Wintertest: Formel 1 verrückt – Schnee in Barcelona!

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Jetzt wissen wir endlich, wieso die Wintertests eigentlich Wintertests heissen. Es schneit am Circuit de Barcelona-Catalunya, mit einem normalen Fahrbetrieb ist so bald nicht zu rechnen.

Wir treffen Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting am Fusse des Rennleiterturms am Circuit de Barcelona-Catalunya. «Willkommen in der Schweiz!» grinse ich. Der Engländer, dessen Haar so weiss ist wie der Schnee, der auf uns herunterflöckelt, fragt zurück: «Haben wir hier jemals so etwas erlebt?»

Antwort: durchaus.

Ich komme seit dem ersten Rennen hierher, also seit 1992. Nicht nur, dass hier regelmässig der Grosse Preis von Spanien ausgetragen worden ist, meist im Frühling. Wir haben auf dieser Rennstrecke früher auch viel öfter getestet als erst Ende Februar, Anfang März, und bei einem Dezember-Test haben wir wirklich schon Flocken erlebt. Ich kann mich auch an eine Sauber-Mannschaft erinnern, die Nikolausmützen aufsetzte, um sich in Weihnachtsstimmung zu bringen. In den 90er Jahren konnte Olivier Panis den McLaren-Mercedes nicht testen, weil Barcelona unter einer Schneedecke lag.

Aber das hier heute Morgen, an einem 28. Februar, das ist neu.

Wie geht es weiter? Die spanischen Meteorologen sagen: Im Laufe des Tages wird es weniger kalt (das Wort „wärmer“ wäre ein wenig unangemessen), dann geht der Schnee in Regen über. Ob wir dann mehr Autos auf der Bahn erleben werden, ist eine andere Frage.

Die Wetterprognose für den vierten Testtag vom Donnerstag: Werte um 14 Grad, aber Regen.

Ein Blick aus dem Fenster des Pressesaals zeigt: Die Flocken schiessen eher waagrecht heran. Die Haupttribüne ist menschenleer.

Ich berichte seit 1982 von der Formel 1, wann haben wir es erlebt, dass Petrus der Formel 1 ein Bein gestellt hat?

Nun, klar hat es oft geregnet. Bei Wolkenbrüchen biblischer Dimensionen wie in Malaysia ging gar nichts mehr.

Ich war bei Testfahrten in Estoril, da war der Nebel so dicht, dass wir aus der Boxengasse die Haupttribüne nicht erkennen konnten. Was Eddie Cheever im Arrows nicht davon abhielt, auf die Bahn zu gehen. Nach einer Runde kam der unerschrockene, in Rom geborene Amerikaner zurück und meinte: «Es ist ein wenig schwierig heute.»

Nach mehreren Stunden tauchte die Tribüne der portugiesischen Rennstrecke aus dem Nebel auf wie ein Ozeandampfer.

Wir erinnern uns an keinen Fahrbetrieb in Indien, weil Ratten die Kabel der Zeitmessung zernagt hatten.

Wir erinnern uns an einen Morgen in Jerez, als von den Renntransportern Eis gekratzt werden musste. Viel besser ist es heute Morgen nicht. Gegenwärtige Asphalttemperatur: -0,2 Grad.

Arrows hat sein Auto mal im Schnee vorgestellt, Sauber und Ferrari haben in einem weissen Fiorano getestet.

Nick Heidfeld machte mit dem BMW-Sauber 2007 in St. Moritz einen Schaulauf, Max Verstappen peitschte seinen Red Bull Racing-Renner in Kitzbühel über den Schnee. Komplett mit Ketten. Der Niederländer wäre also für dein Einsatz in Barcelona prima vorbereitet.

Klar kursierte schon gestern unter den Rennställen: Wir sollten wieder im wetterfesten Bahrain testen. Bitte? Haben diese Leute schon vergessen, wie der Testbetrieb wegen eines Sandsturm unterbrochen werden musste? Von den logistischen Problemen ganz zu schweigen.

Klar ist das Jammern unter den Teams gross: «Wir verlieren wertvolle Zeit, wir sollten die Tests verlängern.»

Freunde, was soll das? Das ist Formel 1. Wenn an einem GP-Wochenende Starkregen fällt, kann auch keiner sagen: «Fahren wir das Rennen doch einfach am Montag.»

