Hans Stuck: Wie ihn Ecclestone 1977 reingelegt hat

Kolumne von Günther Wiesinger
Formel 1

Eine ganze Reihe prominenter Persönlichkeiten von Hans-Joachim Stuck über David Brabham bis zu Daniele Audetto und Dr. Wolfgang Porsche haben sich bei der «Ennstal Classic» ein Stelldichein.

Vor 26 Jahren haben der renommierte Formel-1-Berichterstatter Helmut Zwickl (Dieter Quester: «Er ist hier der Gottoberste») und Fotograf Michael Glöckner in Österreich die «Ennstal Classic» mit Start und Ziel in Gröbming ins Leben gerufen.

«Autofahren im letzten Paradies», heißt das Schlagwort dieses inzwischen auf der ganzen Welt populären und geschätzten Oldtimer-Events.

Jedes Jahr treffen sich im Juli im Ennstal Prominente aus dem Motorsport, aus der Kultur, der Politik und der Geschäftswelt, um drei Tage in der Steiermark das Autofahren mit Schmuckstücken aus der Vergangenheit zu genießen und in Erinnerungen zu schwelgen.

Von Donnerstag bis Samstag stand die Veranstaltung diesmal auch im Zeichen von «70 Jahre Porsche Sportwagen».

Dr. Wolfgang Porsche, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, drehte am Samstag am Lenkrad des Ur-Porsche 001, gebaut im kärntnerischen Gmünd, vier Ehrenrunden im Rahmen des Grand Prix von Gröbming.

«Dieser Wagen ist bei einem Besuch in den USA einmal von einer Rampe runter gefallen», verriet Dr. Porsche. «Aber er hat es ohne bleibende Schäden überstanden.»

Auch Prominenz aus der Formel 1 war zu sehen: Hans-Joachim «Strietzel» Stuck, Arturo Merzario, David Brabham, der jüngste Sohn des Formel-1-Weltmeisters Jack Brabham. Der Australier war 1966 der erste und bisher einzige Mensch, der in einem selbst gebauten Formel-1-Rennwagen die WM gewann.

David Brabham fuhr 1994 im Simtec-Formel-1-Team, sein Teamkollege Roland Ratzenberger verunglückte damals in Imola tödlich. Bei der «Ennstal» lenkte Brabham einen 6,2-Liter-Chrysler Baujahr 1962. Er ist mit der Schwester des ehemaligen Formel-1-Piloten Mike Thackwell verheiratet.

Auch die 79-jährige Tourenwagen-Legende Dieter Quester trat bei der «Ennstal» auf. «Ich bin schon 1966 beim Flughafenrennen in Aspern bei Wien gegen Merzario gefahren», verriet er dem souveränen Streckensprecher Andreas Gröbl.

«Ich bin zum ersten Mal hier, eine wunderbare Veranstaltung mit großartigen Publikum», strahlte Merzario. «Ich werde 2019 wiederkommen.»

Der Italiener ist in Österreich populär, weil er 1976 beim Nürburgring-GP Niki Lauda aus dem brennenden Ferrari gerettet hat.

Auch Hans-Joachim Stuck, heute DMSB-Präsident, fiel eine Anekdote im Zusammenhang mit Merzario ein. «Ich bin vor der Formel-1-Saison 1977 vom damaligen Brabham-Teambesitzer Bernie Ecclestone nach England eingeladen worden; er bot mir einen Formel-1-Vertrag an. Auf die Frage, welche Fahrergage mir vorschwebe, entgegnete ich: ‚200.000 US-Dollar sollten es schon sein.’ Ein paar Augenblicke später läutete das Telefon auf Bernies Schreibtisch. Er nahm ab, sprach ein paar Sätze, legte auf und sagte dann zu mir: ‚Das war Merzario. Er fährt für 50.000.’ Mir blieb nichts Anderes übrig, als für diesen Betrag zu unterschreiben. Später hörte ich, dass mir Bernie dieses Telefonat mit Merzario nur vorgegaukelt hat. Er hatte das Gespräch von seiner Vorzimmerdame fingieren lassen. Wir sind trotzdem Freunde geworden. Bernie brauchte damals einen neuen Fahrer, weil Carlos Pace mit dem Privatflugzeug abgestürzt war.»

