Pirelli: Keine Lust auf die Rolle des Buhmanns 2014

Von Mathias Brunner
Formel 1
Im Sommer 2013 machte die Reifenplatzer-Orgie von Silverstone weltweit Schlagzeilen, Formel-1-Alleinausrüster Pirelli musste viel Prügel einstecken. Droht nun neuer Ärger?

Gut acht Monate ist es her, da war Pirelli in aller Munde – allerdings aus den falschen Gründen. Nach mehreren spektakulären Reifenschäden im Rahmen des Silverstone-GP mussten die Mailänder auf alte Konstruktionen umstellen. Für die angeblich unsicheren Reifen wurde der italienische Reifenhersteller in der ganzen Welt gescholten. Natürlich ist mit Highspeed-Reifenschäden nicht zu spassen, und die Formel 1 hatte viel Glück, dass niemand zu schaden kam.

Aber wer seitens der Teams kritisierte, der wischte gerne unter den Tisch: Pirelli wollte schon früher andere Konstruktionen testen und einführen, die Rennställe konnten sich nicht über den Einsatz einigen, das Reglement verbot Tests. Alles hausgemachte Probleme, Pirelli hatte dieses Reglement nicht verfasst.

Kritik hagelte es auch wegen des massiven Reifenverschleisses. Doch ein überdurchschnittlicher Abbau war auf Wunsch der FIA und von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone gewissermassen in den Reifen eingebaut worden – um die Rennen abwechslungsreicher zu machen, wie es die Mächtigen im Sport wünschten. Pirelli hätte problemlos Reifen bauen können, die hundert Runden lang halten. Das Traditionsunternehmen hat damals nicht alles richtig gemacht, aber ganz sicher nicht so viel falsch, wie es einige darstellen wollten.

Fragezeichen Turbo-Ära – und wieder patzen die Teams

Vor dem Hintergrund der der neuen Turbo-Ära und den grossen Schwierigkeiten einiger Rennställe wird derzeit wenig von den Reifen gesprochen. Das könnte sich bald ändern, und erneut tragen die Teams dabei eine Mitschuld. Pirelli-Rennleiter Paul Hembery hat schon im vergangenen Herbst wiederholt betont, man erhalte von den Rennställen viel zu wenig Informationen über die kommenden Boliden, um die richtigen Reifen für die Turbo-Ära bauen zu können.

Pirelli hat völlig richtig reagiert und bewegt sich mit den 2014er Reifen auf eher konservativem Gebiet. Mit der absehbaren Reaktion, dass einige schon wieder nörgeln, die Reifen seien zu hart.

Doch bei Pirelli arbeiten keine Naivlinge. Rennleiter Paul Hembery führt aus: «Wir mussten auch bedenken, dass die Rennställe über ihre neuen Autos in sehr kurzer Zeit sehr viel lernen werden. Wir stehen ja erst am Anfang der Entwicklung dieser Modellgeneration. Also haben wir versucht, ein rasantes Entwicklungstempo mit einzubeziehen, was den Bau unserer Reifen angeht.»

Würden die Renner nicht 50 Kilogramm mehr wiegen als die Autos 2013, so wäre man schon fast auf dem Zeitniveau des vergangenen Jahres angelangt. Eine normale Entwicklung von den Wintertests zum WM-Finale geht davon aus, dass die Autos über eine komplette Formel-1-Saison im Schnitt zwei Sekunden pro Runde schneller werden. Dies dürfte 2014 übertroffen werden.

Pirelli gut sehr gut daran, auf der sicheren Seite zu bleiben.

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