Audi-Pilot Timo Scheider: «Das tut richtig weh»

Von Andreas Reiners
DTM
Timo Scheider

Timo Scheider

Zum zweiten Mal in Folge ein verpatzter Boxenstopp: Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com gibt Scheider einen Einblick in seine Gefühlswelt.

Timo Scheider hat seinen Humor noch nicht verloren. Auf die Frage, ob für ihn «Radmutter» bereits jetzt das Unwort des Jahres ist, musste der Audi-Pilot herzhaft lachen. Doch dann wurde der 34-Jährige schnell wieder ernst. «Das tut gerade richtig weh, dass man die Fehler nicht selbst gemacht hat. Ich hätte den einen oder anderen Fehler lieber selbst gemacht, denn dann könnte ich die Schuld bei mir suchen», sagte Scheider im Gespräch mit SPEEDWEEK.com.

Alles begann so vielversprechend mit einer Pole Position zum Saisonauftakt in Hockenheim. Doch die Liste der Pleiten und Pannen wächst von Rennwochenende zu Rennwochenende. Ein kurzer Ausschnitt: Falsche Taktik in Hockenheim, eine verlorene Radmutter in Brands Hatch, Reifenprobleme und die Radmutter Teil 2 in Spielberg. Wenn es nicht so traurig wäre, könnte Scheider wohl tatsächlich darüber lachen. «Wir könnten mit ein Titelkandidat sein, wenn wir nicht solche Zwischenfälle gehabt hätten. Das ist frustrierend auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist es positiv, dass die Performance wenigstens da ist», sagte der 34-Jährige.

Die beste Performance hilft aber nicht, solche Fehler auszubügeln. Das derzeit ein probate Hilfsmittel? Geduld. Damit Scheiders Abt-Team die Lockerheit zurückerlangt. Und dann so schnell wie möglich ein Erfolg. Denn Abt, jahrelang das Aushängeschild der Audi-Flotte, leistet sich in dieser Saison teils haarsträubende Fehler, die nicht nur Scheider betreffen. So hatte Neuzugang Jamie Green in Spielberg ebenfalls mit einem verpatzten Stopp zu kämpfen. Ist das Abt-Team in der Krise?

Scheider wägt kurz ab, überlegt und entscheidet sich dagegen, seiner Mannschaft einen Vorwurf zu machen. Ändern würde das ja rückwirkend auch nichts mehr. «Ich weiß, dass sie hoch motiviert sind und alles perfekt machen möchten. Aber so ein Stopp wie in Brands Hatch hängt natürlich im Kopf. Und dann kommt der Timo, der wieder bestplatzierter Audi-Abt-Fahrer ist. Das ist wie mit dem Fahrrad und dem Stein, auf den man nicht drauf fahren möchte. Und genau da fährt man drüber», so Scheider.

Die Jungs haben genügend Druck

Wann platzt dem Routinier und zweimaligen Champion, der sich nach einer verkorksten Saison 2012 so viel vorgenommen hatte, denn der Kragen? So weit ist es noch nicht. «Innerlich ist mir der Kragen schon dreimal geplatzt. Aber ich möchte das auch nicht auf das Team projizieren. Die Jungs haben genügend Druck und wissen, wann sie Scheiße gebaut haben. Ich bin deshalb sensibel mit dem Thema», sagte Scheider, der Konsequenzen aber auch nicht ausschließen kann und will.

«Es kommt der Punkt, wo dann auch Konsequenzen kommen müssen und gefordert werden, wenn wir dadurch nicht mehr konkurrenzfähig sind. Soweit lasse ich es aber noch nicht kommen», sagte der 34-Jährige und verriet, dass in Spielberg bereits eine personelle Umbesetzung beim Reifenwechsel vorgenommen wurde. In Brands Hatch war es beim Wechsel der rechte Hinterreifen, in Spielberg hinten links. «Wir haben schon bewusst umbesetzt, damit derjenige den Druck nicht verspürt.» Gebracht hat aber auch das nichts.

Einfach abhaken kann auch ein Scheider solch ein Wochenende nicht. «Auf der Heimfahrt reflektiert man, was gut und was schlecht war. Und da muss ich sagen, dass der negative Beigeschmack natürlich dabei ist.» Er müsse nun versuchen, den Kopf oben zu halten und sich nicht runter ziehen zu lassen. Das sei zwar nicht einfach, aber am Ende des Tages könne man so etwas auch nicht erzwingen, so Scheider. Das Gute: Das nächste Rennen findet bereits am übernächsten Wochenende auf dem Lausitzring statt. Das Ziel? Ist klar: «Ich bin gewillt, endlich einen Schritt auf das Podium zu schaffen. Verdient hätten wir es schon seit drei Rennen.»

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