GP Südafrika in Kapstadt 2018: Traum oder Realität?

Von Mathias Brunner und Kai Fenster
Formel 1
Seit Jahren spielt Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone mit dem Gedanken, die Formel 1 nach Südafrika zurückzubringen. Wir wollten wissen: Ist das Projekt Kapstadt realistisch?

Eine richtige Weltmeisterschaft ist die Formel 1 streng genommen nicht: denn auf dem afrikanischen Kontinent ist seit mehr als zwanzig Jahren kein Rennen zu finden. Im Rahmen der Formel-1-WM fanden stattliche 33 Grands Prix allein in Südafrika statt (dazu noch einer in Marokko), von 1960 bis 1966 wurde in East London gefahren, von 1967 bis 1985 in Kyalami bei Johannesburg, 1992 und 1993 gab es eine kurze Rückkehr nach Kyalami. Dann konnten sich die Organisatoren die Formel 1 nicht mehr leisten, und der GP-Zirkus zog weiter.

Seit Jahren spielt Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone mit dem Gedanken, die Königsklasse nach Südafrika zurückzubringen. Dabei ist auch immer wieder von einem GP-Projekt in einer der aufregendsten Städte der Welt die Rede – in Kapstadt. Wie realistisch ist das? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Seit wann gibt es Pläne für den Kapstadt-GP?

Hinter den jüngsten Bemühungen stehen Igshaan Amlay und Björn Buyst von der «Cape Town Grand Prix SA». Bereits 1999 hatte Igshaan – seinerzeit Mitarbeiter des «Robben Island Museum» – die Idee für einen Grand Prix in der Mitte von Kapstadt. Seit dieser Zeit befasste er sich mit den erforderlichen Regularien für einen Formel-1-Stadtkurs, er suchte die passende Lokalität und arbeitete Pläne mit einem kleinen Kreis von persönlichen Freunden aus.

Aus dem ursprünglichen Traum wurde, dank einer Menge investierter Zeit und Geld, ein präsentierbarer Plan. Es dauerte jedoch viele Jahre, bis es soweit war. 2006 stiess Björn Buyst zum kleinen Team und zusammen mit ihm wurde 2007 Kontakt zu Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone gesucht.

Das Konkurrenzprojekt

Zu jener Zeit lag eine weitere Idee für einen Formel-1-WM-Lauf in Kapstadt bei der Firma «Formula One Management» vor. Jenes Projekt sah eine neu zu bauende, permanente Rennstrecke in Flughafennähe vor. Dieser Plan ist gescheitert, aufgrund diverser Probleme bei der Finanzierung und dem kleinen Problem, dass der geplante Grund und Boden letztlich doch nicht erworben werden konnte.

Problem Fussball-WM

Auf eine direkte Neubewerbung für den Strassenkurs wurde dann aufgrund der Fussball-WM 2010 in Südafrika verzichtet. Man wollte nicht mit dem Grossanlass konkurrieren, Igshaan Amlay und Björn Buyst waren sich im Klaren darüber, dass König Fussball Investoren und Sponsoren binden würde. Da war für die Formel 1 kein Raum.

Was kostet ein Kapstadt-GP?

Rund 20 Mio Euro Antrittsgebühr für den Formel-1-Zirkus sind in Europa ein realistischer Preis. Igshaan Amlay und Björn Buyst von der «Cape Town Grand Prix SA» lassen anklingen, dass es vielleicht sogar günstiger ginge, da Ecclestone grosses Interesse an einer Rückkehr des Sports nach Südafrika habe.

Für die Errichtung der Infrastruktur wie permanentes Boxengebäude und temporäre Tribünen sowie Aufpolierung der bereits vorhandenen Strassen sind gut 40 Mio Euro vorgesehen.

Wer soll den Kapstadt-GP bezahlen?

Es ist angedacht, das Rennen zu 100 Prozent fremd zu finanzieren. Auf Steuergelder von Stadt, Provinz und Staat soll – idealerweise – komplett verzichtet werden. Entsprechende Fragen werden derzeit jedoch ausweichend beantwortet. Es ist daher unklar, wie weit Verhandlungen mit lokalen und nationalen Investoren gediehen sind.

Wo läge die Rennstrecke?

