Barcelona: Vettel (Ferrari) 1. – GP bald im Internet!

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Sebastian Vettel beginnt seine Wintertests 2018 mit einer Bestzeit, Ferrari ist schneller als Mercedes. Die Formel 1 bestätigt, dass die Fans künftig Grand-Prix-Sport auch im Internet geniessen können.

Angesichts grimmiger Kälte in Barcelona und möglichem Regen am Mittwoch und Donnerstag kursierte im Fahrerlager schnell: Die Formel 1 stellt um. Entweder der erste Wintertest wird um einen Tag verlängert (bis Samstag) oder beginnt in der kommenden Woche schon am Montag, nicht am Dienstag. Wird alles nicht passieren. Der kommende Samstag ist Williams als Filmtag zugesichert, und Teamchefin Claire Williams hat klargemacht – die Briten werden ihren Tag nutzen. Für eine Umstellung des Programms in der kommenden Woche konnte keine einhellige Zustimmung gefunden werden. Es bleibt also alles wie geplant: Der erste Test läuft weiter und endet am Donnerstagabend. Der zweite Test beginnt am Dienstag, 6. März, und endet am Freitagabend, 9. März.

Ein Thema, das die Fans erwärmen dürfte: Die neue Formel-1-Führung bestätigt, dass es im Laufe der Saison 2018 mehr Bewegtbilder im Internet geben wird, das neue Streaming-Angebot wird in vier verschiedenen Sprachen (Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch) auf rund zwei Dutzend Märkten angeboten. Auf diese Weise können Fans das Formel-1-Geschehen im Internet verfolgen, ohne Werbeunterbrechnungen, und sich auch in die Bordkameras aller 20 Fahrer klicken. Die Preise werden sich im Bereich von rund zehn Euro pro Monat bewegen. Weniger teure Pakete erlaubten den Zugriff auf Live-Timing und Radiokommentare sowie auf Highlights des Rennwochenendes. Die Formel 1 wird dabei nicht mit Plattformen wie Amazon oder Netflix arbeiten, sondern mit einer eigenen Lösung.

Gerade nach dem Aus von Sky in Sachen deutscher Formel-1-Berichterstattung ist das eine interessante Alternative zu RTL. In den kommenden Wochen will Sean Bratches von Liberty Media im Detail darüber informieren, wie das mit der Formel 1 im Internet genau gehen wird.

Zurück zum Testbetrieb. Bei Testbeginn um die null Grad, mit einer Höchsttemperatur, die nicht mal fünf Grad erreichte, liessen Mercedes und Renault ihren Plan fallen, das Tagesprogramm auf zwei Piloten zu teilen. Valtteri Bottas sass also den ganzen Tag über im Silberpfeil, Carlos Sainz blieb im Renault. Weil es heute Dienstag keine Mittagspause wie üblich gab, hätte es zu lange gedauert, den Wagen umzubauen, die Rennställe wollten die Zeit so gut es geht nutzen.

Die ungewohnten Temperaturen am Circuit de Barcelona-Catalunya, zeitweise fielen sogar Flocken, stellten die Rennställe vor Probleme. Es geht nicht nur darum, dass sich die Mailänder Pirelli nur unwillig aufwärmen lassen, wenn die Asphaltdecke kühl wie ein gut geschüttelter Martini ist. Die mittelharte Mischung war nur nach ungefähr zehn Runden halbwegs auf Temperatur.

Force India zeigte Humor. Angesichts der Flocken banden die Mechaniker dem rosa Panther Ketten an die Pirelli!

Es geht auch darum, die Betriebstemperaturen des Wagens im Idealbereich zu halten. Faustregel bei klammem Wetter: Kühlöffnungen werden zugeklebt. Das wiederum verfälscht die aerodynamischen Daten, von welchen die Teams derzeit so viel als möglich sammeln sollten. Was bei Temperaturen knapp über null gelernt wird, lässt sich kaum nutzen – wann haben wir unter der Saison schon solches Wetter?

