Champion Lewis Hamilton: Strafe wegen Flagge zeigen?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Lewis Hamilton in Abu Dhabi mit Union Jack

Lewis Hamilton in Abu Dhabi mit Union Jack

SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Ist es nicht verboten, während der Auslaufrunde Gegenstände an Bord seines Formel-1-Renners zu nehmen? Muss Lewis Hamilton noch mit einer Strafe rechnen?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Marina Walder aus Solothurn wissen: «Lewis Hamilton hat doch während der Auslaufrunde in Abu Dhabi einen Union Jack an Bord genommen. Ich fand diese Geste schön, aber mir ging durch den Kopf – gab es nicht einmal eine Regel, wonach es auf der Fahrt Richtung Parc fermé verboten ist, Gegenstände an Bord zu nehmen? Muss Hamilton gar nachträglich mit einer Strafe rechnen?»

Um es vorwegzunehmen – nein. Die Regel besteht noch immer, aber da unmittelbar nach dem Abu-Dhabi-GP niemand an der Szene Anstoss nahm, weder die Konkurrenz noch die Rennkommissare, war das unter den Regelhütern kein Thema, und so wurden bei der schönen Jubelszene einfach beide Augen zugemacht. Das beweist guten Menschenverstand. Die wenigsten Fans hätten es verstanden, wenn man das Finale von Abu Dhabi mit einer kleinlichen Untersuchung verdorben hätte.

Ein klitzekleines Nachspiel hatte die Szene aber dann doch noch. Ein gewisser Nigel Tozzi aus London schrieb der ehrwürdigen «Times» einen Leserbrief: «Lewis Hamilton sollte für seinen Triumph in der Formel-1-WM beglückwünscht werden. Als Steuerzahler jedoch hätte ich seinen Erfolg eher akzeptieren können, wenn er nicht Monaco als Wohnsitz wählen würde, um die britische Steuerpflicht zu umgehen. Warum wickelt er sich in einen Union Jack, wenn er nichts in Form von Steuern beiträgt zum Dienst an der Öffentlichkeit, samt unserer Streitkräfte und, fürwahr, der Königlichen Familie?»

Nigel Tozzi, Nigel Tozzi, hmm, da war doch was ...

Genau – blenden wir um knapp sechs Jahre zurück. Lewis Hamilton kämpft mit McLaren um den WM-Titel (den er am Ende gegen Felipe Massa im dramatischen Finale von Interlagos gewinnen sollte). Nach dem Belgien-GP erhielt Hamilton eine 25-Sekunden-Strafe wegen Abkürzens, was ihn von Rang 1 auf Platz 3 zurückwarf (hinter Felipe Massa und Nick Heidfeld). McLaren ging gegen dieses Urteil in Berufung, also traf man sich in Paris wieder, wo das FIA-Berufungsgericht befand, dass man eine solche Strafe nicht anfechten könne. Hamilton blieb Dritter.

Im Rahmen der Verhandlung kam Hamilton ins Kreuzverhör von – genau, da haben wir ihn wieder – Nigel Tozzi als Rechtsvertreter von Ferrari. Die Fragen von Tozzi gingen Lewis damals so auf den Keks, dass der GP-Pilot zu ihm sagte: «Sind Sie Rennfahrer? Nein. Ich bin es, seit ich acht Jahre alt bin, und ich kenne inzwischen so ziemlich jedes Fahrmanöver. Wir reden hier von überdurchschnittlich begabten Piloten, die unter hohem Druck innerhalb von Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen müssen. Und wenn Sie nicht in der Formel 1 fahren, dann können Sie das eben nicht verstehen.»

Offenbar hat Herr Tozzi die kleine Ansprache von Lewis Hamilton damals nicht vergessen.

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