Die von Formel-1-Rennstreckenarchitekt Hermann Tilke ausgeführte Piste würde im Stadtteil Greenpoint liegen, mehrheitlich auf dem Gelände der Fussball-WM 2010. Für den Bau liegt derzeit kein Zeitplan vor, doch halten es Igshaan Amlay und Björn Buyst für machbar, die Piste innerhalb eines halben Jahres zu bauen.
Der hier gezeigte Streckenplan ist vorläufig, mehr ein Wunsch der Initiatoren als Realität.

Dennoch: die Pistenführung ist optisch sehr attraktiv. Auffällig ist die Fahrt durch das «Cape Town Stadium» (60.000 Sitzplätze) mit einer sehr engen Kurve, welche an die berühmte Loews von Monaco erinnert. Neu ist die Idee mit der Fahrt durch das Stadion nicht – beim kommenden Mexiko-GP im November führt die Rennstrecke durch ein Baseball-Stadion. In der Skizze blau eingezeichnet: der angedachte Ort für die Boxengasse.

Wie geht es weiter?

Eine endgültige Bewerbung bei der FOM soll erst dann eingereicht werden, wenn von der Stadt grünes Licht vorliegt. Ein entsprechender Antrag wird innerhalb der nächsten Wochen eingereicht, verschiedene vorbereitende Gespräche fanden bereits statt. Gemäss Igshaan Amlay und Björn Buyst ist das Interesse der Provinz Western Cape sowie der Stadt Kapstadt gross. Bürgermeisterin Patricia de Lille ist ein absoluter Befürworter des Ausbaus von Grossveranstaltungen und Tourismus.

Wann genau ein Südafrika-GP wieder im Formel-1-WM-Kalender auftauchen könnte, steht nicht fest. Überraschend ist, dass seitens der Veranstalter ein Rennen im südafrikanischen Winter nicht ausgeschlossen wird (das wäre Juni bis August). Ob das eine gute Werbung für die Weltstadt wäre, ist fraglich – dann kann es in Kapstadt ordentlich nass werden. Eine realistische Umsetzung der Pläne ist 2018.

Wie hoch sind die Hürden?

Neben der Finanzierung brauchen Amlay und Buyst von der «Cape Town Grand Prix SA» die Erlaubnis der Stadtverwaltung und grünes Licht von den Anwohnern. Seitens der Stadt ist grosser Wille zu spüren, dieses Rennen Tatsache werden zu lassen. Derzeit sind verschiedene Studien in Vorbereitung – Umweltverträglichkeit, Finanzierung, Auswirkungen auf den Tourismus.

Igshaan Amlay und Björn Buyst von der «Cape Town Grand Prix SA» streben nach der Billigung des Projekts von der Stadt einen erneuten Gang nach London an, um Bernie Ecclestone die ausgearbeitete Bewerbung zu unterbreiten. Die Zustimmung der Stadt ist Voraussetzung und zugleich grösser Türöffner für die Investoren.

Derzeit stehen Stadt und Provinz dem Projekt überaus wohlwollend gegenüber: Zum Einen ist in der aktuellen Legislaturperiode des Western Cape geplant, Tourismus und Events zu stärken und zu unterstützen. Zum Anderen wird händeringend nach einer Möglichkeit gesucht, die unfassbar teure und vom Steuerzahler getragene WM-Infrastruktur endlich für irgendetwas zu verwenden, das Geld einbringt.

Die Stimmung in der Bevölkerung ist motorsportfreundlich. Es gibt sehr viele Anfragen national und auch international bezüglich des geplanten Rennens, der Grundtenor ist positiv. Auch gibt es schon Anfragen von Einheimischen und Touristen, welche den genauen Kursverlauf wissen wollen, um die geplante Pistenführung zu besichtigen.

Fazit: Wird der Kapstadt-GP eines Tages stattfinden?

Die Grundidee von Igshaan Amlay und Björn Buyst von der «Cape Town Grand Prix SA» ist realistisch und umsetzbar. Die Pistenführung ist attraktiv, die Planung weit fortgeschritten, die Logistik wirkt durchdacht.

Das Projekt steht und fällt mit dem Ja der Stadt sowie mit der Finanzierung.

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