Alex Lowes (Bimota) warnt: Ducati-Gegner dürfen nicht demotiviert werden
Ducati bestimmt die Superbike-WM 2026 mit der neuen Panigale V4R. Bimota-Pilot Alex Lowes spricht über die Folgen – und warum mehr Ausgeglichenheit so schwer zu erreichen ist.
Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top-6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
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Die Kräfteverhältnisse in der Superbike-WM 2026 waren früh klar verteilt: Ducati hat nach einem bereits starken Jahr 2025 mit der weiterentwickelten Panigale V4R noch einmal nachgelegt und ist der Konkurrenz klar davongezogen. Ducati-Werkspilot Nicolo Bulega fährt aktuell von Sieg zu Sieg, während sein Teamkollege Iker Lecuona meist als erster Verfolger auftritt – dahinter folgt eine Phalanx privater Ducati-Piloten.
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Beim vierten Rennwochenende der Saison im Balaton Park wurde das Ausmaß der Dominanz besonders am Freitag deutlich: Nach dem zweiten Training lagen sieben Ducati-Piloten an der Spitze des Klassements. Am Samstag stellte Bulega dann seinen 14. Sieg in Folge sicher und brach damit den bestehenden Rekord von Toprak Razgatlioglu. Bimota-Werkspilot Alex Lowes beobachtet diese Entwicklung genau – auch, weil sein Bruder Sam Lowes im Team Marc VDS selbst eine Ducati pilotiert. Der Brite wünscht sich mehr Anerkennung für die Leistungen der Fahrer, selbst wenn sie auf dem aktuell besten Material sitzen. Gleichzeitig stellt sich die entscheidende Frage: Wie lässt sich die Balance in der Superbike-WM wiederherstellen, ohne Ducati für die gute Arbeit zu bestrafen?
Balance in der Superbike-WM: Eine nahezu unmögliche Aufgabe Lowes machte im exklusiven Interview mit SPEEDWEEK.com deutlich, wie komplex die Situation ist: «Es ist schwierig, ehrlich gesagt, sehr schwierig. Natürlich ist es nicht mein Job, aber ich denke, das Ziel ist, dass man immer den besten Fahrer und das beste Team an der Spitze sehen will. Man möchte immer die Besten gewinnen sehen, aber gleichzeitig sollen alle an den Start gehen und glauben, dass sie eine Chance haben zu gewinnen oder zumindest um Positionen kämpfen zu können. Das ist der Schlüssel. Denn sobald man das Gefühl hat, keine Chance zu haben, verlieren die Leute die Motivation, Teil der Serie zu sein – und das wollen wir nicht, das ist das Letzte, was wir wollen.»
Ducati gelang der erste Sieg der Saison, doch alle Aprilia-Racer landeten in Jerez in den Top-6. Der Test endete mit drei Bikes aus Noale in Front. Eine Bestandsaufnahme nach dem MotoGP-Europaauftakt.
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Gerade dieser Spagat zwischen Leistungsförderung und Chancengleichheit sei für die Serienverantwortlichen herausfordernd: «Ich weiß nicht, wie sie das lösen sollen, es ist schwierig. Im Leben ist es eben auch schwierig, Leute zu bestrafen, die gute Arbeit geleistet haben. Ducati hat mit seinem Serienbike gute Arbeit geleistet, die Fahrer leisten ebenfalls gute Arbeit. Aber sobald es ein bisschen aus dem Gleichgewicht gerät, sodass nicht mehr alle konkurrenzfähig sind, müssen wir eine Lösung finden, die für alle passt. Das ist aber nicht einfach.»
Alex Lowes warnt: Ducati-Erfolge dürfen nicht kleingeredet werden Lowes betont zudem, dass die aktuelle Dominanz eines Herstellers auch eine Schattenseite für dessen Piloten hat: «Wenn du auf einer Ducati gut bist, sagen die Leute einfach: 'Ja, aber du bist nur gut, weil du auf der Ducati sitzt.' Das wollen wir auch nicht, denn ich bin sicher, die Jungs vorne leisten fantastische Arbeit und verdienen solche Kommentare nicht.» Ein zentrales Problem sieht der Bimota-Pilot in der schieren Anzahl konkurrenzfähiger Ducati-Maschinen: «Ich weiß also nicht, wie man das Problem löst, aber es ist klar, dass man versuchen muss, die Wettbewerbsfähigkeit aller zu verbessern. Denn wenn vorne sechs Fahrer auf demselben Motorrad sind, ist das schwierig. Die Leute sagen zwar, Johnny (Rea) hat früher auch viel gewonnen, aber es gab andere Bikes im Feld. Jetzt haben wir Rennen und Trainings, da kommen erst die Werks-Ducatis, dann alle Ducati-Kundenteams und dann der Rest – das ist das Problem.»
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Wie eine Lösung konkret aussehen könnte, lässt auch Lowes offen: «Ich weiß also nicht, wie sie das lösen können. Aber wir versuchen, uns jeden Tag zu verbessern, jedes Mal, wenn alles zu geben, was wir können. Und dann schauen wir, was sie in Zukunft mit den Regeln entscheiden. Ich hoffe, sie können etwas tun – ich weiß nur nicht, was.» Heimlicher Bike-Tausch mit Bruder Sam bei einem Test? Die Bimota KB998 Rimini kennt Lowes mittlerweile gut und kann das Potenzial des Motorrads nutzen. Wie groß ist der Reiz, bei einem privaten Test auf die Ducati Panigale V4R von Bruder Sam zu steigen, um sich einen Überblick zu verschaffen, wie sich das momentan dominante Superbike fahren lässt?
«Ja, das würde ich sehr gerne, ich würde es wirklich gerne ausprobieren», bemerkte Lowes, ruderte aber schnell zurück: «Das ist natürlich nicht die Realität, die wir haben. Ich habe jetzt schon ein paar Mal Teams und Bikes gewechselt, aber gleichzeitig liegt mir das Bimota-Projekt mit meinem Team am Herzen. Ich habe das Gefühl, meine Geschichte sollte sein, hier zu bleiben und dieses Projekt zu unterstützen. Aber klar, als Fahrer würde man gerne verstehen, wie unterschiedlich ein anderes Bike ist – natürlich.»
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