DTM-Bilanz: Auch Berger kann nicht über Wasser gehen

Von Andreas Reiners
DTM
Gerhard Berger

Gerhard Berger

Gerhard Berger hat die erste Saison als DTM-Chef hinter sich gebracht. Wie fällt die Bilanz unter dem Österreicher aus?

Als Gerhard Berger im April in Hockenheim seinen offiziellen Dienstantritt mit einer Pressekonferenz beging, war die Aufbruchstimmung deutlich zu spüren. Der DTM war mit der Verpflichtung des früheren Formel-1-Fahrers ein echter Coup gelungen. Mitten in die üblichen Diskussionen und Spekulationen über eine unsichere Zukunft der Serie kam der Österreicher und schürte die Hoffnungen, dass die DTM mit Vollgas durchstarten würde. Was ist rund sieben Monate später davon noch übrig?

Beim Saisonfinale in Hockenheim schloss sich in gewisser Weise ein Kreis. Nach turbulenten Monaten mit dem Mercedes-Ausstieg als negativem Höhepunkt war sie wieder da, die Aufbruchstimmung, die positive Tonalität, die Zuversicht. Das alles war zwischendurch durch viele Kleinigkeiten verloren gegangen.

Gewichte, politische Spielchen, Reibereien – es waren einige Brandherde, die gelöscht werden mussten. Dass der Ausstieg von Mercedes nach der kommenden Saison Berger vor die wohl größte Aufgabe seiner noch jungen Amtszeit stellen wird, versteht sich von selbst. Eigentlich wollte er die Stellschrauben behutsam drehen, dabei nicht überdrehen. Nun ist er dazu gezwungen, die Dinge schneller voranzutreiben.

Dass in Hockenheim die Sonne strahlte, passte zumindest ein wenig ins Bild: 152.000 Fans, dazu die Gäste aus Japan (Lexus und Nissan), keine Gewichtsdiskussionen mehr, stattdessen der Fokus auf die Zukunft – Berger zog unter dem Strich durchaus ein positives Fazit seiner bisherigen Amtszeit. «Ich bin glücklich mit allem und habe erwartet, dass es Schwierigkeiten und Hürden gibt. Was mir unglaublich leid tut, ist der Mercedes-Ausstieg. Das ist das einzige Problem, das nur schwer lösbar ist», sagte er.

Was sagen die, die mit Berger zusammengearbeitet haben? Die vor der Saison auch die positiven Änderungen wie unter anderem den neuen, weichen (und kalten) Reifen, den Indy-Restart, mehr Leistung, kein Boxenstoppfenster oder die Abschaffung des Funkverkehrs angeschoben haben? Die betonen bei allem Lob für Berger auch den eigenen Anteil an einigen der Veränderungen, die bereits vor der Ära Berger besprochen und verabschiedet wurden.

Und: Es ist ein Anfang gemacht, mehr erst einmal nicht. «Der eingeschlagene Weg ist gut. Es ist aber nicht nur Gerhard Berger, sondern das ganze Team bei der ITR. Wir werden daran gemessen, was im nächsten und übernächsten Jahr herauskommt. Abgerechnet wird, wenn es zählt. Da müssen wir schauen, wie es nächstes Jahr aussieht und was wir 2019 am Start haben», sagte BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt. «Er hat frischen Wind reingebracht und sich mit viel Einsatz und Energie um die Themen gekümmert. Ich habe schon den Eindruck, dass er der Sache guttut. Ich hoffe, dass er es schafft», sagte Audis Motorsportchef Dieter Gass.

Was sich Berger definitiv auf die Fahne schreiben kann, sind zum Saisonende hin zwei Dinge: Zum einen den Besuch der Japaner aus der Super GT, mit denen durch das Class-One-Reglement eine gemeinsame Zukunft auf die Beine gestellt werden soll. Und zum anderen die Abschaffung der Gewichte, für die Berger wochenlang lautstark getrommelt hat. «Ob es die noch gäbe, wenn Gerhard nicht so unermüdlich mit allen Herstellern am Telefon gehangen hätte, mag ich bezweifeln. Es ist faszinierend, zuzuschauen, mit wie viel Elan er an die Sache herangeht. Er ist ohne Frage der Richtige, er gibt nie auf», sagte Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz. Aber: «Über Wasser gehen kann auch er nicht.»

Für 2018, der letzten Saison mit Audi, BMW und Mercedes, wird es nicht viele Änderungen geben. Die Gewichte bleiben raus, dafür muss aber ein anderer Ausgleich gefunden werden, damit die Unterschiede zwischen den drei Herstellern nicht zu groß sind. «Wir haben ein paar Modifikationen im Aerodynamikbereich, die ein neues Spiel, neues Glück und alle Hersteller auf das gleiche Niveau bringen sollen. Dann sind die Ingenieure und Fahrer wieder gefordert», sagte Berger.

Er ist vor allem in der TV-Frage gefordert. Klar ist: Die DTM braucht einen neuen Partner, die ARD wird nach dem Ende des Vertrags die Serie nicht mehr live übertragen. ProSiebenSat.1, ServusTV und Sport1 sind interessiert. Hier gilt es, dass Berger einen attraktiven Deal für die DTM herausschlägt.

Was nach 2018 passieren wird, weiß Berger zum jetzigen Zeitpunkt freilich auch nicht. «Ich kann noch nicht genau sagen, ob 2019 ein Übergangsjahr nur mit Audi und BMW geben wird, ich glaube es aber nicht. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass wir gut aufgestellt sein werden. Das dafür notwendige Class-One-Reglement ist bereits weit fortgeschritten, dann werden wir die gleichen Autos haben. Ich hoffe, dass wir uns auf diversen Strecke in Europa und Asien treffen werden«, sagte er.

Und dann gibt es ja noch die Möglichkeit «werksunterstützter Privatteams», wie Berger es nennt. «Es wäre mein größter Wunsch, das zu mischen. Diese Teams müssen Zugang zum Material bekommen, das in der Saison das Top-Material ist. Es ist für ein Team auch kostenseitig ohne Unterstützung nicht ganz umsetzbar. Wir brauchen wieder dieses David gegen Goliath.»

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