Mexiko: Steilkurve adios, kein Fanrekord, Finale 2015

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Pistenführung in Mexiko

Die Pistenführung in Mexiko

Force-India-Fahrer Sergio Pérez schwärmte in Ungarn: «Ich bin gespannt, wie meine Kollegen es finden werden, durch die überhöhte Peraltada-Kurve zu fahren.» Antwort: Sie werden es nie erfahren.

Sergio Pérez und Esteban Gutiérrez verliessen Ungarn zwar ohne neue WM-Punkte, aber unterm Strich war es für sie trotzdem ein gutes Wochenende: Es ist bestätigt, dass ihr Heimatland Mexiko 2015 wieder einen Grand Prix austragen wird.

Force-India-Fahrer Pérez am Hungaroring: «Ich bin gespannt, wie meine Kollegen es finden werden, durch die überhöhte Peraltada-Kurve zu fahren.» Da hat er gute Sergio leider die Hausaufgaben nicht gemacht. Denn die aufregende 180-Grad-Steilkurve wird es in dieser Form gar nicht mehr geben.

Das ist nur eines von drei Märchen um die Rückkehr des Traditions-GP, die anderen betreffen einen angeblichen Besucherrekord sowie den Termin des Rennens, aber der Reihe nach.

Wieso die Peraltada verschwindet

José Abed, Vizepräsident der FIA und regelmässig einer der vier GP-Rennkommissare, verrät: «Die Peraltada in ihrer früheren Form wird nicht mehr gefahren. Der Kurs wird statt dessen durch das Event-Gelände «Foro Sol» geführt, wo normalerweise Baseball gespielt wird oder Konzerte veranstaltet werden. Wir haben zwei Gründe, um die frühere Pistenführung zu ändern. Erstens – würden wir die alte Peraltada als schnelle Kurve behalten, müssten wir dahinter Sturzraum schaffen, und den haben wir nicht. Zweitens – wieso sollten wir 40.000 fertige Tribünenplätze brachliegen lassen?»

Auch die schnelle Linkskurve 4 wird entschärft, dort soll eine langsame Ecke hin, die ein scharfes Bremsmanöver erfordert und damit eine Überholmöglichkeit bieten wird.

Begrenzter Platz, auch für Fans

Tavo Hellmund (auf dessen Konto die Idee eines Austin-GP geht und der nun in Mexiko arbeitet) weiss, wie rennverrückt die Mexikaner sind: Zu einer Demofahrt des damaligen Sauber-Fahrers Sergio Pérez 2011 tauchten in Guadalajara 150.000 Fans auf. Tavo: «Wenn ich das aufs Rennen umlege, dann könnten wir leicht einen neuen Besucherrekord aufstellen.»

Das wird jedoch nicht passieren: die Besucherkapazität wird zwischen 75.000 und 80.000 Fans betragen, zu eine Verdoppelung fehlt der Platz für Zusatztribünen.

Derzeit wird geprüft, wie viele zusätzliche Zuschauer auf dem Gelände untergebracht werden können, ohne die Sicherheit der Besucher zu gefährden und ohne einen Verkehrskollaps zu programmieren.

WM-Finale: Brasilien? Mexiko? Abu Dhabi?

José Abed glaubt, Mexiko habe gute Chancen aufs WM-Finale 2015. Die Entscheidung dafür liegt bei Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone. Normalerweise erhält Brasilien diese Ehre, vor allem wegen der für Europa günstigen Zeitverschiebung (WM-Finale zur Hauptabendzeit). 2014 findet das Finale jedoch in Abu Dhabi statt.

Wer nun glaubt, die Araber hätten einfach bei der Antrittsgebühr etwas draufgelegt, der irrt.

Bernie Ecclestone: «Wir haben das Rennen aus religiösen Gründen auf den letzten Platz geschoben, weil sonst die ganze Stadt geschlossen gewesen wäre. Die Feiertage wechseln dort ständig.»

Tatsächlich gibt es grundsätzlich zwei Arten von Feiertagen in Abu Dhabi – feste Feiertage (wie etwa den Nationalfeiertag vom 2. Dezember oder den Neujahrstag) und islamische Feiertage, die im Zusammenhang mit der Beobachtung des Mondes stehen und sich jedes Jahr verschieben. 

Ministerien, Behörden und Regierungseinrichtungen sind an Feiertagen geschlossen.

Zum normalen Abu-Dhabi-Termin von anfangs November wird 2014 das Aschura-Fest gefeiert. Am Aschura-Fest (zehnter Tag des Trauermonats Muharram) wird Imam Husain Ali gedacht. Der Enkel des Propheten Mohammed unterlag im Machtkampf um die Führerschaft der Muslime dem Kalifen Yazid I und starb 680 als Märtyrer in der Schlacht von Kerbala. Dieses Ereignis besiegelte die Trennung von Sunniten und Schiiten. Symbolisch steht es für den Kampf zwischen Gut und Böse.

Bei den Schiiten, für die das Märtyrertum eine zentrale Rolle spielt, wird am Aschura-Fest zum Abschluss der zehntägigen Buss- und Trauerrituale das Martyrium von Husain kultisch nachgestellt. Dabei geisseln sich die Gläubigen selbst, was oft zu Verletzungen führt. Die Aleviten feiern nach einem zwölftägigen Fasten das Aschura-Fest als Dankfest. Es gibt keine Selbstgeisselungen und nicht Husain, sondern sein Sohn Zein Al Abidin, der die Schlacht von Kerbala überlebte, steht im Mittelpunkt. Bei den Sunniten wiederum ist Aschura ein freiwilliger Fastentag.

Durchaus denkbar also, dass im WM-Kalender 2015 Abu Dhabi auf seinen Stammplatz von anfangs November zurückgeschoben wird – dann nämlich findet Aschura schon am 23. Oktober statt.

Ein WM-Finale in Mexiko hätte vier Vorteile: Ähnliche Zeitverschiebung wie Brasilien (also erneut beste Sendezeit für Europa), mehr Vorbereitungszeit für die Mexikaner (das ist auch dringend notwendig – siehe HIER), maximale weltweite Aufmerksamkeit für den Rückkehrer-GP, möglicherweise kein direkt auf Austin folgender Termin (worüber die Texaner nicht erfreut wären, weil jeweils 30.000 Mexikaner zu ihrem Rennen reisen).
Verstimmt wären lediglich die Brasilianer.

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