Monza wird 90

Von Guido Quirmbach
Formel 1
Typisch Monza: Parallele Streckenführung 1955

Typisch Monza: Parallele Streckenführung 1955

Die älteste, noch heute befahrene permanente Rennstrecke in Europa feiert eine Woche vor dem Grand Prix von Italien Geburtstag.

Am 3. September 1922 wurde im Königlichen Park, am nördlichen Stadtrand von Monza gelegen, das Autodromo Nazionale eröffnet. Erstmals fand an diesem Tag dort ein Autorennen statt, es wude ausgeschrieben für Rennwagen mit 1,5 Liter Hubraum. Sieger des Rennens wurde ein Italiener namens Pietro Bordino mit einem Fiat, der Siegerschnitt betrug 134 km/h über die Distanz von 600 km. Eine Woche später gab es das erste Rennen für Motorräder.

Monza war von Beginn an eine Hochgeschwindigkeitsstrecke und gleichzeitig ein Kampf gegen die immer höher werdenden Geschwindigkeiten. Bereits der 1922 konstruierte Kurs entsprach weitgehend der Strecke von heute. Die Gerade zur Parabolica war etwas versetzt zur heutigen Position, die Parabolica selbst eine einzige Rundung. Auch ein Banking gab es bereits, im Gegensatz zu den später verwendeten Steilkurven kamen diese aber innen zurück, auf Start und Ziel, da der Radius etwas geringer war, weiterhin waren die Kurven weniger überhöht. Insgesamt war die Strecke 10 Kilometer lang.

Von Beginn an war Monza Austragungsort des «Grossen Preises von Italien». Allerdings wurde dieses Prädikat nach einem schlimmen Unfall 1928 für zwei Jahre ausgesetzt, als der Bolide von Emilio Materassi nach einer Kollision in die Zuschauer geschleudert wurde und neben dem Fahrer noch 27 weitere Menschen ihr Leben lassen mussten.

Bereits in den 1930ern waren manche Ecken zu schnell, so versuchte man mit Strohballen beispielsweise in der heute unter dem Namen «Variante Ascari» bekannten Kurve die Geschwindigkeiten herunterzusetzen.

Den ersten grösseren Umbau gab es 1939. Das Banking wurde abgerissen und die Gegengerade auf die Position verlegt, wo sie noch heute ist. Bis auf die Form der Parabolika, die dann aus zwei circa 90°-Rechtskurven mit einer kurzen Geraden bestand, entspricht der Kurs seit 1939 den heutigen Konturen und wurde in dieser Form bis 1954 benutzt, wobei natürlich im Zweiten Weltkrieg auch in Monza der Sport ruhte. Im Krieg wurde die Anlage beschädigt, aber bereits 1948 fanden wieder Rennen im Königlichen Park statt.

Den nächsten grossen Umbau gab es 1955. Wieder wurde der Kurs auf 10 km verlängert, die Parabolica kam in ihre heutige Form, und es gab erneut zwei mächtige Steilkurven. Auf der Start/Ziel-Geraden gab es eine parallele Streckenführung, nur durch Pylonen getrennt. Wer aus der Parabolica kam, fuhr innen und nach der Ziellinie rechts in die Steilkurven. Und kam auf der äusseren Linie wieder bei Start/Ziel vorbei und fuhr in Richtung Curva Grande.
Doch gegen die Steilwände gab es bald Proteste der Fahrer, sie erwiesen sich als zu holprig, materialmordend und gefährlich. Bereits 1961 fuhr die Formel 1 letztmalig durchs Banking, das letzte grosse internationale Rennen, wo sie benutzt wurden, waren die 1000 km 1969. Sie stehen noch heute wie Denkmäler der motorsportlichen Urzeit im Park.

Nach dem Formel-1-Grand-Prix 1971, wo Sieger Peter Gethin mit 242 km/h einen Rekordsiegerschnitt erzielte, der mehr als 30 Jahre gültig war, wurde der Kurs mit zusätzlichen Schikanen versehen, die, wenn auch inzwischen modifiziert, an den gleichen Stellen stehen, wo sie auch heute sind.

Monza war immer berühmt-berüchtigt, der Kurs forderte vergleichsweise viele Opfer. Alberto Ascari, Graf Berghe von Trips, Tommy Spychiger, Jarno Saarinen, Silvio Moser oder Ronnie Peterson sind nur einige Namen grosser Piloten, die in Monza ihr Leben liessen.

Trotz aller Tragik, nur wenige Rennstrecken haben gleich vom ersten Moment ein solches Flair wie Monza. Es fängt schon bei der Anreise durch die engen Gassen der Stadt an, bis zum Einfahren in den Park. Ein Spaziergang durch den Wald zu den verschiedensten Streckenpunkten ist absolut empfehlenswert.

Congratulazioni Autodromo Nazionale di Monza!

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