Erste Bilder: So sieht der neue Sauber C33 aus

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1

Schon vor der angekündigten Enthüllung kursieren die ersten Bilder des neuen Formel-1-Renners aus Hinwil im Netz. So sieht der Sauber C33 aus.

Die Sauber-Fans dürfen aufatmen. Auch der Schweizer Rennstall verzichtet auf die gewöhnungsbedürftige Gabelstapler-Nase, die Lotus in dieser Woche präsentiert hat. Der Sauber C33-Ferrari verfügt über eine weit nach unten gezogene, rüsselartige Nase. Die Pylonen der Frontflügelbefestigung sind, unter Berücksichtigung des Reglements, so weit aussen wie möglich angebracht, um möglichst viel Luft unter das Auto zu leiten.

Vor einer neuen Aufgabe standen die Aerodynamiker bei der Konzipierung des Frontflügels, der im Vergleich zur früheren Version auf jeder Seite 7,5 cm schmaler ist, was stark veränderte Bedingungen beim Luftfluss ergibt. Der gesamte Frontflügel mit seinen komplexen Endscheiben wurde deshalb von Grund auf neu entwickelt.

Vom Konzept her ähnlich geblieben ist die Vorderradaufhängung, deren Federn und Dämpfer weiterhin über eine Druckstrebe aktiviert werden. Allerdings führten die Reglementänderungen im Bereich des Chassis-Querschnitts dennoch zu einigen Anpassungen im Detail.

Die Form der Seitenkästen wird massgeblich durch die standardisierten seitlichen Crash-Elemente beeinflusst. Etwas grösser als beim Vorgänger sind die Kühllufteinlässe, weil der Kühlbedarf der komplexen Antriebseinheit deutlich zugenommen hat. Aus dem gleichen Grund sind ebenso die Kühler, die seitlich stehend angeordnet sind, signifikant grösser geworden. Auch hier wurde eine gewisse Flexibilität eingebaut, um reagieren zu können, sollten sich die Anforderungen in die eine oder andere Richtung verschieben.

Komplexe Antriebseinheit

Motor, Energierückgewinnungssystem und Getriebe stammen von Ferrari. Beim Triebwerk handelt es sich um einen 1,6-Liter-Turbo-V6, der nicht höher als 15.000/min drehen darf. Für das Rennen stehen maximal 100 kg Treibstoff zur Verfügung. Diese Einschränkung ist neu. Bisher wurden während eines Rennens bis zu 140 kg verbraucht. Das zeigt, welche drastischen Verbesserungen beim Benzinverbrauch erzielt wurden.

Deutlich leistungsfähiger im Vergleich zum Vorjahr wurde das Energierückgewinnungssystem (früher KERS, jetzt ERS), das nun über zwei Motoren/Generatoren verfügt. Einer ist an den V6-Motor gekoppelt, der andere an den Turbolader. Während über die Batterien bisher maximal 60 kW während 6,6 sec abgerufen werden konnten, so sind das neu 120 kW während maximal 33 Sekunden. Das ist zehnmal mehr Energie als bisher. Diese kann sogar noch weiter gesteigert werden, wenn der Elektromotor des V6-Motors direkt durch jenen des Turboladers gespeist wird.
Die gesamte Antriebseinheit darf nicht weniger als 145 kg wiegen. Das völlig neue, aus Karbon gefertigte Getriebe verfügt gemäss Reglement über acht Vorwärtsgänge, deren Übersetzungen während der Saison nicht geändert werden dürfen.

Hohe Flexibilität

Flexibel konzipiert wurde das Heck des Sauber C33-Ferrari, so dass man das Auto auch in diesem Bereich unterschiedlichen Bedingungen anpassen kann. Das Auspuffendrohr ist zentral angeordnet und verläuft zwischen zwei Pylonen, über die sich der Heckflügel am hinteren Crashelement abstützt. Die Öffnung zwischen dem Flap und dem Hauptflügel darf neu maximal 65 Millimeter betragen (bisher 50 mm), was den DRS-Effekt des Heckflügels steigert.

Vom Konzept her unverändert präsentiert sich die Hinterradaufhängung, die wie bisher mit einer Zugstrebe arbeitet.
Eine grosse Herausforderung stellt für die Ingenieure das Gewicht des Fahrzeugs dar, denn die Anhebung des erlaubten Mindestgewichts um 48 kg kompensiert nur zum Teil den Zuwachs, der durch alle Nebenaggregate, wie zum Beispiel Turbolader, Ladeluftkühler, zwei Elektromotoren/Generatoren entsteht. Dabei spielt nicht nur das absolute Gewicht, sondern auch die Gewichtsverteilung eine wichtige Rolle. Vor allem zur optimalen Nutzung der Reifen ist es entscheidend, dass man das vom Reglement gegebene Fenster maximal nutzen kann.

Zuverlässigkeit entscheidend

Einiges Kopfzerbrechen bereitete den Ingenieuren das so genannte «Packaging», das Unterbringen aller Komponenten. Gegenüber dem C32 hat sich aufgrund der Komplexität des Antriebs allein die Zahl der Elektronikboxen verdreifacht, so dass es nun gilt, über 40 solcher Komponenten unterzubringen; mehr als 30 davon benötigen Kühlung. Klar ist, dass das Management des Wärmehaushalts in diesem Jahr von grosser Bedeutung sein wird.

Konzeptionell völlig neu ist die Bremsanlage, die an den Hinterrädern erstmals als «brake-by-wire» ausgelegt ist. Nötig wurde dies wegen der stark gestiegenen Leistungsfähigkeit des ERS. «Brake-by-wire» bedeutet, dass ein elektronisches System misst, wie stark der Fahrer aufs Bremspedal drückt und dann mit den zusätzlichen Informationen der Energierückgewinnung in Bruchteilen einer Sekunde den Bremsdruck an den Rädern festlegt.

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