Exklusiv: Johnny Reas Nachfolger Xavi Vierge spricht erstmals über Yamaha
Vier Jahre fuhr Xavier Vierge in der Superbike-WM für das Honda-Werksteam, plötzlich hing seine Karriere am seidenen Faden. SPEEDWEEK.com erzählte er, wie er damit umging und bei Yamaha unterkam.
Dank eines Gentlemen’s Agreements durfte Xavier Vierge bereits im Oktober und November für seinen neuen Arbeitgeber Yamaha testen, obwohl er noch bis zum 31. Dezember 2025 bei Honda unter Vertrag stand.
Reden darf der 28-jährige Spanier seit dem 1. Januar über Yamaha – und gab SPEEDWEEK.com das erste Interview. «Mein erster Eindruck ist der von einem sehr professionellen Team, jeder kennt seine Rolle und ist sehr clever», erzählte Vierge. «Zahlreiche Teammitglieder verfügen über viel Erfahrung und kennen sich untereinander gut, das macht bei den Arbeitsabläufen einen großen Unterschied. Sie wissen, wie sie aus allem das Potenzial herauskitzeln können.»
Das zweite Halbjahr 2025 war für Vierge schwer zu ertragen: Obwohl er in den vergangenen vier Saisons in der Superbike-WM mit den Gesamtränge 10, 10, 11 und zuletzt 7 dreimal bester Honda-Fahrer war, wurde ihm schon früh offenbart, dass er seinen Platz im Werksteam verlieren wird. Und während sein Teamkollege Iker Lecuona den Hauptgewinn zog und für 2026 im Aruba-Ducati-Werksteam andockte, stand Xavi lange ohne Job und Perspektive da – er war nicht von Anfang an Yamahas erste Wahl als Nachfolger von Jonathan Rea.
«Dinge geschehen aus gewissen Gründen», philosophierte der Katalane. «Obwohl ich sehr gute Arbeit leistete, fand ich mich aus politischen Gründen plötzlich in einer sehr schwierigen Position. Zu diesem Zeitpunkt entschied sich Johnny zurückzutreten und für mich tat sich die Möglichkeit auf, diesem erstaunlichen Team beizutreten. Ich würde sagen, das war für beide Seiten ein sehr gutes Timing. Es ist auch so, dass ich mich ab dem ersten Moment sehr willkommen fühlte. Vom Teammanager bis zu den Mechanikern, alle sind sehr glücklich und haben ein Lächeln im Gesicht. Mir geht es genau gleich. Für mich war es eine große Überraschung, dass ich jetzt für das Yamaha-Werksteam starte, in dem schon viele Legenden fuhren.»
Wäre der Deal mit Yamaha nicht zustande gekommen. Hatte Vierge einen Plan B? «Na klar», entgegnete er, «es lagen mehrere Pläne auf dem Tisch. Ich konzentrierte mich darauf mein Bestes zu geben, wie ich es immer tue. Ich wusste, dass sich etwas Gutes auftun wird, weil ich es verdient habe. Mein Teamkollege bei Honda kam aus der MotoGP, auf dem Papier hätte er zu Beginn viel schneller sein müssen als ich, aber ab der zweiten Saison war ich schneller als er. Er bekam einen Platz im Ducati-Werksteam, wo fast alle Fahrer hinwollen. Ich lag öfter vor ihm und leistete sehr gute Arbeit. Es ist nicht so, dass den Leuten klar war, dass er viel schneller ist als ich – oder umgekehrt. Wir fuhren auf sehr ähnlichem Level. Deshalb dachte ich mir, als ich mir Sorgen um meine Zukunft machte, dass wenn er in der Lage ist diesen Job zu bekommen, dann muss auch ich etwas Gutes für mich finden. Hätte sich die Chance bei Yamaha nicht aufgetan, wäre ich sehr traurig. Gleichzeitig hätte ich aber auch nicht mehr tun können. Ich zeigte in der Vergangenheit mein Potenzial mit dem Bike, das mir zur Verfügung stand. Hätte ich mit diesen Resultaten zu Hause bleiben müssen, dann wäre es so. Das wäre nicht so gekommen, weil ich schlecht war. Manchmal passieren Dinge, die nicht normal sind. Glücklicherweise ging alles sehr, sehr gut aus.»
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