Andrew Shovlin: «Valtteri Bottas war zu weit weg»

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Valtteri Bottas

Valtteri Bottas

Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin erklärt, warum er mit Lewis Hamiltons Spa-Aufholjagd auf Charles Leclerc gerechnet hatte und weshalb Valtteri Bottas nicht so nah an den Sieger herankam wie sein Teamkollege.

Am Ende wurde es noch einmal knapp, doch Charles Leclerc konnte den ersten GP-Sieg seiner Karriere schliesslich ins Ziel retten. Der Ferrari-Hoffnungsträger geriet am Ende unter Druck des heranstürmenden WM-Leaders Lewis Hamilton, dem allerdings die Zeit ausging, wie der leitende Mercedes-Streckeningenieur Andrew Shovlin in seiner Nachlese zum Belgien-GP erklärt.

«Wir haben Lewis eine Runde nach Leclerc an die Box geholt, und weil er auf den älteren Reifen auf der Strecke war, liess er da etwas Zeit liegen. Leclerc gab auf frischen Gummis Gas und fuhr so einen Vorsprung heraus, während Lewis auf den alten Reifen unterwegs war. Dadurch musste er einen etwas grösseren Rückstand wettmachen», räumt der Brite ein.

«Am Ende kamen wir sehr nah an eine Überholmöglichkeit heran doch letztlich dauerte das Rennen nicht lange genug. Die grosse Frage lautet also, ob wir rangekommen wären, wenn Lewis ein oder zwei Runden früher an die Box abgebogen wäre. Doch in diesem Fall wäre er auch wieder auf älteren Reifen unterwegs am Ende. Es ist also schwer zu sagen, ob es so gereicht hätte. Aber klar, wenn du etwas ausprobierst, und es klappt nicht, dann denkst du natürlich darüber nach, was man hätte anders machen sollen», fügt Shovlin an.

«Der grosse Faktor in diesem Fall war in meinen Augen aber das Safety-Car zu Beginn des Rennens und die Rennlänge. Wenn wir diese frühe Safety-Car-Phase nicht gehabt hätten und das Rennen vielleicht vier Runden länger gedauert hätte, dann wären seine Reifen wohl auch etwas stärker eingebrochen, was die Erfolgsaussichten auf ein Überholmanöver wohl verbessert hätte», ist sich der Ingenieur sicher.

Dass der fünffache Champion gegen Ende des Rennens so schnell auf Leader Leclerc aufholen konnte, war keine Überraschung für as Mercedes-Team, wie Shovlin offenbart. «Wir dachten uns schon, dass Lewis rasch näherkommen wird, denn wir hatten die Daten vom ersten Stint, mittels derer wir den Abbau ermitteln konnten. Wir haben natürlich auch die anderen Autos auf den mittelharten Reifen beobachtet und versucht, den Abbau dieser Mischung zu ermitteln, und wir wussten, dass er ein, zwei Runden nah dran sein würde gegen Ende des Rennens. Aber du kannst nie wissen, ob das schliesslich in einem Überholmanöver resultiert. Leider ging es am Ende nicht auf, aber wir wussten, dass es eng werden würde.»

Und warum kam Bottas nicht so schnell an den Spitzenreiter heran wie sein Stallgefährte? «So, wie wir mit Lewis’ Aufholjagd rechnen konnten, so genau wussten wir auch, dass es für Valtteri nicht reichen würde. Er war einfach zu weit weg, als er anfing, den Rückstand zu verringern. Fünf oder sechs Runden vor dem Fallen der Zielflagge baten wir ihn deshalb, in einen etwas weniger aggressiven Motor-Modus zu schalten, um die Antriebseinheit nicht unnötig zu belasten.»

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