Schreck in Silverstone: Irrer Pfarrer auf der Piste

Von Mathias Brunner
Formel 1
Mark Webber hat soeben um Haaresbreite Neil Horan verpasst

Mark Webber hat soeben um Haaresbreite Neil Horan verpasst

​Glücklicherweise kommt das nur ganz selten vor – ein verwirrter Fan auf der Formel-1-Rennstrecke. Wenn wir zurückblicken, müssen wir froh sein, dass es keine Toten gegeben hat, Beispiel Silverstone 2003.

Singapur 2015 war der bislang letzte Fall, bei dem sich ein Fan auf die Rennstrecke verirrt hat. Das hohe Sicherheitsniveau macht das Vordringen bis zur Rennstrecke fast unmöglich. Das war nicht immer so. Jahrelang war eine Pisteninvasion der ganz normale Abschluss jedes Grossen Preises von Italien in Monza. Viele Tifosi nahmen es mit dem Fallen der Zielflagge nicht so genau. Heute läuft das viel gesitteter ab. Auch nach dem Sieg von Max Verstappen auf den Red Bull Ring Ende Juni strömten die Fans auf die Bahn, aber in geordneter Weise. Aber das war nicht immer so.

Unvergessen der frühere Geistliche Cornelius «Neil» Horan, der im britischen Grand Prix 2003 auf die Silverstone-Strecke rannte, um auf die Worte des Herrn aufmerksam zu machen (auf seinem Schild stand: «Lest die Bibel. Die Bibel hat immer Recht»). Das Einzige, was wirklich nah war, war sein eigenes Ende: Der Jaguar von Mark Webber verpasste den irren Priester nur um Haaresbreite.

In seiner Autobiographie «Aussie Grit» schrieb Webber über diese Sekunden: «Es war das Unglaublichste, was ich je auf einer Rennstrecke gesehen habe. Mir war völlig einerlei, wofür der Kerl protestieren wollte – er brachte sich, mich und Andere in Lebensgefahr. Es machte mich fuchsteufelswild, dass er das in Kauf nahm.»

Das Safety-Car musste auf die Bahn geschickt werden, um den Eindringling einzufangen. Held der Stunde war Streckenposten Stephen Green, der Horan mit einem gekonnten Ringergriff überwältigte. Horan wurde später für seine Aktion in Silverstone zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Gelernt hatte er nichts: Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen attackierte er einen brasilianischen Marathonläufer und brachte den Athleten um dessen Chancen auf Gold.

Wegen zahlreicher Vergehen stand Horan immer wieder vor Gericht und musste verschiedene Strafen absitzen oder Bussen bezahlen.

Bislang zum letzten Mal sahen wir Horan vor zehn Jahren: Da trat er bei «Britain’s Got Talent» an, dem britischen Gegenstück der deutschen RTL-Sendung «Das Supertalent». Horan zeigte einen irischen Volkstanz.

Superstar wurde er nicht.


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