1993 begann die «Ennstal Classic» im bescheidenen Rahmen mit 33 Fahrzeugen, bei der 26. Ausgabe waren 238 Autos am Start. Die meisten Eigentümer der Oldtimer sind Stammgäste.

Auch die österreichische Politik-Prominenz mischte bei der Ennstal 2018 mit. Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ) musste seinen 1962-Jaguar Mk II wegen eines Motorbrands am letzten Nachmittag fluchtartig verlassen. Sein Minister-Nachfolger, Ex-Vizekanzler Wolfgang Brandstätter (ÖVP), steuerte einen VW K70.

Aus der Formel 1 trafen wir noch Ilmor-Chef und Motoren-Genie Mario Illien, der mit 71 Jahren noch keinen Gedanken an den Ruhestand verschwendet, bei der Ennstal drei Tage in seiner Kategorie an der Spitze mitfuhr und einen Pokal mit nach Hause nahm.

Landsmann Bruno Flückiger lenkte einen DKW der Auto Union und gewann die Sonderwertung «Best of Show». Er offenbarte seine Bewunderung für Wolfgang Porsche und die Autos aus Zuffenhausen. «Ich bin ja bei Brun mit Porsche Sportwagen-Weltmeister geworden.»

Auch gesehen: Anneliese Abarth, Witwe von Carlo Abarth. Arturo Merzario setzt sich beim «Grand Prix in Gröbming» am Samstag für vier Runden in einen offenen Abarth Spider.

Der fünffache Le-Mans-Sieger Derek Bell hingegen leistete Schwerarbeit am Steuer eines 90 Jahre alten Bentley Blower. «Die Ennstal ist der beste Event auf der Welt», zeigte er sich begeistert. Am Donnerstag erlitt sein Gefährt einen Getriebeschaden.

Der zweifache Rallyecross-Europameister Franz Wurz, Vater von Ex-Formel-1-Pilot Alex Wurz, nahm mit Gattin Berta («Wir sind seit 50 Jahren verheiratet») ebenfalls am Grand Prix teil. «Mit 72 Jahren durfte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Ferrari fahren.» Papa Wurz drehte am Lenkrad eines blauen Daytona Cabrios.

Ebenfalls gesehen: Jo Ramirez. Der Mexikaner («Am Anfang habe ich nur den Boden in den Boxen säubern dürfen») begann in der Formel 1 quasi als Hilfsarbeiter, wurde dann Mechaniker bei Teams wie Tyrrell und Fittipaldi und agierte zuletzt als Teammanager bei McLaren in der erfolgreichsten Ära mit Prost, Lauda, Senna und Häkkinen.

David Brabham setzte sich beim Grand Prix hinter das Lenkrad eines Gruppe 4-BMW M1, den einst Christian Danner pilotiert hatte. «Und Danner ist in der Formel 3000 gegen meinen Schwager Mike Thackwell gefahren», erinnerte sich Brabham.

Auch der italienische Gentleman Daniele Audetto kam in die Steiermark. Er war Ferrari-Rennleiter in der Niki-Lauda-Ära und ist gesundheitlich etwas angeschlagen. «Ich muss demnächst meine rechte Hüfte operieren lassen. Ich brauche ein neues Gelenk, auch die Muskeln sind weitgehend abgestorben.»

«Strietzel» Stuck saß beim Grand Prix am Samstag am Steuer eines Porsche Spider 908/3. Es handelte sich um das Targa-Florio-Fahrzeug von Leo Kinunnen und Pedro Rodríguez. «Ich verstehe nicht, wie die Kollegen vor mehr als 50 Jahren mit diesem Auto zwei bis drei Stunden am Stück fahren konnten», grübelte Stuck. «Das waren noch richtige Kerle. Da ziehe ich heute noch mein Kapperl.»

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