Timo Bernhard: «Viele Grundlagen für 2019 gelegt»

Von Martina Müller
ADAC GT Masters
Bei SPEEDWEEK.com analysiert Sportwagen-Weltmeister Timo Bernhard seine Debütsaison im ADAC GT Masters. Dort trat er nicht nur als Porsche-Pilot an, sondern hatte als Teamchef sogar eine Doppelbelastung zu stemmen.

Nachdem Timo Bernhard 2017 im Porsche 919 Hybrid den Weltmeistertitel in der FIA WEC einfahren konnte, wechselte der Saarpfälzer in diesem Jahr ins ADAC GT Masters. Zusammen mit Werksfahrerkollege Kévin Estre fuhr der 37-Jährige einen Porsche 911 GT3 R seines KÜS Team 75 Bernhard. Mit 52 Punkten lief das hoch eingeschätzte Duo am Ende lediglich auf Position elf in der Meisterschaftstabelle ein. Für Bernhard ist das Resultat jedoch mehr Ansporn als Enttäuschung. Denn 2019 will er mit allen gesammelten Erfahrungen stärker als je zuvor in die 'Liga der Supersportwagen' zurückkehren. Im Interview mit SPEEDWEEK.com gewährt Bernhard einen Einblick in seine GT-Masters-Saison 2018.

Herr Bernhard, das Jahr im ADAC GT Masters muss Ihnen wie eine Achterbahnfahrt vorgekommen sein. Was empfanden Sie als den absoluten Höhepunkt?

Timo Bernhard: «Es gab tatsächlich sehr viele Höhepunkte. Aber ganz oben steht natürlich der Sachsenring mit der Pole-Position und dem Rennsieg - auch wenn dieser durch ein späteres Urteil vereitelt wurde. Wir hatten uns über die ganze Saison kontinuierlich nach vorne gearbeitet. Und somit war die Zieleinfahrt am Sachsenring das verdiente Resultat für all die harte Arbeit, welche das Team in den Monaten zuvor geleistet hatte.»

Sie werden es sicher bereits ahnen, dass wir nun auch den Tiefpunkt Ihrer ADAC-GT-Masters-Saison wissen möchten!

«Der lag ohne jeden Zweifel beim zweiten Rennwochenende in Most, als bei uns überhaupt nichts zusammen lief. In Bezug auf die Performance befanden wir uns dort in einem Bereich, in welchem wir uns überhaupt nicht befinden sollten. Jedoch stellten sich die Erfahrungen aus Most als die Initialzündung für die angesprochene akribische Arbeit heraus, die in der Leistung vom Sachsenring gipfelte. Nach Most stellten wir einige grundlegende Dinge um. Der Aufwärtstrend konnte schon am Red Bull Ring festgestellt werden.»

Sie kamen als Weltmeister der FIA WEC ins ADAC GT Masters. Wie fühlte sich die Umstellung an?

«Beides sind ganz andere Dimensionen. Der einzige Grund, warum ich das Ganze überhaupt gemacht habe, war, mein KÜS Team 75 Bernhard weiter nach vorne zu bringen. Wäre das LMP1-Programm bei Porsche weitergegangen, so wäre ich auf jeden Fall in der FIA WEC geblieben. Insgesamt habe ich mir mit dem Schritt ins ADAC GT Masters sehr viel aufgehalst. Jedoch liebe ich die Herausforderung. Außerdem habe ich auch nicht so ein großes Ego, dass die Welt unterginge, wenn ich einmal nur auf Platz acht oder zwölf stehe. Trotz allem denke ich jedoch, dass ich in diesem Jahr auch eine gute Fahrer-Performance abgeliefert habe – vor allem zum Ende der Saison hin. Nächstes Jahr wird diesbezüglich noch mehr kommen. Das kann ich an dieser Stelle schon einmal versprechen.»

Sie haben nicht nur in Ihrem Porsche 911 GT3 R Gas gegeben, sondern standen als Chef des KÜS Team 75 Bernhard auch an der Boxenmauer. Wie bewerten Sie diese Doppelfunktion?

«Das ist mit das Schwierigste, was ich in meiner Karriere je gemacht habe. Ich musste mich in die Doppelrolle erst einfügen und hatte zu Saisonbeginn auch den einen oder anderen Fehler begangen. Ich denke jedoch, dass dies in einer gewissen Weise normal ist. Auf der einen Seite bin ich die Identifikationsfigur für das Team und auf der anderen muss ich den Job des Fahrers erledigen. In der ersten Saisonhälfte hatte ich zudem noch einige andere Projekte. Somit konnte man sogar von einer Tripplebelastung sprechen.»

Welches Fazit ziehen Sie aus Ihrer ersten Saison im ADAC GT Masters?

«Mit den Ergebnissen sind wir sicherlich nicht zufrieden. Da brauchen wir nicht drumherum zu reden. Doch obwohl es die Resultate vielleicht nicht gezeigt haben, konnten wir extrem wichtige Grundlagen für nächstes Jahr legen. Einen Teamaufbau muss man immer auch etwas zeitversetzt sehen. Mit sieben Rennwochenenden ist die Saison im ADAC GT Masters recht kurz. Insbesondere das, was wir zum Ende dieser Spielzeit gelernt haben, werden wir erst 2019 sehen. Davon bin ich überzeugt!»

Wo wird die Reise Ihres Teams in Zukunft hingegen? Interessieren Sie sich für GTE oder GT4?

«Der Anspruch ist es, das Team zu einer richtigen Top-Mannschaft aufzubauen, um in Zukunft auch noch in anderen großen Serien an den Start zu gehen. Wir werden aber zunächst im GT3-Bereich bleiben. Wir sind gerade dabei, für 2019 ein ähnliches Programm zusammenzustellen, wie wir es in diesem Jahr hatten. GT4 wäre als Unterbau sehr interessant. Hier informieren wir uns gerade intensiv darüber, ob das ein weiteres Betätigungsfeld für das KÜS Team 75 Bernhard sein könnte. Ein GT4-Einstieg wäre sogar kurzfristig umsetzbar. Serien oberhalb der GT3 sind aktuell jedoch noch nicht zu realisieren. Ich habe aber immer gesagt, dass es unser großes Ziel ist, irgendwann einmal als Werksteam aufzutreten. Das ist unser großer Traum. Aber an Träumen muss eben auch gearbeitet werden.»

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