Formel 1

Fernando Alonso: 2019 IndyCar, 2020 wieder Formel 1?

Von Mathias Brunner - 14.08.2018 19:39

​Schnell ist den Fans von Fernando Alonso nach dem ersten Schock aufgefallen: Der spanische Superstar hat sich ein Hintertürchen offenstehen lassen. Ist sein Formel-1-Abschied in Wahrheit ein Auf Wiedersehen?

Fernando Alonso hatte den Countdown angekündigt, punktgenau gab er am Dienstag, 14. August bekannt: Er wird 2019 nicht Formel 1 fahren. Natürlich ist das eine Hammermeldung, aber wir könnten nicht behaupten, das uns das völlig überrascht hat. Sky-GP-Experte Martin Brundle war nicht der Einzige, dem aufgefallen war: Fernando Alonso ist vom ständigen Misserfolg in der Formel 1 offenbar zermürbt. «Bei einem Interview mit ihm hatte ich den starken Eindruck, dass er die Nase voll hat.» Der Eindruck war korrekt, denn Alonso gibt jetzt zu, dass die Entscheidung zum Nein zur Formel 1 vor Monaten gefallen ist.

Fernandos früherem McLaren-Stallgefährte Jenson Button fiel auf: «Wenn du zwei WM-Titel und all diese Rennen gewonnen hast, dann ist ein Kampf um die Ränge oder 9 jetzt wirklich nichts, woran du dich gewöhnen kannst. Fernando will daran glauben können, dass sich etwas zum Besseren ändert. Ich wusste – ist das nicht der Fall, dann könnte er tatsächlich aus der Formel 1 verschwinden.»

Verschwinden heisst nicht Aufhören. Denn Button weiss: «Fernando will immer nur eines – Rennen fahren. Wenn er nicht an einem GP-Wochenende in einem Auto sitzt oder ein Langstreckenrennen fährt, dann steigt er eben in ein Kart. Er fährt immer. Er gibt ohne Unterlass Vollgas. So ist er halt. Er braucht dieses Gefühl. Er hat in diesem Jahr auf Anhieb in Le Mans gewonnen, jetzt fehlt ihm noch der Sieg beim Indy 500. Er will das Triple Crown.»

Auffällig jedenfalls ist: Fernando Alonso spricht davon, 2019 keine Formel-1-Rennen zu bestreiten. Von einem Formel-1-Rücktritt ist in keiner Silbe die Rede. Und sogar eine Rückkehr schliesst der 32fache GP-Sieger nicht aus, wenn er schreibt: «Ich möchte allen bei McLaren danken. McLaren wird in meinem Herzen immer einen Platz behalten. Ich weiss, dass sie auf die Siegerstrasse zurückkehren werden – vielleicht wäre das für mich der richtige Zeitpunkt, um zurückzukehren. Das würde mich sehr glücklich machen.»

Wie also geht es weiter für Fernando Alonso?

McLaren prüft seit längerem einen Vollzeit-Einsatz im IndyCar-Sport. McLaren-Direktor Zak Brown: «Fernando hat seinen Ausflug nach Amerika sehr genossen. Er will auf alle Fälle erneut das Indy 500 fahren, wenn das Timing stimmt. Indy war ohne Zweifel eine tolle Erfahrung. Wir sind trotz des Ausfalls mit einem guten Gefühl abgereist. Ja, ich würde McLaren gerne regelmässig sehen. Aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wir werden das frühestens in einigen Monaten entscheiden. Wenn es nach mir ginge, dann werden wir zurückkehren.»

Der Kalifornier im Gespräch mit den amerikanischen Kollegen des «Indy Star»: «Fernando hat seinem Frust darüber, dass es eher eine Hersteller- als eine Fahrer-WM ist, schon zum Ausdruck gebracht. Sieht man sich die Rennergebnisse an, muss man ihm Recht geben. Er will sich selbst fordern, und es könnte gut sein, dass eine Teilnahme am Indy 500 oder der ganzen IndyCar-Serie ihn reizen und antreiben würde. Fernando hat grosses Interesse an der IndyCar-Serie. Er steht auf diese Meisterschaft.»

Alonso meinte dazu: «Jeder von euch weiss, wie die Formel 1 funktioniert. Du kennst deine Ziele, du kennst deine Möglichkeiten. Du musst versuchen, das Beste aus deinen Chancen zu machen und die Entwicklung voranzutreiben. Wir sind guter Dinge, dass wir mit weiteren Verbesserungen beim Chassis und beim Motor Fortschritte machen können. Aber ich weiss auch: Wenn die anderen Teams gleich effizient entwickeln wie wir, dann treten wir an Ort.»

«Le Mans ist als Rennen ist unfassbar anspruchsvoll, egal in welcher Klasse. Du bist ständig am Kämpfen. Alles muss passen: Technik, Boxenstopps, Fahrerleistung. Favoriten stolpern. Das ist genau jene Unvorhersehbarkeit, welche der Formel 1 fehlt. Ein Team, das auf Rang 14 startete, wurde Dritter. Wir sitzen hier, und jeder von uns weiss – gegen die Top-Teams kannst du bestenfalls Dritter werden. Das ist das grösste Problem der Formel 1.»

Im Sommer hatte Alonso gesagt: «Ich habe 17 Jahre meines Lebens für die Formel 1 gegeben, aber ich will den Grand-Prix-Sport nicht mit einem schlechten Geschmack im Mund verlassen. Ich will nicht gehen im Wissen, dass ich nicht 100 Prozent geben konnte. Ich will mich jedoch auch nützlich fühlen, ich will etwas beitragen, ich will das Team vorwärtsbringen. Wenn das alles fehlt, dann kann ich es mir nicht vorstellen weiterzumachen.»

Jenson Button weiss, wie Fernando Alonso tickt. Der 38jährige Engländer ist von 2015 bis 2017 an der Seite von Fernando Alonso für McLaren-Honda gefahren. «Ich spürte, in welcher Situation sich Fernando befindet. Du hörst das aus seinen Funksprüchen heraus. Das sind Aussagen, welche die ehrlichen Emotionen eines Rennfahrers widerspiegeln. McLaren fährt auch nach dem Wechsel von Honda- auf Renault-Motoren hinterher. Das Einzige, was Fernando derzeit machen kann, das ist, seinen Teamkollegen Stoffel Vandoorne zu schlagen. Und das tut er ziemlich eindrucksvoll.»

Um genau zu sein, hat nur ein Fahrer im Feld eine reine Quali-Weste gegen seinen Stallgefährten: Fernando Alonso. Es steht 12:0 gegen Vandoorne.

Bei Fernando Alonso kann man sich nie so ganz sicher sein, was als nächstes kommt. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Asturier 2019 seine Batterien in den USA frisch auftankt, im Idealfall das Indy 500 abholt, McLaren-Renault im GP-Sport gleichzeitig endlich konkurrenzfähig wird – und wir dann 2020 Fernando in der Formel 1 wiedersehen.

Das Wort unmöglich existiert für einen Mann wie Fernando Alonso nicht.

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