Williams wehrt sich: Sirotkin bietet mehr als Geld

Von Rob La Salle
Formel 1

​Viele Formel-1-Fans glauben: Der Moskauer Sergey Sirotkin hat nur deshalb bei Williams gegenüber Robert Kubica den Vorzug erhalten, weil der Russe mehr Geld bringt. Die Team-Verantwortlichen wehren sich.

Mit rund 20 Millionen Euro Mitgift schlüpft der 22jährige Moskauer Sergey Sirotkin in den zweiten Williams-Renner, und viele Fans reagierten genervt. Tenor: Toll, noch ein Bezahlfahrer in der Formel 1, statt eines Naturtalents wie Robert Kubica, brauchen wir das?

Auch der frühere GP-Pilot Martin Brundle gibt zu bedenken: «Es ist enttäuschend zu sehen, dass talentierte Fahrer ausgebootet werden und andere Piloten nur deshalb im Wagen sitzen, weil sie Geld mitbringen. Das finde ich unbehaglich. Aber Es kommen immer mehr Bezahlfahrer und arbeiten sich nach vorne. Sie sind trotzdem gute Rennfahrer.»

Wer Sirotkin auf das Etikett Bezahlfahrer reduziert, tut dem Moskauer Unrecht. Sergey Sirotkin hat in seinen zwei Jahren GP2 (heute Formel 2) immerhin dreizehn Podestränge erkämpft und drei Mal gewonnen, er wurde 2015 und 2016 Gesamtdritter, bevor ihn Renault für 2017 zum offiziellen Test- und Ersatzfahrer gemacht hat.

Gewiss, der Moskauer kommt mit finanzieller Hilfe daher, aber er war bei den Abu-Dhabi-Tests auch schneller als Robert Kubica. Und das Geld hat nicht geholfen, das Gaspedal runterzudrücken.

Anlässlich einer gemeinsamen Veranstaltung von Williams und SMP Racing (dem langjährigen Partner von Sirotkin) in Moskau betonte Williams-CEO Mike O’Driscoll, Sergey sei bei seinem Abu-Dhabi-Test absolut fehlerfrei gefahren.

Und Williams-Technikchef Paddy Lowe nimmt den jungen Rennfahrer so in Schutz: «Was mir besonders auffiel – wir ruhig Sirotkin bei diesem Test gewesen ist. In einem Moment höchster Anspannung, als er genau wusste, dass er seine Leistung jetzt auf den Punkt bringen muss. Es herrschte eine besondere Stimmung in der Box. Wir waren von seinem Speed beeindruckt und auch von seinen Aussagen über den Wagen, von seiner Präzision. Er hat keine Fehler gemacht. Schnell haben wir den Eindruck bekommen – das ist unser Fahrer.»

Paddy Lowe will nichts davon hören, dass die Sponsoren-Mitgift den Ausschlag zur Verpflichtung Sirotkins gab: «Wir sind sehr angetan davon, was Sergey im Auto gezeigt hat. Und wir freuen uns auf die kommenden Jahre mit ihm.»

Sirotkin: Dritter Formel-1-Russe mit Stammplatz

Wegbereiter für russische Fahrer in der Formel 1 war Sergey Zlobin, der 2003 als Testfahrer zum Minardi-Team kam (heute Toro Rosso). Bald kristallisierte sich heraus – es mangelte am notwendigen Format für den Posten eines Stammfahrers, es mangelte auch an mehr Geld von Gazprom. Zlobin wurde aussortiert.

Der zweite Russe war Vitaly Petrov: Der heute 33-Jährige aus Vyborg hat von 2010 bis 2012 57 Formel-1-WM-Läufe bestritten – 2011 wurde er im Renault solider WM-Zehnter. In der gleichen Saison erreichte er mit Rang 3 in Melbourne sein bestes Formel-1-Ergebnis. Dennoch wurde er am Ende der Saison nicht weiter verpflichtet. Ende 2012 musste Vitaly dann auch bei Caterham sein Cockpit räumen: der Franzose Charles Pic und der Holländer Giedo van der Garde konnten mehr Mitgift vorweisen.

Am meisten Schlagzeilen hat Petrov beim WM-Finale 2010 in Abu Dhabi gemacht. Durch einen strategischen Fehler von Ferrari strandete Superstar Fernando Alonso hinter dem Renault des Russen und kam nicht an Petrov vorbei. Das war einer der Gründe, wieso er den WM-Titel an Sebastian Vettel verlor.

Erfolgreichster Russe in der Formel 1 ist bislang Daniil Kvyat: Der Red-Bull-Zögling fuhr für Toro Rosso und Red Bull Racing insgesamt 72 WM-Läufe, er stand zwei Mal auf dem Siegerpodest (Zweiter in Ungarn 2015 und Dritter in China 2016), wurde 2015 WM-Siebter, aber im Herbst 2017 trennte sich Red Bull von Kvyat.
Sirotkin ist nun der dritte Russe, der in der Formel 1 einen Stammplatz erhält.

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