Friss oder stirb: Pecco Bagnaia vor der großen Herausforderung 2026
Über weite Strecken der vergangenen MotoGP-Saison klagte Italiens Ducati-Ass Pecco Bagnaia über die GP25. Nach WM-Rang 5 liegt es jetzt am Piloten selbst, wieder auf Siegeskurs zu kommen.
Seit seinem Wechsel in die MotoGP war es für Francesco Bagnaia stetig, aber nur langsam bergauf gegangen. Es dauerte 41 Rennen, bis sich der in Turin aufgewachsene Racer erstmals als MotoGP-Sieger feiern ließ. Der erste Triumph im Motorland Aragón (2021) entkorkte Bagnaia vollends. Noch im gleichen Jahr folgten drei weitere Siege und der Ducati-Werksfahrer kletterte in der WM-Tabelle bis auf Rang 2. Nur Fabio Quartararo war noch erfolgreicher.
Vom Franzosen war ein Jahr später nichts mehr zu sehen. Bagnaia dagegen profitierte von der genialen Entwicklung der neuen Desmosedici-Generation ab 2022. So folgte die erfolgreichste Phase der Ducati-Geschichte im GP-Sport. Der von Valentino Rossi geförderte Bagnaia steigerte sich mit schwer beeindruckenden 25 Rennsiegen am Sonntag zum ersten Ducati-GP-Pilot, der seinen Titel in der Königsklasse verteidigen konnte.
Kurios verlief die Saison 2024. Pecco Bagnaia fuhr schneller als je zuvor, kam mit elf Triumphfahrten auf mehr erste Plätze als jeder andere und wurde dennoch nur Vizeweltmeister. Markenkollege Jorge Martin hatte es verstanden, vom Speed her dagegenzuhalten – aber weniger Fehler zu begehen. Mit Weggang des Champions in Richtung Aprilia und einer klaren Analyse der Fehler 2024 deutete vieles auf ein Comeback Bagnaias 2025 hin.
Bekanntermaßen kam es völlig anders. Ausgerechnet die Familie Marquez vermasselte dem VR46-Schützling die Vorstellung. Alex Marquez bedankte sich für die GP24 und schlug den Italiener mit den eigenen Waffen. Bruder Marc, bekannt für seine Fähigkeit, auch ein nicht perfektes Motorrad gnadenlos ans Limit zu führen, übernahm die Führungsrolle bei Ducati Corse.
Dass die neue Situation dem Doppelweltmeister Pecco Bagnaia aufs Gemüt schlug – wenig überraschend. Doch die Kombination aus Unmut und feinen Abstimmungsschwächen am 2025er-Renngerät ist in der Königsklasse unverzeihlich. Das technische Regelwerk ist von den Entwicklern der MotoGP-Prototypen derart ausgereizt, dass 2025 wenige Zehntel den Unterschied zwischen Triumph und Desaster ausmachten.
Die Konsequenz: Pecco Bagnaia, der die Jahre zuvor jeweils meist nur mit einem Konkurrenten beschäftigt war, musste sich im Verlauf der Saison auch permanent mit Alex Marquez, Marco Bezzecchi und Pedro Acosta um einen Platz in den Top 5 klopfen. Und auch damit kam Bagnaia nicht davon. Auf ehemaligen Vorzeigepisten wie Misano kam die Startnummer 63 nun komplett unter die Räder – während «MM93» vom Siegerpodest grinste.
Bagnaias Hilferufe wurden vom Team erhört, doch auch aufgrund der Concessions-Regeln war Ducati gar nicht in Lage, ihrem einstigen Italo-Superhelden etwa mit neuen Chassis-Varianten aus der Patsche zu helfen. «Friss oder stirb» gilt in dem Fall auch für den 41-fachen GP-Sieger Pecco Bagnaia.
Das Ziel des Werks aus Bologna ist klar: Auch am Ende der 1000er-Ära soll der Titel in Bologna bleiben. Wer sich den Titel holt, ist egal, solange es ein Ducati-Pilot ist, so die Sicht in Borgo Panigale.
Da alle Werke ihre Entwicklungsenergien schon bald komplett in Richtung 850er-Ära und 2027 verlagern werden, um sich in eine bestmögliche Startsituation zu bringen, bleibt Pecco Bagnaia nichts anderes übrig, als sich auf seine eigenen Stärken zu besinnen. Die Frage ist also nicht, ob die 2026er-Ducati funktioniert, sondern ob Bagnaia auf der GP26 funktioniert.
Für die Fans der MotoGP bietet das Übergangsjahr vor dem Neustart mit 850 ccm also dennoch jede Menge Spannung. Auch deshalb, weil Alex Marquez als Anerkennung für den Vizetitel nun technisch gleichgestellt ist. Heißt: Mit den Marquez-Brüdern, Bagnaia und Fabio Di Giannantonio gehen gleich vier Ducati-Piloten mit identischer Basis ins Rennen. Bereits beim großen Wintertest in Sepang wird sich erstmals zeigen, wie Bagnaia mit der Herausforderung umgeht.
Wie gut sich Siege anfühlen, erlebte Bagnaia jüngst beim Einladungsrennen seines Mentors Rossi. Der gescholtene Ducati-Werksfahrer verließ Tavullia als Sieger.
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