Rennmechaniker: Krank wegen Boxenstopps?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Karun Chandhok als Testfahrer von Caterham

Karun Chandhok als Testfahrer von Caterham

Zunehmend Mechaniker in Therapie. Wann muss der Autoverband FIA nun eingreifen?
Der frühere Formel-1-Fahrer Karun Chandhok (29) aus Indien arbeitet hier in Shanghai als TV-Experte für die Kollegen der britischen Sky.

Ein Aspekt, der dem früheren HRT-Fahrer (11 Grands Prix) aufgefallen ist: «Ich habe noch immer jede Menge Kumpels unter den Mechanikern, da viele frühere HRT-Jungs anderswo untergekommen sind und auch aus meiner Zeit als Testfahrer des heutigen Caterham-Rennstalls. Was ich höre, macht mir Sorgen.»

Gemäss Chandhok haben die Besuche von Formel-1-Mechanikern bei Ärzten und Physio-Therapeuten dramatisch zugenommen, mit Beschwerden an Armen und Schulter.

Karun: «Die Teams gehen auch hier voll an die Grenzen – die Mechaniker üben endlos Boxenstopps, die Schlagschrauber drehen so hoch wie noch nie, die Stopps sollen immer schneller werden. Ich frage mich, ob wir nicht langsam an den Punkt kommen, an welchem der Autoverband FIA sich das mal anschauen sollte. Natürlich soll die Formel 1 Grenzen ausloten, aber es kann nicht im Sinne der Sache sein, dass sie die Menschen krank macht.»

Selbst bei Mittelfeld-Teams wird das Reifenwechseln unablässig und hundertfach in der Woche geübt. Normal sind im Werk 30 komplette Reifenwechsel, also am ganzen Fahrzeug, pro Tag. Dazu üben die flinken Mechaniker auch an Wechsel-Stationen ihren Einzeljob.

Ein Mechaniker sagte mir schon während der Wintertests auf dem Circuit de Catalunya: «Da fallen dir abends dann Finger und Arme ab.»

Das Körperliche ist das eine, clevere Rennställe gehen noch einen Schritt weiter: die Mechaniker werden auch mental trainiert. Der Druck, im entscheidenden Moment alles richtig zu machen, ist enorm.

Wie oft in der Formel 1 sind die finanziell besser gerüsteten Rennställe im Vorteil. Der Versuch beispielsweise, neue, teurere, schneller drehende Schlagschrauber zu verbieten, ist grandios misslungen. Wie üblich konnten sich die Rennställe auch hier nicht auf einem gemeinsamen Nenner einigen.

Einige Teams arbeiten mit magnetisch an Ort gehaltenen Radmuttern, mit verschiedenen Beschichtungen des Materials, mit optimiertem Gewinde, die italienische Firma Paoli hat ihre Schlagschrauber längst mit LED-Leuchten ausgerüstet – wenn der Schrauber beim Festzurren einen gewissen Widerstand spürt, geht ein Licht an, und der Mechaniker weiss, das Rad sitzt fest.

Ein Insider beim Barcelona-Test: «Die Zweisekunden-Grenze wird dieses Jahr nicht nur fallen, Stopps unter zwei Sekunden werden die Regel sein. Und was noch viel wichtiger ist – die Reifenwechsel werden konstant so schnell. Denn was nützt dir ein 1,8er Wechsel, wenn dann beim Nächsten etwas schiefgeht und das Auto acht Sekunden lang steht? Deshalb arbeiten die Teams nicht nur im Hinblick auf rohen Speed, sondern vor allem auf gleichmässig schnelle Wechsel.»

Red Bull Racing hat nach eigenen Angaben in Malaysia einen Boxenstopp-Weltrekord aufgestellt: 2,05 Sekunden am Wagen von Mark Webber ...

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