Dieter Quester 75: Der BMW ist noch ein Jahr älter

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1

Am heutigen Freitag feiert Rennsportlegende Dieter Quester seinen 75. Geburtstag – ganz stilgerecht im Cockpit eines BMW 328 beim Gaisbergrennen, wie er im Interview mit SPEEDWEEK.com erzählt.

Wer ihn trifft und nicht gut genug kennt, wird es nicht für möglich halten: Dieser sportliche Herr in den besten Jahren soll 75 sein? Ja, Freitag (30. 5.) ist es soweit: Die Wiener Renn-Ikone wird ein Dreivierteljahrhundert alt. Und die Frage, wie er feiern wird, stellt sich nicht, «denn da gibt’s nix zu feiern!», wie er selbst sofort anmerkt. Aber immerhin beweist er, dass er noch immer nicht «vom Rennsport losgekommen» ist, denn sein Geburtstagswochenende verbringt Dieter Quester mit seiner Familie in Salzburg – als einer der Stars beim historischen Gaisbergrennen. Sein Gefährt, ein BMW 328, ist übrigens Baujahr 1938. Nur Beifahrer Heiko Görres ist ein «Youngster».

Dieter Quester war schon 1962 Motorboot-Europameister, wurde zwischen 1968 und 1983 vier Mal Tourenwagen-Europameister, war jahrelang BMW-Werkfahrer in der Formel 2 und im Tourenwagen und kam 1974 zu seinem einzigen Formel-1-Start auf dem Österreichring. Am 22. Juni wird er übrigens den Surtees von damals in den «Legendenrunden» vor dem Grand Prix auf dem Red Bull Ring steuern. Quester war jahrzehntelang vor allem in Langstreckenklassikern ein «Stalwart», ob Daytona, Sebring, Le Mans, Spa, Nürburgring oder auch zuletzt Dubai.

Du wirst Freitag 75. Wird in Salzburg groß gefeiert?

Dieter Quester: Überhaupt nicht. Es gibt da nichts zu feiern, wenn man älter wird. Vielleicht in der Jugend, wenn man 18 oder 21 ist. Aber ich halte es da wie Dietrich Mateschitz. Wir sind beide auf der Suche nach dem Zeitrad, das man zurückdrehen kann. Er sagte mir: Lass es mich wissen, wenn du es gefunden hast.

Aber immerhin verbringst Du den «Runden» standesgemäß beim Gaisbergrennen. Ist Deine Familie auch dabei?

Und ob, mit drei Generationen. Mein Sohn Alexander (aus erster Ehe, Anm.) fährt mit meinem Enkel Matthäus einen AC Bristol aus 1960, meine Gattin Catrin mit unserem Sohn Tim einen Ferrari Dino von 1969 und ich lenke mit Freund Heiko Görres einen BMW 328.

Weißt Du eigentlich, wie viele Rennen Du in Deiner jahrzehntelangen Karriere bestritten hast?

Wir haben vor zwei Jahren versucht, zusammenzurechnen. Wir sind auf 1200 gekommen. Aber ohne die Motorboot- und Motorradzeit.

Welche Rennen siehst Du selbst rückblickend als Deine besten Leistungen?

Da fallen mir spontan ein: Der Formel-2-Sieg gegen Regazzoni & Co. 1970 in Hockenheim, Der Sieg im Marken-WM-Lauf auf dem Österreichring 1977 mit Gunnar Nilsson und in Watkins Glen mit Hans-Joachim Stuck – jeweils im Schnitzer-BMW – und der dritte Platz in Sebring 1985 mit Pete Halsmer im Porsche 962 – der war besonders einprägend, weil Pete der Sprit ausging und er das Auto 200 Meter in die Box schob. Und dann in späteren Jahren noch einige Erfolge in 24-Stunden-Rennen.

Wie konntest Du Motorsport und Familienunternehmen unter einen zeitlichen Hut bringen?

Ich teilte die Geschäftsleitung mit meinem Bruder Peter, aber ich gebe zu, 60 bis 70 Prozent der Zeit wendete ich für den Rennsport auf. Vor acht Jahren haben wir die Firma an eine irische Gruppe verkauft, bis dahin war ich auch im Betrieb aktiv.

Meines Wissens hast Du nie Deinen motorsportlichen Rücktritt erklärt. Warum?

Ganz einfach, weil er dann unwiderruflich gewesen wäre. Und das hat auch einen psychologischen Effekt, ich will mich nicht festlegen und will mir ein paar »Seitensprünge» offen lassen. Ich werde noch einige Langstreckenrennen, auch mit historischen Automobilen, bestreiten, im November gibt es erstmals die 24 Stunden von Daytona für Historische – aber bis Baujahr 2006. Da rücken wir im BMW Z4 aus.

Deine Fitness erstaunt viele Menschen. Wie funktioniert sie bei Dir?

Dadurch, dass ich versuche, mich ständig zu beschäftigen, körperlich und geistig. Ich kann nicht herumsitzen und nichts tun. Ich versuche, täglich eineinhalb Stunden zu schwimmen oder auf dem Rad oder Mountainbike unterwegs zu sein. Und, na ja, meine Gattin (44) und mein jüngster Sohn (15) halten mich auch jung.

Du hast in Deiner Karriere auch zahlreiche Tragödien erlebt. Wie geht man mit dem Tod von Kollegen um?

Jeder Tote machte mich betroffen, auch wenn es woanders passierte, wie bei Jochen (Rindt). Aber du versuchst diese traurigen Ereignisse in egoistischer Weise wegzustecken. Wenn du das Gefühl bekommst, es könnte auch dich erwischen, musst du sofort aufhören. Was mich aber mehr als alle Unfälle betroffen machte, war der Tod von Gunnar Nilsson 1978 wegen eines Gehirntumors. So etwas kannst du nicht ausblenden, das kann auch dich treffen. Das war nicht einfach für mich.

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