Sauber-Deal: Jetzt spricht NIAT-Chef Oleg Sirotkin

Von Mathias Brunner
Formel 1
NIAT-Chef Oleg S. Sirotkin

NIAT-Chef Oleg S. Sirotkin

Oleg S. Sirotkin, Geschäftsleiter des «National Institute of Aviation Technology» (NIAT), spricht über das Engagement bei Sauber und über seinen rennfahrenden Sohn Sergey.

Die Sauber-Fans befinden sich in einem Wechselbad der Gefühle: Natürlich freuen sich die meisten über die Rettung des Schweizer Nationalteams, das künftig mit unüberhörbarem russischen Akzent auftritt. Aber bei einer Umfrage der Tageszeitung «Blick» zeigt sich auch, dass die Fans Skepsis bewahrt haben – etwas mehr ein Drittel Teilnehmer einer Umfrage glaubt, damit sei die Zukunft des Lebenswerks von Peter Sauber gesichert; zwei Drittel jedoch antworten, für sie gebe es noch viele Fragezeichen.

Auf der Suche nach passenden Antworten zu diesen Fragezeichen haben meine Kollegen von «f1news» aus Russland mit Oleg S. Sirotkin Kontakt aufgenommen, dem Geschäftsleiter des «National Institute of Aviation Technology» (NIAT) und Papa des rennfahrenden Rohdiamanten Sergey Sirotkin.

Herr Sirotkin, wie kam dieses russisch-schweizerische Projekt zustande?

Es basiert auf den Besuchen von Peter Sauber und Monisha Kaltenborn in Moskau. Als Gast des Olympischen Komitees von Russland trafen sie sich mit zahlreichen Regierungs-Repräsentanten. Aus diesen Gesprächen erwuchs dann eine ernsthafte Zusammenarbeit, die viele Bereiche umfasst – auch welche, die weit über die Formel 1 hinausgehen.

Was meinen Sie damit?

Ich spreche von einer Zusammenarbeit auf technischer und wissenschaftlicher Ebene, ich spreche von Ausbildung und Ausbau, ich spreche auch von enger Kooperation mit dem russischen Motorsport-Verband. Das eröffnet ein weites, hochinteressantes Feld von Möglichkeiten. Die Vertreter des Rennstalls haben ihre Anregungen deponiert, wir haben sie im Detail untersucht und uns dann mit den Vertretern der beiden Fonds beraten (Sirotkin spricht vom russischen «Investment Cooperation International Fonds» sowie dem staatliche Fonds zur Entwicklung der Nord-Westlichen Russischen Föderation, M.B.). Wir sind dann gemeinsam nach Hinwil gereist, um das technische Niveau des Teams zu prüfen.

Wie lautet Ihr Urteil?

Wir sind sehr beeindruckt. Wir sprechen hier von einer hervorragenden Infrastruktur, von hochspezialisierten Mitarbeitern. Wir haben dann eine Vereinbarung unterzeichnet, welche eine langfristige Partnerschaft der drei Organisationen mit Sauber umfasst.

Wie sollen die Früchte dieser Partnerschaft konkret aussehen?

Die Formel 1 bietet ein breites Feld an vielen interessanten Bereichen, wo wir uns einbringen können. Ich kann mir auch Wissenschafts- und Technik-Zentren in beiden Ländern vorstellen, mit Problemlösungen jenseits der Formel 1. Wir haben viele Möglichkeiten im Kopf. Wir glauben auch, dass wir Sauber bei der Entwicklung des Fahrzeugs helfen können.

Wieviel Zeit ist von der ersten Kontaktnahme bis zur Unterzeichnung verstrichen?

Es hat ein wenig gedauert, weil beide Seiten sich zunächst in Ruhe kennenlernen wollten und weil wir die gegenseitigen Vorschläge der Zusammenarbeit gründlich anschauen wollten. Ich würde sagen – ungefähr einen Monat.

In jüngerer Verganenheit hatten sich die Meldungen zugespitzt, dass es finanziell eng wird für das Sauber-Team, wenn der Rennstall nicht bald frische Investoren finden würde. Wie sehen Sie Ihr Engagement vor diesem Hintergrund?

Wir sehen das als gemeinsames Investitions-Projekt. Mit klassischem Sponsoring hat das überhaupt nichts zu tun. Bei Sponsoring wird ein Geldbetrag zur Verfügung gestellt, und dann wird auf einem Rennwagen für irgend ein Produkt Werbung gemacht. Wir sind mehr an der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit interessiert. Wir glauben: Von unseren Investitionen in die Entwicklung werden beide Seiten profitieren, die drei russischen Partner und auch das Sauber-Team. Das ist eine neue Form von Investition, die für unser Land sehr wichtig ist.

Es ist davon die Rede, dass Ihr Engagement an die Verpflichtung Ihres Sohnes Sergey gebunden sei.

Wir sprechen erst dann über Renneinsätze, wenn sich bei Tests zeigt, dass Sergey konkurrenzfähig ist. Sollten wir merken, dass er mehr Vorbereitungszeit braucht, dann wird er die auch erhalten.

Ist Ihr Sohn nur der erste einer Reihe von russischen Piloten, deren Einsatz bei Sauber geplant ist?

Beim erwähnten Zentrum geht es nicht nur um technische Lösungen für einen Rennwagen. Es geht tatsächlich auch um ein Förderprogramm für russische Rennfahrer. Einen Teil ihrer Ausbildung soll Sauber übernehmen. Der Aufbau der Motorsport-Szene in Russland ist ein elementarer Teil unsere Kooperation – wir müssen die Ausbildungsmöglichkeiten der Piloten verbessern, die Renn-Infrastruktur im ganzen Land. Aber es geht nicht nur um aufstrebende Rennfahrer. Es geht auch darum, das Interesse der jungen Menschen am Studium bei technischen Hochschulen anzufachen. Nur mit Wirtschaftsexperten und Juristen lässt sich ein Land auf die Dauer nicht führen. Wir brauchen auch Techniker, die Autos, Flugzeuge und Rennwagen bauen. Da können wir uns im Form der Zusammenarbeit mit Sauber einbringen.

Welche auf die Wirtschaft bezogenen Eckdaten der Zusammenarbeit mit Sauber können Sie nennen?

Noch keine. Wir werden das zu einem späteren Zeitpunkt verkünden. Aber die Eckdaten sind ausgewogen, was die Entwicklung des Projekts und die rennsportliche Seite angeht.

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