tauchte bereits die Gefahr auf, dass Moto2- und Moto3-Teams in Zelte ausweichen müssten und damit klar abgewertet würden. Sogar zwei getrennte Fahrerlager standen zur Debatte – ein exklusives Paddock für die MotoGP und ein abgespaltenes Areal für die kleineren Klassen. Für Moto2 und Moto3 hätte das gravierende Folgen: Ihre Gäste bekämen nichts mehr von der Königsklasse mit, Paddock-Pässe verlören an Wert und Sponsoren könnten sich zurückziehen.
Rivolas Aussagen machen deutlich: Liberty Media will die MotoGP größer und kommerziell stärker machen. Ob es gelingt, dabei alle Beteiligten mitzunehmen, wird entscheidend dafür sein, ob der Rekordkalender und die geplanten Strukturänderungen langfristig als Fortschritt wahrgenommen werden.
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