Marcus Ericsson: Alfa Romeo-Sauber-Pilot – Bewährung

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Marcus Ericsson geht in die vierte GP-Saison mit dem Schweizer Sauber-Team. Der 27jährige Schwede fährt unter Bewährung: Denn Ferrari-Chef Sergio Marchionne macht sich für einen anderen Piloten stark.

Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur sagt: «Ich bin davon überzeugt, dass Marcus Ericsson und Charles Leclerc ein ideales Fahrer-Duo bilden – dank eines erfahrenen Piloten und einem vielversprechenden Rookie. Marcus geht zusammen mit dem Team in seine vierte Formel-1-Saison. Er ist ein wertvoller Teil der Mannschaft, denn sein Erfahrungsschatz sowie seine präzisen, technischen Angaben sind von grossem Mehrwert.»

Das mag sein, aber die Wahrheit in nackten Zahlen sieht so aus: Der 27jährige Ericsson ist seit bald zweieinhalb Jahren ohne WM-Punkt – bislang letztmals in die Top-Ten fuhr der Schwede in Monza 2015. Ohne die schwedischen Investoren hinter dem Schweizer Sauber-Besitzer Longbow, so die einhellige Meinung im Fahrerlager, wäre Ericsson seinen GP-Platz längst los. Sich ausgerechnet 2018 gegen einen der vielversprechendsten jungen Piloten zu steigern, wird ein hartes Stück Arbeit.

Ferrari-Chef Sergio Marchionne hat für Leclerc einen exakten Plan: Sollte sich der Monegasse so gut bewähren wie erhofft, wird er für die Saison 2019 als Kimi-Räikkönen-Nachfolger ein Thema. Das wäre für Marcus Ericsson vielleicht ein Glücksfall. Denn Marchionne will einen weiteren Ferrari-Zögling bei Sauber unterbringen, Antonio Giovinazzi. Denkbar sind für Leclerc aber auch zwei Sauber-Lehrjahre. Dann wird es 2019 für Ericsson eng. Wegen Giovinazzi.

Viele Formel-1-Fans folgern: Hinter den Schweizer Besitzern von Sauber stehen schwedische Investoren. Müsste das Ericsson seinen Platz nicht auf sicher haben? Die Frage ist berechtigt, basiert aber auf einer falschen Annahme. Ja, hinter der Schweizer Investment-Firma Longbow, die Peter Sauber und Monisha Kaltenborn im Juli 2016 den Rennstall abgekauft hat, stehen Investoren aus Schweden. Ein Teil davon begleitet Marcus Ericsson seit vielen Jahren während seiner Rennkarriere. Doch der Kauf von Sauber geht über die Karriere von Ericsson hinaus. Das Team wird als längerfristiges Investment angesehen, und die Besitzer knüpfen diese Investition nicht an die Laufbahn eines – seien wir einmal ehrlich – mittelmässigen Piloten.

Ericsson hat seit Rang 9 in Monza 2015 keine WM-Punkte mehr eingefahren, ist also seit 48 Rennen leer ausgegangen. Bestes Ergebnis 2017: Rang 11 in Spanien und Österreich.

Der Schwede weiss, dass seine Zukunft auf dem Spiel steht. Er sagte im vergangenen Herbst: «In der Formel 1 darfst du dir nie sicher sein, bevor du einen Vertrag unterschrieben hast.»

Fred Vasseur über Longbow: «Das Investment bei Sauber ist gewaltig. Du kannst die langfristige Entwicklung eines Rennstalls nicht an die Karriere eines Piloten knüpfen. Das gilt übrigens für beide Seiten, auch der Fahrer muss ja die Möglichkeit haben, sich entwickeln zu können. Wir sehen Marcus als eine Verstärkung des Teams, er hat die notwendige Erfahrung, wir arbeiten gut zusammen.»

Ericsson gibt zu: «2017 war kein einfaches Jahr für uns – dennoch haben wir es geschafft, dank intensiver Arbeit gewisse Fortschritte zu erzielen. Nach einer schwierigen ersten Saisonhälfte haben wir uns nach der Sommerpause stetig verbessert. Ich konnte mich als Fahrer stets weiterentwickeln und neue, wertvolle Erfahrungen sammeln, welche auch für das Team von Vorteil sein können.»

Für 2018 wünscht sich Marcus vor allem «als Team gut zusammenzuarbeiten und konkurrenzfähiger zu werden. Die Partnerschaft mit Alfa Romeo ist für uns alle eine tolle Gelegenheit. Für mich ist es nun eine grosse Chance, für die ich viele Jahre hart gearbeitet habe. Ich starte in meine vierte Saison mit dem Team und freue mich darauf, alle Teammitglieder an der Strecke wiederzusehen.»

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