Klar machte schnell die Runde: Sollten wir nicht wieder wie früher in Bahrain testen? «Nein», findet Williams-Technikchef Paddy Lowe. «Früher war das eine gute Idee, weil diese Testfahrten gut zum Saisonbeginn passten. Das ist heute nicht mehr so.» Ein anderes Problem: Alle Rennställe lernten damals auf schmerzliche Art und Weise die Lektion – aha, Bahrain ist von unseren Werken in England, Italien und der Schweiz weiter entfernt als Barcelona. Es dauerte viel zu lange, neue Teile nach Arabien zu transportieren.

Ein Sorgenkind am zweiten Testtag: Max Verstappen im Red Bull Racing-Renner. Ein Benzinleck verbannte den Niederländer über Stunden in die Box.

Das andere Sorgenkind: Stoffel Vandoorne zeigte im McLaren-Renault zwar eine gute Rundenzeit, dann gingen beim englischen Traditionsrennstall für Stunden die Rolläden runter – der Auspuff hatte einen Teil der Motorverkleidung gegrillt.

Sauber-Fahrer Charles Leclerc provozierte mit einem Ausrutscher ins Kiesbett eine Testunterbrechnung. Zum Glück blieb der Sauber so gut wie unversehrt, die Mechaniker mussten nur mit einer grösseren Reinigung beginnen.

Erster Einsatz von Robert Kubica im neuen Williams: Der Pole zeigte eine schnellere Runde als Stammfahrer Sergey Sirotkin.

Sebastian Vettel zeigte Bestzeit, gut drei Zehntel schneller als Valtteri Bottas im Mercedes. Allerdings war der Heppenheimer eine gute Sekunde langsamer als Kimi Räikkönen vor einem Jahr. Das zeigt, wie stark die Kälte derzeit die Tests verfälscht. Auf mittelharten Reifen zeigte der vierfache Champion einen Dauerlauf in etwas schärferem Rhythmus als Max Verstappen mit dem Red Bull Racing RB14. Bei einem Dreher von Vettel in Kurve 2 wurde nur der Stolz angekratzt.

Renault (heute mit Carlos Sainz) und Toro Rosso-Honda (mit Pierre Gasly) bestätigten den guten Eindruck, den am ersten Tag Nico Hülkenberg und Brendon Hartley hinterlassen hatten. Force India zerreisst noch keine Bäume. Vor dem Hintergrund guter Autos von McLaren, Toro Rosso und Renault könnte der Rennstall aus Silverstone zum Verlierer der Saison werden. Auch Haas wirkt nicht unwiderstehlich. Die Sauber-Zeiten sind mit Vorsicht zu geniessen – Teamchef Frédéric Vasseur hat für die zweite Testwoche ein grosses Update angekündigt.

Als es gegen Abend wieder abkühlte, verlegte sich Ferrari auf das Üben von Boxenstopps. Immerhin den Mechaniker wurde dadurch warm. Auf der Haupttribüne beobachteten kurz vor 18.00 Uhr exakt 52 Personen das Geschehen. Liberty Media hätte ihnen eine Verdienstmedaille überreichen sollen.

Barcelona-Test, Tag 2 (Dienstag)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:19,673 (98)
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,976 (94)
3. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault, 1:20,325 (37)
4. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,326 (67)
5. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:21,212 (65)
6. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda, 1:21,318 (82)
7. Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes, 1:21,495 (47)
8. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW41-Mercedes, 1:21,822 (52)
9. Esteban Ocon (F), Force India VJM11-Mercedes, 1:21,841 (79)
10. Charles Leclerc (MC), Sauber C37-Ferrari, 1:22,721 (81)
11. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,727 (36)

Barcelona-Test, Tag 1 (Montag)

1. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,179 (103 Runden)
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:20,349 (58)
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H, 1:20,506 (80)
4. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:20,547 (73)
5. Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault, 1:21,339 (47)
6. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:22,168 (26)
7. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:22,327 (25)
8. Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda, 1:22,371 (93)
9. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:22,452 (46)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,578 (55)
11. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:23,408 (63)
12. Nikita Mazepin (RU), Force India VJM11-Mercedes, 1:25,628 (22)
13. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW41-Mercedes, 1:44,148 (23)

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