Lotus vor Ungarn: Verzweiflungstat als Saisonrettung?

Von Mathias Brunner
Die beiden Lotus in Hockenheim

Die beiden Lotus in Hockenheim

In Hockenheim war allen Teams der Einsatz der vernetzten Radaufhängung zu heiss. Das bedeutet aber nicht, dass die umstrittene Aufhängungshydraulik als Thema beendet ist.

Dem früheren Formel-1-Fahrer Martin Brundle fiel am Hockenheim-GP-Wochenende auf: «Kein Auto lag so miserabel auf der Rennstrecke wie der Lotus. Für mich steht fest – dieses Team ist vom freiwilligen Verzicht auf das Aufhängungs-Ausgleichssystem FRIC am meisten betroffen.»

Zur Erinnerung: FRIC (front and rear interconnected), eine von Lotus (damals als Renault-Werksrennstall) entwickelte und 2014 von Mercedes zur Perfektion gebrachte Aufhängungshydraulik, sorgt dafür, dass Bewegungen des Fahrzeugs (Beschleunigen, Bremsen, Kurvenfahrt, Buckel) verringert werden. Auf diese Weise kann sich die Aerodynamik besser entfalten. Im Rahmen des britischen Grand Prix war den Teams vom Formel-1-Sicherheitsdelegierten und Regelansprechpartner Charlie Whiting erklärt worden, dass der Autoverband FRIC inzwischen als so hochgestochen erachte, dass es als unerlaubtes aerodynamisches Hilfsmittel eingestuft werden müsse. Ein Einsatz in Hockenheim werde daher den Rennkommissaren gemeldet. Daraufhin verzichteten alle Rennställe beim vergangenen WM-Lauf auf den Einsatz des cleveren Systems.

Aber was passiert, wenn sich ein Rennstall wie Lotus in Ungarn dafür entscheidet, wieder mit FRIC zu fahren?

Für einen Vorstoss von Lotus spricht: die Briten haben wenig zu verlieren, die Saison ist mit acht Punkten sowieso verpatzt (Lotus war 2013 und 2012 WM-Vierter). Aber vielleicht gäbe es mit einem konkurrenzfähigeren Auto noch eine Chance, Toro Rosso (in der WM gegenwärtig einen Rang vor Lotus) im Kampf um Markenpokal-Rang 7 abzufangen.

Gegen den Einsatz spricht: Mit hoher Wahrscheinlichkeit würden die vier Rennkommissare die Expertise von Charlie Whiting in einen Ausschluss umsetzen. Ein Rekurs dagegen von Lotus hätte wenig Aussicht auf Erfolg – in der Regel folgt das Appellationsgericht in Paris den Einschätzungen der FIA-Kommissare an den Grand-Prix-Austragungsorten.

Zudem: Pastor Maldonado hat in Hockenheim mit Rang 12 sein bestes Saisonergebnis egalisiert (gleicher Rang wie in Österreich).
Seitens Lotus ist zu hören, dass derzeit kein Einsatz von FRIC geplant sei.

Einhellige Meinung am Sonntagabend im Hockenheim-Fahrerlager: FRIC ist ein typisches Formel-1-Thema – viel Lärm um wenig, viel Geld verbraten für eine Entwicklung, die letzlich verbannt wird, und unterm Strich hat sich durch FRIC kaum etwas geändert.

Martin Brundle: «Der Rennverlauf mit Nico Rosberg an der Spitze und Lewis Hamiltons Aufholjagd hat bewiesen, dass Mercedes noch immer das stärkste Auto hat, mit FRIC oder ohne. Und niemand kann mir weismachen, dass sich das Kräfteverhältnis dahinter ohne FRIC verschoben hat.»

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