Mark Webber: Verbitterung, Verschwörung, Porsche

Von Mathias Brunner
Formel 1
Ein Rad geht auf Reisen

Ein Rad geht auf Reisen

Hat sich der Australier schon verabschiedet? Oder ist der Porsche-Deal lediglich ein Druckmittel?
Nach dem Abschlusstraining in Shanghai: Ich surre im Lift mit drei britischen Kollegen zum Pressezentrum hoch.

«Der arme Mark», sagt der eine. «Diese Sprit-Affäre bestätigt doch – wann immer etwas am Auto ist bei Red Bull Racing trifft es ihn!»

Ich drehe mich um: «Ja, genau, wie bei der Lichtmaschine von Vettel in Valencia oder Sebastians Tankproblem in Abu Dhabi ...»

Der Rest der Fahrt verläuft in Stille.

Verschwörungs-Theoretiker erhielten dann im China-GP noch mehr Nahrung für ihre teilweise komplett abstrusen Gedankenmodelle.

Am hirnrissigsten: Red Bull Racing habe sich bei Mark Webber durch das lose Rad rächen wollen.

Dieser ausgemachte Blödsinn macht gleich aus mehreren Gründen keinen Sinn: Erstens hat der 36-Jährige in Malaysia im Kampf gegen Vettel nichts falsch gemacht, er hätte gewinnen sollen, wenn es nach dem Team gegangen wäre. Zweitens kämpft RBR um die Markenwertung, da brauchen die Champions im Kampf gegen Ferrari, Lotus und Mercedes jeden Punkt. Drittens wäre eine gezielte Sabotage des Fahrzeugs vielleicht in einem Schmieren-Roman denkbar, ganz sicher aber nicht in der modernen Formel 1. Ich kenne keinen Mechaniker, der absichtlich das Leben eines Fahrers auf Spiel setzen würde. Und wer schon im Training an eine Mauschelei dachte, dem sei gesagt: Es wäre einfacher, dem Fahrer zu viel Sprit einzufüllen als zu wenig, wenn man ihn einbremsen wollte.

Was hingegen stimmt, auch ohne Verschwörungs-Unsinn: Mark Webber macht sich über seine Zukunft derzeit viele Gedanken.

Der grösste Grund dafür ist jene Konstante, die seit Jahren an ihm nagt: Sebastian Vettel ist in diesem Rennstall der Leitwolf und basta.

Ein zweiter Grund: Mark wird nicht jünger. Ein etwas ungelenker Angriff auf Toro-Rosso-Fahrer führte zu einer Kollision. Da liess der Australier das richtige Timing vermissen.

Gewiss, der Franzose liess ein grosses Loch offen, doch Webber lag schlicht zu weit hinten für einen ernst zu nehmenden Angriff.

Aber Mark mault: «Die Lücke war so gross, ich war davon überzeugt, dass er mich gesehen hatte. Das ist enttäuschend, denn er hätte mir nur etwas mehr Raum geben müssen, und wir wären beide prima um die Kurve gekommen.»

Mehr Raum jedoch dann sich Vergne derzeit nicht erlauben: Mit dem vorzüglichen Wochenende von Daniel Ricciardo steht der Franzose selber enorm unter Druck.

Und nun?

Was geschieht nun mit Webber als rotem Bullen?

«Mr. Red Bull» Didi Mateschitz steht loyal zum neunfachen GP-Sieger. Dass Chef-Berater Dr. Helmut Marko ein Vettel-Fan ist, gilt nicht eben als grosses Geheimnis. Teamchef Christian Horner ist neutral.

Gemäss einigen Quellen hat Mark Webber bereits einen Mehrjahres-Vertrag unterzeichnet, um zu seinen Wurzeln zurück zu kehren (er war vor Jahren Mercedes-Langstrecken-Pilot und wurde 1998 zusammen mit Bernd Schneider Gesamtzweiter der GT-Serie). Gemäss anderen Quellen liegt der Porsche-Deal unterschriftsreif vor, aber Mark hat noch nicht zur Füllfeder gegriffen. Gemäss wieder anderer Quellen wird Porsche nur als Druckmittel für einen neuen Deal in der Formel 1 benutzt.

Porsche bestätigt einen Handel mit Webber nicht, dementiert wird aber auch nicht.

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