Igor Salaquarda: «Zu früh für Sergey Sirotkin»

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
ISR-Teambesitzer Igor Salaquarda hält nichts von den Formel-1-Aufstiegsplänen seines 17-jährigen Schützlings Sergey Sirotkin.

Kopfschüttelnd blickt Igor Salaquarda im Fahrerlager der Renault World Series auf die stattliche Menschentraube, die sich um seinen Schützling Sergey Sirotkin gebildet hat. Der Teambesitzer und Teamchef der tschechischen Truppe ISR Racing weiss: «Dieser ganze Medienrummel ist nicht gut für ihn. Das ist viel zu viel Druck. Er ist doch erst 17 Jahre alt.»

Salaquarda ist überzeugt: «Er ist definitiv noch zu jung. Damit meine ich nicht, dass er es körperlich nicht schaffen wird. Jeder kann heutzutage einen Formel-1-Renner fahren. Es ist sehr viel schwieriger, einen 3.5-Liter-Formel Renault zu steuern.» Viel schwieriger sei es, mit dem enormen Druck der Königsklasse klarzukommen: «Gute Fahrer integrieren sich sehr schnell ins Formel-1-System, wie etwa Sebastian Vettel. Der hatte ja auch genug Zeit, um sich an die Königsklasse und ihr spezielles Umfeld zu gewöhnen, er stand damals nicht im Fokus der Medien. Zuerst muss ein Fahrer doch lernen, mit dem besonderen Druck, der in der Formel 1 nun einmal auf einem Fahrer lastet, umzugehen. Das braucht Zeit. Du kannst keinen 17-Jährigen nehmen und ihm sagen, dass er nächstes Jahr in der Formel 1 fährt.»

Sirotkin wie Ricciardo?

Salaquarda weiss, wovon er spricht: Schon 2011 stand sein Nachwuchs-Rennstall im Fokus der Öffentlichkeit, weil Red-Bull-Junior Daniel Ricciardo im Juni sein Formel-1-Debüt gab. Salaquarda erinnert sich: « Wir hatten vor zwei Jahren Daniel Ricciardo. Daniel trat damals für uns in der 3.5-Liter-Klasse der Renault World Series an und gab gleichzeitig im HRT sein Formel-1-Debüt. Wir können also aus Erfahrung sprechen.»

Im Gegensatz zum 24-jährigen Australier konnte der junge Russe bisher allerdings ungleich weniger Erfahrung sammeln. Und genau darin sieht Salaquarda ein Problem: « Daniel hat die Britische Formel 3 absolviert und war dann zwei Jahre lang in den Renault World Series unterwegs. Sergey ist zuvor nur in der Formel Abarth gefahren – eine Serie, die ich nicht kenne. Danach trat er in der AutoGP-Serie und der italienischen Formel 3 an, und in beiden dieser Serien hatte er wenig ernstzunehmende Konkurrenz. So gesehen ist er jetzt schon sehr schnell. Aber wenn jemand von ihm erwartet, hier jetzt schon Rennen zu gewinnen, ist es einfach zu viel verlangt. Schon im 2.0-Liter-Eurocup herrscht heute eine grosse Konkurrenz. Das ist ein Wettbewerb auf hohem Niveau. Genau wie die Formel-3-EM. Sergey hat beide Stufen übersprungen, deshalb sollte er hier in der 3.5-Liter-Klasse mehr Zeit bekommen, um Erfahrungskilometer zu sammeln.»

Salaquarda sieht noch einen weiteren wichtigen Unterschied zwischen Ricciardo und Sirotkin: «Daniel war immer alleine am Rennplatz, er hat die ganze Zeit mit dem Team verbracht. Sergey wird von einem ganzen Tross begleitet, manchmal ist es sogar für uns schwierig, ihn zu erwischen. Es ist nie gut, wenn die Eltern dabei sind und zu viel reinreden. Die Jungs sollen sich auf die Zusammenarbeit mit dem Team konzentrieren.»

Auch in diesem Punkt spricht Salaquarda aus Erfahrung: Sein Sohn Filip fuhr 2010 für den Rennstall seines Vaters. «Das liess sich nicht vermeiden, denn für ein Cockpit bei einem anderen Team fehlte uns das Geld. Wenn ich es hätte vermeiden können, hätte ich das auch getan», versichert der Teambesitzer.

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