Nach McLaren-Crash im Singapur-Sprint: Vorschlag von Ex-Teamchef Szafnauer
Die F1-Piloten kämpfen gleichzeitig für sich und für ihr Team. Das kann zu Interessenkonflikten führen, wie der McLaren-Crash von Singapur beweist. Otmar Szafnauer weiss, wie man damit umgehen muss.
Die Enttäuschung stand Andrea Stella ins Gesicht geschrieben, als seine beiden Schützlinge im Singapur-Sprint kurz vor dem Fallen der Zielflagge aneinandergerieten und zeitgleich einen unfreiwilligen Dreher hinlegten. Der Teamchef von McLaren wusste: Damit waren acht WM-Punkte hin, denn während Lando Norris weiterfahren und als Achter ins Ziel kommen konnte, musste sein Teamkollege Oscar Piastri einen bitteren Ausfall hinnehmen.
McLaren-Teamchef Andrea Stella: Team-Interesse steht an erster Stelle
Der Australier war auf bestem Weg, Vierter zu werden, als sein Stallgefährte in der fünften Kurve angriff und damit das Desaster für die Papaya-Truppe auslöste. Stella sprach von einem inakzeptablen Szenario, und betonte: «Das Interesse des Teams ist weit grösser als das Interesse eines Einzelnen.»
Doch genau da liegt die Krux, weiss Otmar Szafnauer. Der frühere Teamchef verriet im «High Performance Racing Podcast» im Gespräch mit dem ehemaligen Ferrari-Ingenieur Rob Smedley, was er Norris und Piastri sagen würde, wenn er für das McLaren-Team verantwortlich wäre: « Selbst wenn ihr die Plätze tauscht, ändert sich für uns nichts. Das ist eine Fehlentscheidung. Und der einzige Grund, warum du das getan hast, ist, dass du einen Punkt mehr als dein Teamkollege haben willst, und darum geht es hier nicht. Das muss man ihnen klar machen.»
Schafft eine Vertragsklausel Abhilfe?
Der 62-Jährige hat eine Idee, wie das Interesse des Teams mit den Zielen der Fahrer vereinbar gemacht werden kann: «Sie müssen die WM-Position des Teams mit einem netten Bonus für beide Fahrer verbinden und das so vertraglich festhalten. Dann werden die Piloten zwei Mal überlegen, ob sie so etwas durchziehen. Wenn das Team verliert, verlieren sie auch.»
Szafnauer zeigt aber auch Verständnis für den Ehrgeiz, der zum Angriff von Norris geführt hat: «Das sind Rennfahrer, und wenn du dann hinter deinem Teamkollegen fährst, den du für langsamer erachtest, und eine Lücke siehst, dann versuchst du es, wenn du nichts derartiges im Vertrag stehen hast. Denn schliesslich bist du ein Racer.»
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