Wenn nicht gefahren wird, dann ist das für die Teams bedauerlich. Für die wenigen Fans noch mehr. Aber es ist für alle gleich. Und letztlich kann es sogar ein Segen sein, wenn die Rennställe bei den Tests weniger lernen. Denn dann bleibt mehr Raum für Unwägbarkeiten. Heute sind die Teams so gut eingespielt, dass Red Bull Racing an einem ersten Testtag schon mehr als hundert Runden fährt. Langsam haben die Rennställe die Hybridtechnik im Griff. Früher blieben die Kisten ständig stehen, und das war auch beim Saisonauftakt so. Was herrlich verrückte Grands Prix erzeugte, von welchen die Fans heute noch sprechen.

Insofern kann Schnee in Barcelon auch ein Segen sein.

Barcelona-Test, Tag 2 (Dienstag)

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF71H, 1:19,673 (98)
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:19,976 (94)
3. Stoffel Vandoorne (B), McLaren MCL33-Renault, 1:20,325 (37)
4. Max Verstappen (NL), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,326 (67)
5. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:21,212 (65)
6. Pierre Gasly (F), Toro Rosso STR13-Honda, 1:21,318 (80)
7. Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes, 1:21,495 (41)
8. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW41-Mercedes, 1:21,822 (52)
9. Esteban Ocon (F), Force India VJM11-Mercedes, 1:21,841 (79)
10. Charles Leclerc (MC), Sauber C37-Ferrari, 1:22,721 (81)
11. Kevin Magnussen (DK), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,727 (32)

Barcelona-Test, Tag 1 (Montag)

1. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer, 1:20,179 (103 Runden)
2. Valtteri Bottas (FIN), Mercedes W09 EQ Power+, 1:20,349 (58)
3. Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H, 1:20,506 (80)
4. Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18, 1:20,547 (73)
5. Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault, 1:21,339 (47)
6. Carlos Sainz (E), Renault R.S.18, 1:22,168 (26)
7. Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+, 1:22,327 (25)
8. Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda, 1:22,371 (93)
9. Lance Stroll (CDN), Williams FW41-Mercedes, 1:22,452 (46)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari, 1:22,578 (55)
11. Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari, 1:23,408 (63)
12. Nikita Mazepin (RU), Force India VJM11-Mercedes, 1:25,628 (22)
13. Sergey Sirotkin (RU), Williams FW41-Mercedes, 1:44,148 (23)

Und so geht es am Mittwoch, 28. Februar, hoffentlich weiter:

Barcelona-Test, Tag 3, Fahrer

Kimi Räikkönen (FIN), Ferrari SF71H
Sergio Pérez (MEX), Force India VJM11-Mercedes
Romain Grosjean (F), Haas VF-18-Ferrari
Fernando Alonso (E), McLaren MCL33-Renault
Lewis Hamilton (GB), Mercedes W09 EQ Power+
Nico Hülkenberg (D), Renault R.S.18
Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB14-TAG Heuer
Marcus Ericsson (S), Sauber C37-Ferrari
Brendon Hartley (NZ), Toro Rosso STR13-Honda
Lance Stroll (CDN), dann Robert Kubica (PL), Williams FW41-Mercedes

Die wichtigsten Termine 2018

Wintertests
26. Februar bis 1. März: Circuit de Barcelona-Catalunya
6. bis 9. März: Circuit de Barcelona-Catalunya

Testfahrten innerhalb der Saison
15./16. Mai: Circuit de Barcelona-Catalunya
31. Juli/1. August: Hungaroring

Formel-1-WM
25. März: Australien (Melbourne)
8. April: Bahrain (Sakhir)
15. April: China (Shanghai)
29. April: Aserbaidschan (Baku)
13. Mai: Spanien (Barcelona)
27. Mai: Monaco (Monte Carlo)
10. Juni: Kanada (Montreal)
24. Juni: Frankreich (Le Castellet)
1. Juli: Österreich (Spielberg)
8. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
22. Juli: Deutschland (Hockenheim)
29. Juli: Ungarn (Budapest)
26. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
2. September: Italien (Monza)
16. September: Singapur
30. September: Russland (Sotschi)
7. Oktober: Japan (Suzuka)
21. Oktober: USA (Austin)
28. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
11. November: Brasilien (São Paulo)
25. November: Abu Dhabi (Insel Yas)

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