Toto Wolff: Wieso Hamilton am Start überrascht war

Von Mathias Brunner
Formel 1
Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Die Rennanalyse von Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff nach dem Doppelsieg der Silberpfeile im Grossen Preis von Österreich mit Nico Rosberg vor Lewis Hamilton.

Müssiggang ist aller Laster Anfang. Trotz des siebten Sieges im achten Saisonrennen, trotz des fünften Doppelsieges der Silberpfeile, trotz einer überlegenden WM-Führung bei den Marken und bei den Piloten sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: «Ich möchte bei uns den Druck im Kessel aufrecht erhalten. Ich weiss, dass dieser Satz langweilig ist, aber das ist nicht so einfach dahergeredet. Ich propagiere das nicht nur gegen aussen, sondern auch gegen innen. Ich warne immer wieder – wenn ein Team wie Ferrari so entwickelt wie von 2014 auf 2015, wenn wir gleichzeitig nicht volle Kraft weiterarbeiten, dann wird der Tag kommen, an dem wir nicht mehr gewinnen. Das passiert nicht von heute auf morgen. Das ist ein schleichender Prozess.»

«Wir sehen immer wieder so kleine Leistungsspitzen von Ferrari, die mir Grund zur Sorge geben, dass sie sich stark weiterentwickeln. Die Zeiten in den Dauerläufen am Freitag waren kein Zufall. Ich sehe da Parallelen zu uns 2013, also wir auch das eine oder andere Highlight setzen konnten, aber einfach noch nicht so gut aufgestellt waren, dass alle Zahnräder wie gewünscht ineinander griffen.»

War Wolff überrascht, dass Ferrari im Österreich-GP nicht stärker war? «Ja, sehr. Vor allem, weil ich von den Dauerläufen am Freitag so beeindruckt gewesen war. Am Samstagmorgen übrigens auch. Heute lief es für Ferrari unglücklich. Kimi hatte diesen Riesenunfall, Sebastian hatte ein Problem beim Boxenstopp. Mein Fazit daher – wie in Kanada haben wir nicht gesehen, was Ferrari wirklich kann.»

Gemäss Wolff ist Mercedes «in den ersten zehn oder fünfzehn Runden volle Pulle gefahren. Dann haben wir etwas Tempo rausgenommen.»

Lewis Hamilton hat von Unregelmässigkeiten bei der Drehzahl am Start gesprochen, aber so ganz wurde eigentlich nicht klar, wieso sein Start vielleicht eben nicht so gut war wie jener von Nico Rosberg. Toto Wolff erhellt: «Das Feineinstellen von Drehzahl und Kupplung hat dazu geführt, dass sich die Gaspedalstellung bei Lewis ganz leicht verändert hat und auch mit einer anderen Leistungsentfaltung, mit einer leichten Verzögerung nämlich, mit mehr Drehzahl länger als erwartet. Das ist wirklich eine minimale Änderung. Das hat nicht zur Konsequenz gehabt, dass der Start an sich schlecht war, sondern das hat ihn überrascht. Es ist fair zu sagen – sein Start war gut, aber jener von Nico war dieses Mal einfach besser.»

Ist es für die interne Motivation wichtig, dass eben nicht erneut Hamilton gewonnen hat, sondern dass Rosberg mit seinem Sieg Boden gutmacht? Toto Wolff meint: «Dass die beiden auf so ähnlichem Niveau fahren und sich anstacheln, sehen wir im Team positiv. Weil einfach deine Leistung als Fahrer besser wird, wenn du einen Piloten neben dir hast, der dich antreibt. Das bringt uns als Team weiter.»

Nico Rosberg war am Funk sehr besorgt über den Zustand seiner Reifen. Der spätere Sieger spürte üble Vibrationen. Was sagten die Mercedes-Daten? Toto Wolff: «Wir konnten anhand der Daten nichts erkennen, was Anlass zur Sorge gegeben hätte. Wir haben ihm dann einfach die Empfehlung gegeben, etwas Tempo rauszunehmen.»

Die Fünfsekundenstrafe für Lewis Hamilton (wegen Überfahrens der weissen Linie nach dem Reifenstopp) gab am Mercedes-Kommandostand Diskussionsstoff: «Wir haben uns gefragt – was passiert, wenn es zum Schluss noch eine Safety-Car-Phase geben sollte? Dann bist du ratzfatz nicht mehr Zweiter, sondern Siebter. Wir haben dann kurz erwogen, ihn zu einem Stopp reinzuholen und die Strafe dort abzusitzen. Der Abstand zu Massa hätte dazu gereicht. Dann ist uns in den Sinn gekommen, was in Monte Carlo passiert ist, natürlich wollten wir uns nicht noch mal einen Fehler erlauben.»

Wie erlebt Wolff das 2015er Duell zwischen Rosberg und Hamilton? «Als sehr intensiv, aber auf eine gewisse Weise zivilisierter. Die Duelle sind hart, aber ich glaube, wir haben 2014 auch viel über den Umgang miteinander gelernt. Wir wissen heute besser, was geht und was eben nicht.»

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