Mattia Binotto: Wieso Ferrari in Monaco versagte

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Die Ferrari-Strategen haben sich im Qualifying zum Monaco-GP bis auf die Knochen blamiert: Der junge Leclerc wurde nicht mehr auf die Bahn geschickt, nur Startplatz 15. Teamchef Mattia Binotto spricht Klartext.

Kein Rennstall wird so innig geliebt wie Ferrari, und bei aller journalistischen Neutralität gebe ich freimütig zu: Natürlich trage ich im Herzen eine Schwäche für den grössten Rennstall der Welt, ich bin schliesslich nicht aus Stein. Aber eine Blamage wie in Monte Carlo kann keiner schönreden, darf keiner schönreden, muss angeprangert werden.

Im ersten Qualifikations-Teil waren die Ferrari-Strategen davon überzeugt, dass die 1:12,149-min-Runde des jungen Charles Leclerc reichen würde, um ins zweite Quali-Segment vorzustossen. Das erwies sich als folgenschwerer Fehler. Die Bahn wurde immer schneller, und als Gipfel der Ironie war es ausgerechnet der sich verbessernde Sebastian Vettel, der mit seiner Bestzeit Leclerc auf Rang 16 und damit ins Tal der Tränen stiess. Das Gesicht des jungen Monegassen sagte alles.

Nach dieser handfesten Blamage hat Teamchef Mattia Binotto immerhin das Rückgrat, sich den Fragen der Journalisten zu stellen. Der Italiener nimmt die Verantwortung für diesen unfassbaren Patzer auf sich: «Wir haben einen Fehler gemacht, wir haben falsch eingeschätzt, welche Zeit vonnöten ist, um den Sprung ins zweite Quali zu schaffen. Wir basieren diese Einschätzung auf unseren Daten sowie auf den Rundenabschnitten der Gegner, dann rechnen wir üblicherweise noch eine Sicherheitsmarge ein. Aber es reichte dennoch nicht.»

«Wie sich herausstellte, wurden die Rundenzeiten zum Schluss von Quali 1 rasant besser, besser als wir es erwartet hatten. Dann spielt es auch eine Rolle, was die Fahrer noch in die Waagschale legen, sie beginnen mit zunehmendem Training mehr zu wagen, das haben wir ebenfalls unterschätzt. Wir haben letztlich das alles falsch berechnet.»

«Natürlich können die Menschen sagen – solche Fehler dürfen Ferrari nicht passieren. Doch wir sind in der Lage, dass wir aufholen müssen. Um das zu tun, müssen wir Risiken eingehen. Das Risiko heute bestand auch darin, bei Charles nur einen Satz Pirelli zu benutzen und einen zweiten Satz Reifen zur Seite zu legen, um ihn später in Quali 2 und Quali 3 zu nutzen. Aber dieser Plan ist nicht aufgegangen.»

«Das alles ist jammerschade für Charles. Ein Fehler war die falsche Einschätzung der Situation, ein weiterer Fehler war, diese Fehleinschätzung nicht von übergeordneter Stelle zu korrigieren, als es dazu noch die Chance gab. Wir stehen nicht gut da, aber wir werden aus diesen Fehlern lernen.»

Berechtigte Frage: Vettel war zum gleichen Zeitpunkt in Gefahr, es nicht in Quali 2 zu schaffen, mit einer letzten schnellen Runde brachte der Heppenheimer das in Ordnung, aber waren in den entscheidenden Sekunden zu viele Augen auf Seb gerichtet und vielleicht zu wenig auf Leclerc? Binotto meint: «Nein, überhaupt nicht. Beide Fahrer haben ein komplettes Team, das hinter ihnen steht, das hat sich nicht gegenseitig beeinträchtigt.»

Hand aufs Herz: Vertraut Binotto den internen Abläufen noch? «Ja, wir haben die richtigen Leute auf den richtigen Posten. Aber wir müssen an unseren Werkzeugen arbeiten und Margen anders berechnen. Und dieses Thema werden wir mit sofortiger Wirkung anpacken.»

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