Australien-GP: Wieviel Netflix erträgt die Formel 1?

Von Mathias Brunner
Rote Flagge in Australien

Rote Flagge in Australien

​Hat sich die Formel-1-Leitung mit der Generation Netflix in eine Ecke manövriert? Fans und Fahrer sind nach dem turbulenten Australien-GP der Ansicht: Nicht jede Rennunterbrechnung mit roter Flagge war notwendig.

Seit dem Grossen Preis von Australien mit drei Rennunterbrechnungen haben sich die Fans noch nicht beruhigt. Vielleicht bringt es ein User in einem Fan-Forum am besten auf den Punkt: «Die Formel 1 hat sich in eine Ecke manövriert, denn die neuen Fans der Generation Netflix erwarten nun von jedem Rennen Drama wie in der Saison 2021.»

Grundsätzlich gilt: Was für ein chaotischer Grosser Preis von Australien! Unfälle, Safety Car-Phasen, Rennunterbrechnungen, Riesendiskussionen ums Reglement, tolle Zweikämpfe, das war wirklich ein Rennen mit Pfeffer.

Aber Formel-1-Weltmeister Max Verstappen hat so manchem Fan aus dem Herzen gesprochen, als er sagte: «Seien wir mal ehrlich – der Schluss des Rennens war ein heilloses Durcheinander. Ich bin nach wie vor überzeugt, die zweite Rennunterbrechnung hätten wir nicht gebraucht. Das hätte man mit einer virtuellen Safety Car-Phase lösen können oder mit einer richtigen. Das hätte vollauf gereicht.»

Doch Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist der Ansicht: «Die Rennleitung muss nach dem Regelbuch vorgehen. Schade letztlich für Alpine, die beide Autos da geschrottet haben und zuvor auf guten Positionen lagen, aber wenn die Regeln so sind wie verfasst, dann hat der Rennleiter keine Wahl. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Anwendung der Regeln mal für den einen Rennstall spielt, mal für den anderen.»

Die Meinungen gehen weit auseinander: Einige Piloten finden, die erste rote Flagge (Unfall von Alex Albon, Kiesel auf der Strecke) war unnötig, das hätte man unter Safety-Car erledigen können. Andere, wie Lando Norris, meinen: «Die zweite rote Flagge nach dem Unfall von Magnussen war mir zu viel. Für mich hatte das den Geschmack von: Man will Mittel und Wege finden, damit das Rennen nicht hinter dem Safety-Car zu Ende geht.»

Max Verstappen: «Letztlich war es so, dass die zweite rote Flagge dazu geführt hat, dass es mehrere Unfälle gab und erneut unterbrochen werden musste.»

Nochmals Lando Norris: «Es fühlt sich einfach so an, als werde die rote Flagge dazu genutzt, um das Show-Element zu verstärken.»

Formel-1-Weltmeister Jenson Button: «Die rote Flagge wegen der Kiesel habe ich nicht verstanden. Da reicht ein Safety-Car vollständig.»

Fakt ist: Hätte es nach dem Crash von Kevin Magnussen eine Safety Car-Phase gegeben, so wäre der Grosse Preis von Australien mit hoher Wahrscheinlichkeit neutralisiert zu Ende gegangen; genau das, was Teams, Fahrer und Fans nicht mehr wollten. Das Geschrei wäre gross gewesen.

Klar war es für die Unterhaltungsmaschine Formel 1 interessanter, nochmals einen stehenden Start präsentieren zu können. Aber drei rote Flaggen in einem Rennen dürfen nicht zur neuen Normalität werden.

Ex-GP-Pilot Martin Brundle kann sich trotzdem nicht vorstellen, dass die Entscheidung der Rennleitung beeinflusst wird. «Ich weigere mich zu glauben, dass es hier eine entsprechende Anweisung gab, die Action ein wenig aufzupeppen. Die Leute, die das sagen, sollen erst mal die Schuhe der Verantwortlichen tragen.»

«Für uns abseits des Geschehens ist es oft einfach zu sagen – man hätte dies machen müssen oder das. Aber ich erinnere an Felipe Massa 2009, als der Brasilianer in Ungarn durch ein Trümmerteil (von Rubens Barrichellos Brawn-Rennwagen, M.B.) fast gestorben wäre. Australien ist ein Strassenrennen, mit vielen Fans entlang der Bahn, dazu die ganzen Streckenposten.»

«Wenn nun also Trümmer auf der Bahn festgestellt werden, dann muss um alles in der Welt vermieden werden, dass die von den Autos aufgewirbelt werden und unkontrolliert durch die Luft segeln.»
«Gut, beim Unfall von Alex Albon finde ich auch, eine normale Safety Car-Phase hätte es getan, um die Kiesel von der Bahn zu fegen. Aber nach dem Magnussen-Unfall war eine Unterbrechung angemessen.»

«Macht Rennleiter Niels Wittich alles richtig? Darüber lässt sich diskutieren. Fakt aber ist: Wir alle tragen nicht die Verantwortung, dass Verletzungen oder Schlimmeres vermieden werden. Diese Verantwortung obliegt ihm. Und ich bin sicher, es gibt niemanden, der hinter ihm steht und ihm einflüstert – hey, machen wir das Ganze hier ein wenig spassiger.»

Teams und Fahrer haben angekündigt, von Formel-1-Rennleiter Niels Wittich mehr Klarheit zu fordern darüber, wann es wirklich vonnöten sei, ein Rennen zu unterbrechen. Es soll genauer definiert werden, wann eine virtuelle Safety-Car ausreicht, wann das Safety-Car von Bernd Mayländer auf der Bahn vonnöten ist und wann eine Unterbrechung mit roter Flagge unumgänglich ist.

Egal wie diese Definition ausfallen wird: Solche Entscheidungen werden kontrovers bleiben.

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