Bahrain: Die Wahrheit über die Lage

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Lage in Bahrain

Die Lage in Bahrain

SPEEDWEEK auf dem Weg zur Rennstrecke: Wer Ärger sucht, wird ihn auch finden.

Wie sehr darf sich ein Journalist der Propaganda schuldig machen? Das ist eine Kernfrage vor dem Bahrain-GP. Die einen werden die Golf-Insel erneut zum brennenden Krisenstaat aufbauschen. Die anderen werden Proteste totschweigen. Gut und richtig ist gar nichts davon.

Ein hoher FIA-Funktionär: «Unser Präsident Jean Todt ist wütend. Die Tatsache, dass er nicht zum Rennen kommt, wird so ausgelegt, dass er eben Schiss habe, sich in einen angeblichen Krisenherd zu begeben. Dabei sagt er – Entschuldigung, mein Sohn ist vor Ort und viele Menschen, die ich liebe und respektiere. Wieso unterstellt man mir, ich würde sie absichtlich Gefahren aussetzen?»

Wie gefährlich ist Bahrain?

Ein Augenschein auf der Fahrt vom Finanzviertel zur Rennstrecke. Der Verkehr fliesst träge dahin. In Berlin, Wien oder Zürich werden Sie bei einer Autofahrt mehr Polizeiautos sehen als auf unserem Weg heute Morgen.

An der Strecke sind die Kontrollen entspannt. Sie werden zum Wochenende verschärft, aber solche Überprüfungen kennen wir auch von anderen Grands Prix, und dort regt sich keiner darüber auf.

Bahrain ist im Umbruch, und viele Menschen sind mit ihrer Situation unzufrieden. Aber es ist einfach nicht wahr, dass die Formel 1 in ein Bürgerkriegs-Gebiet zieht.

Die meisten Bahraini, auch reformwillige, sind friedliche Menschen. Als der Mietwagen einiger Kollegen letztes Jahr wegen eines Reifenschadens auf dem Sandstreifen strandete, hielten innerhalb weniger Minuten fünf Autofahrer an, um zu helfen. Schliesslich wechselte ein Mann in edelstem Geschäfts-Anzug das Rad, im Sand knieend.

Jetzt mal Hand aufs Herz: Bei Ihrem letzten Reifendefekt – wieviele Automobilisten haben da für Sie angehalten?

Nochmals unsere FIA-Quelle: «Wir kennen die Agenda einiger Journalisten, vorwiegend aus Grossbritannien. Sie haben einen genauen Auftrag über die Art ihrer Berichterstattung. Und nicht nur in Bahrain gilt: Wer Ärger sucht, wird ihn auch finden.»

Ja, es gibt noch immer Probleme in Bahrain. Die gilt es zu lösen, und zwar auf friedliche Weise.

Gewiss, es hat Tote gegeben und Verletzte, und die Menschenrechte sind teilweise ignoriert worden. Das ist bedauerlich und inakzeptabel.

Aber es ist einfach unwahr, dass sich die Formel 1 in einem brennenden Staat befindet.

Wenn in einer anderen GP-Stadt weltweit Protestanten niedergeknüppelt werden, wieso wird das dann nicht auch thematisiert?

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