Claire Williams: «Ja, ich denke ans Hinschmeissen»

Von Rob La Salle
Formel 1
Claire Williams

Claire Williams

​Williams steckt in der grössten Krise der Firmengeschichte, seit das Team zum Weltmeister wurde. Claire Williams, Tochter von Firmengründer Frank Williams, gibt zu, dass sie ans Aufhören denkt.

Mit dem Schritt in die neue Turbo-Ära ging es bei Williams aufwärts: Der von Sir Frank Williams gegründete und von seiner Tochter Claire geleitete Rennstall errang 2014 und 2015 den dritten WM-Schlussrang. Es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Williams erstmals seit 2012 wieder einen Grand Prix gewinnt, seit Pastor Maldonado in Barcelona. Doch dann holten die Gegner auf, der Bonus des besten Motors von Mercedes verblasste. Williams wurde 2016 und 2017 jeweils WM-Fünfter und konnte in beiden Jahren nur je einen Podestplatz einfahren. 2018 der Totalabsturz: Letzter WM-Platz, nur eine Punktefahrt in elf WM-Läufen, mit Lance Stroll als Achtem im Chaosrennen von Baku.

Williams befindet sich in der grössten Krise, seit Frank Williams sich vom Formel-1-Hungerleider zum Weltmeister gemausert hat. Frank Williams hat dieses Team zum dritterfolgreichsten Rennstall hinter Ferrari und McLaren gemacht, mit neun Konstrukteurs-Pokalen und sieben Fahrer-WM Titeln. Aber die letzte Marken-WM wurde 1997 gewonnen, also vor mehr als zwanzig Jahren, im gleichen Jahr wurde letztmals ein Williams-Pilot Weltmeister, es war Jacques Villeneuve. Der gleiche Villeneuve ist noch immer in der Formel 1, als TV-Experte, und er erhielt bei Williams Hausverbot – weil sich der Kanadier erdreistet hat, Williams an den Karren zu fahren. Der elffache GP-Sieger findet: Der Fisch stinke vom Kopfe, Claire Williams sei einfach eine Fehlbesetzung auf dem Chefsessel.

Klar geht die Krise von Williams an der Engländerin nicht spurlos vorbei, die im Oktober 2017 erstmals Mutter geworden ist. Gegenüber der Tageszeitung Sun sagt Claire Williams: «Natürlich denke ich daran, alles hinzuschmeissen. Jeder würde das an meiner Stelle. Aber es geht nicht darum, ob ich mir das noch länger antun will. Es geht darum, dass ich mir die Frage stellen muss – bin ich für diesen Job die Richtige? Ich bin jedenfalls nicht am Punkt, an dem ich in den Spiegel gucke und das Problem sehe.»

«Wenn mich Menschen im Fahrerlager oder in den sozialen Netzwerken kritisieren, dann können sie das tun vom Morgen bis zum Abend. Aber wenn mir jemand bei Williams ins Gesicht sagt, dass ich diesem Rennstall Schaden zufüge, dann gehe ich. Bis dann habe ich jede Menge zu tun, und ich gebe nicht auf. Wir liegen auf dem zehnten Platz, ich muss den Kopf dafür hinhalten, es liegt an uns, das zu korrigieren.»

Seit 2013 hat Claire Williams diesen Posten inne, offiziell heisst ihr Job stellvertretende Teamchefin. Claire weiter: «Es ist demütigend. Wir treten jedes Wochenende an, im Geiste von Williams. Ich hatte vor einigen Monaten eine längere Diskussion mit Vater, und er hat mich mehr unterstützt als ich es erwartet hätte. Ich dachte, er würde etwas sagen wie: „Um Himmelswillen, was machst du eigentlich?“ Aber das hat er nicht. Er war überaus philosophisch und hat gemeint: „Claire, wir haben schon früher besch..... Zeiten, und wir haben das überwunden. Du musst weitermachen.“»

«Ich möchte Vater beeindrucken, denn er hat mir diesen Posten anvertraut. Ich will ihn nicht beschämen, ich will dieses Team nicht kaputtmachen. Das wäre grauenhaft.»

Während Claire Williams darüber nachdenkt, die Kooperation mit Mercedes zu vertiefen, sagt sie auch: «Wir werden nie ein B-Team eines anderen Rennstalls werden. Wir sind irrsinnig stolz darauf, was Williams in diesem Sport geleistet hat und schützen diese Position vehement. Wir haben uns die Unabhängigkeit hart erarbeitet. Viele Menschen haben in vierzig Jahren enorme Opfer erbracht, um Williams aufzubauen. Aber wenn es mögliche Wege der Zusammenarbeit gibt, dann werden wir sie uns anschauen. Denn wir wollen auch nicht zum Dinosaurier werden, zu einem einst machtvollen Wesen der Formel 1, das letztlich unterging, weil es sich nicht verändern und anpassen konnte.»

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