Brundle: «Vettel will kein beflecktes Genie sein»

Von Rob La Salle
Formel 1
Martin Brundle mit Sebastian Vettel

Martin Brundle mit Sebastian Vettel

Der Ex-GP-Pilot über Teamgefährten-Streit. Und über die schwierige Aufgabe von Pirelli.

158 Formel-1-Läufe ist Martin Brundle im GP-Sport alt geworden – der Engländer kennt jeden Kniff in der Vollgasbranche. Auch für ihn steht fest: die zwei Leitthemen von Malaysia – Stallorder und Reifen – werden uns noch eine ganze Weile begleiten.

Stallorder, das weiss auch Brundle, ist so alt wie das erste Zweiwagen-Team im Motorsport. «Und wer sich heute aufregt, vergisst die Historie», findet der Brite. «In den 50er Jahren mussten einige Fahrer ihre Autos den Team-Leadern gleich abgeben. In den 60er Jahren wurde unter Gentlemen eine Höchstdrehzahl vereinbart – die dann im Rennen prompt vergessen wurde.»

«Das Duell Webber gegen Vettel erinnerte mich sehr an ignorierte Boxenbefehle in der Art von Villeneuve und Pironi in Imola 1982 oder Senna und Prost sieben Jahre später auf der gleichen Bahn.»

«Natürlich hätte auch ich nicht an an der Boxenmauer tatenlos zugesehen, wie sich meine beiden Fahrer möglicherweise in die Kiste fahren und Mercedes einen Doppelsieg schenken. Ich habe nach dem Rennen RBR-Teamchef Christian Horner gefragt, wieso er Vettel nicht befohlen habe, sich wieder hinter Webber zurückfallen zu lassen. Er meinte: „Er hatte zuvor schon drei Runden lang Befehle ignoriert, wieso sollte er sich nun an einen halten?“»

«Ich bin auch gespannt, wie dass weitergeht – der Killer-Instinkt gehört zum Erfolgs-Fahrer Vettel, aber gleichzeitig ist er intelligent genug zu wissen: das Etikett eines befleckten Genies wird seinem Ansehen schaden», sagt Martin in seiner Kolumne beim TV-Sender Sky.

«Bei Mercedes sehe ich es so: Nico Rosberg darf Hoffnung aus der Tatsache schöpfen, dass er sein Rennen klüger eingeteilt hat als Lewis Hamilton. Aber an seiner Stelle würde ich mich fragen, ob ich den gleichen Vertrag wie mein Teamkollege habe, wenn ich ihn nicht überholen darf ...»

«In Sachen Pirelli haben die Italiener nur umgesetzt, was von ihnen verlangt wurde – dass die Rennen spannend bleiben. Pirelli könnte es sich leicht machen und mit harten Mischungen zu den Grands Prix kommen. Aber wollen wir das?»

«Die Balance muss einfach stimmen. Einstopp-Rennen sind fade, das will keiner sehen. Fünfstopp-Rennen wären hingegen eine Farce. Ich finde, zwei bis drei Reifenwechsel sind ein guter Kompromiss.»

«Ich kann aber auch verstehen, wenn einige Fahrer mit der Situation nicht glücklich sind. Wir wollen eigentlich den schnellsten Mann gewinnen sehen, nicht den besten Reifenflüsterer. Wir stecken da schon in einem Dilemma – sollte der Sport die Oberhand behalten oder der Unterhaltungswert? Das Erste könnte ohne das Zweite nicht existieren, das dürfen wir nie vergessen.»

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