DTM: Erst kein Glück und dann auch noch Pech

Von Andreas Reiners
DTM
Er durfte nicht starten: der Rettungshubschrauber

Er durfte nicht starten: der Rettungshubschrauber

Die Luftraum-Sperrung in Moskau brachte der DTM erneut Spott ein. Timo Scheider fordert mehr Fingerspitzengefühl, und Mattias Ekström sieht Entwicklungspotenzial.

«Erst hatten wir kein Glück und dann kommt auch noch Pech dazu». Das Zitat stammt von Fußballer Jürgen Wegmann und passt in diesen Tagen bei der DTM wie die Faust aufs Auge. Zuerst sorgten Strafen und einige Neuerungen für Kritik und Verwirrung, dann folgte das Norisring-Desaster um Audi-Pilot Mattias Ekström und schließlich der Abbruch des Qualifyings in Moskau wegen Präsident Wladimir Putin, der den Luftraum sperren ließ. Letzteres war im wahrsten Sinne des Wortes höhere Gewalt – brachte der DTM aber trotzdem Hohn und Spott ein. Zahlreiche Medien schrieben sofort wieder von der nächsten Posse.

Die Tourenwagen-Serie ist in dieser Saison in der Tat immer wieder für eine Überraschung gut. «Ich habe zuerst gedacht, das sei ein Witz. Die Leute, denen ich das dann erzählt habe dachten, ich scherze», berichtete Audi-Pilot Jamie Green nach Putins Aktion, durch die der Rettungshubschrauber nicht starten konnte. Und deshalb folgerichtig den Abbruch nach Q3 nach sich zog. Die nach dem Fall Ekström sowieso schon kritischen Fans machten sich in den sozialen Netzwerken über die Serie lustig – und stellten die Frage, warum man überhaupt in solchen Ländern fahre.

Andere Länder, andere Sitten

«Andere Länder, andere Sitten», kommentierte Moskau-Sieger Mike Rockenfeller den Zwischenfall, der dafür sorgte, dass der DTM-Spitzenreiter auf der Pole stand. Zum Leidwesen der BMW-Fahrer. Allen voran Bruno Spengler hatte gewettert, dass das Qualifying für ihn kein Qualifying sei, wenn es vorher abgebrochen werde.

«Offenbar ist in der DTM nichts unmöglich», sagte Audi-Pilot Timo Scheider im Gespräch mit SPEEDWEEK.COM. Auch wenn im Putin-Fall wohl niemandem außer dem Präsidenten selbst eine Schuld trifft, fand der 34-Jährige mahnende Worte, denn die Ekström-Disqualifikation und deren Folgen hat die DTM getroffen. «Wir sollten sensibel sein, dass wir den Sport nicht mit so Kleinigkeiten kaputt machen. Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren. Es reicht, wenn wir wegen Millimeter-Entscheidungen, Verlassen der Strecke und blauen Flaggen ständig irgendwelche Diskussionen haben. Es gibt wichtigere Dinge, als sich um solche Lappalien zu kümmern», sagte Scheider.

Vor allem die Fans hatten ihren Unmut über die Entscheidung geäußert, viele hatten angekündigt, sich von der Serie abzuwenden. «Das darf man nicht unterschätzen. Die DTM braucht die Fans. Da muss man an gewissen stellen Fingerspitzengefühl beweisen», erklärte Scheider, räumte aber auch ein: «Am Ende des Tages ist das eine Serie, die sehr viel Geld kostet und einen großen Marketingwert hat. Und dann gibt es ein Reglement, an das wir uns halten müssen. Aber trotzdem mit der nötigen Vorsicht, nicht an den falschen Punkten eine unnötige Blase aufzumachen. Und am Norisring war eine Situation, wo es strittig war, ob man da so handeln musste», so Scheider. Anpassungen an das Reglement wurden bereits in Moskau durchgeführt. Im Gegensatz zum Norisring gingen die Fahrer ohne Umwege zum Wiegen. Weitere Anpassungen sind angekündigt.

Immer nach vorne schauen

Viele Piloten wollten zum Fall Ekström nicht viel sagen. Zum einen aufgrund einer nicht vorhandenen vollständigen Faktenlage. Zum anderen, weil das Thema mit dem Blick auf das gültige Sportliche Reglement für sie abgehakt sei. Auch Ekström selbst schaut nicht mehr zurück. «Wenn man zurückblickt, bringt das nichts. Ich versuche immer nach vorne zu schauen. Ich lerne meine Lektionen. Manchmal zahlt man für dumme Fehler den Preis, manchmal hat man aber auch gute Zeiten. In meiner Karriere hatte ich ein bisschen von beidem», sagte der 35-Jährige, der die Disqualifikation auf seine Art verarbeitete. Und abhakte.

«Ich brauche keine Aufmunterung. Ich bin kein trauriger Typ. Ich habe zwei gesunde Kinder, zwei glückliche Hunde und eine liebe Freundin und ein paar gute Freunde. Wenn man das hat, ist alles andere nicht so wichtig», sagte er SPEEDWEEK.COM.

Und was sagt der Schwede zum derzeitigen schweren Stand der DTM? «Die DTM war immer ein tolles Tourenwagen-Produkt. Ich glaube wie jedes Produkt muss sie sich entwickeln. Es gibt Potenzial, alles besser zu machen. Vor allem nach so einem Wochenende können alle etwas davon lernen», sagte Ekström. Etwas wollte der 35-Jährige dann aber doch noch loswerden. «Alle zeigen mit dem Finger auf mich. Ich glaube, wenn man ganz genau hinschaut, bin ich nicht der einzige, der etwas besser machen kann.»

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