Fan-Umfrage der Fahrer: Erkenntnisse in Silverstone

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Umfrage der Fahrer ist ein grosser Erfolg

Die Umfrage der Fahrer ist ein grosser Erfolg

Gut 83.300 Stunden haben sich Formel-1-Fans aus fast 200 Nationen Zeit genommen, um ihre Meinung in Sachen Formel 1 zu formulieren. Erste Erkenntnisse werden wir in einer Woche erfahren.

Lotus-Teambesitzer Gérard Lopez hat es auf den Punkt gebracht, eines der Grundübel im Formel-1-Sport: «Das Management ist veraltet. Die Formel 1 wird nicht so zeitgemäss vermarktet, wie es heutzutage vonnöten wäre. Es reicht eben nicht mehr, die Fans nur über das Fernsehen erreichen zu wollen, wir haben mit fallenden Einschaltquoten zu kämpfen. Dabei gibt es viele spannende Rennen. Da muss man sich doch überlegen, wieso das passiert. Wir scheinen auch, was neue Sponsoren betrifft, wie blockiert zu sein. Es gibt in der Formel 1 keine richtige Marketing-Abteilung, daher werden auch viele kommerzielle Möglichkeiten nicht genutzt.»

Zum Marketing gehört auch zu wissen, was der Kunde eigentlich will. Und da seitens der FOM (Formula One Management) und seitens des Automobil-Weltverbands FIA seit Jahrzehnten nichts geschah, wurden die Formel-1-Fahrer aktiv.

Alexander Wurz, Vorsitzender der Fahrervereinigung «Grand Prix Drivers Association», und seine Kollegen durften sich freuen: Ihre Formel-1-Fanumfrage hat eingeschlagen – noch nie wurde nach eigenen Angaben eine grössere Fan-Umfrage in der Welt des Sports durchgeführt. Die «GPDA Global Fan Survey» sollte der Frage auf den Grund gehen, was sich die Fans von ihrer Königsklasse wünschen. Rund einen Monat lang hatten die Fans Zeit, ihre Vorstellungen und Ideen in einer Online-Umfrage auszuformulieren. Die Umfrage wurde von der Firma «Repucom» durchgeführt, die seit mehr als 30 Jahren die Welt der Sport- und Unterhaltungswirtschaft erhebt, analysiert und interpretiert. Die Online-Plattform wurde von den Kollegen von motorsport.com zur Verfügung gestellt.

Das Echo war gewaltig: Mehr als 200.000 GP-Fans nahmen sich im Schnitt 25 Minuten Zeit für die Umfrage. Die Formel-1-Anhänger aus fast 200 Ländern sassen also insgesamt rund 83.000 Stunden an der Arbeit – hätte das ein Einzelner erledigt, wäre er für mehr als neun Jahre beschäftigt gewesen!

Erste Erkenntnisse werden gemäss Alex Wurz im Rahmen des Britischen GP-Wochenendes in knapp einer Woche enthüllt.
Unklar ist jedoch, was die Formel-1-Piloten mit den Ergebnissen letztlich machen wollen. Denn die GPDA hat bei der Entscheidungsfindung beim Formel-1-Reglment nichts zu sagen. Sie darf Empfehlungen abgeben, nicht mehr und nicht weniger. Ob diese dann auch von den Entscheidungsträgern ernst genommen werden, ist eine andere Frage.

Funktioniert Basis-Demokratie?

Toto Wolff, Motorsportdirektor von Formel-1-Weltmeister Mercedes, meint auf eine Frage nach der Umfrage: «Das grundsätzliche Problem ist, dass Basis-Demokratie in der Formel 1 nicht funktioniert. Ich kann mir vorstellen: diese Umfrage kommt letztlich nicht zu dramatisch anderen Ergebnissen als wie wenn wir uns alle zusammen an einen Tisch setzen und Verbesserungen vorschlagen.»

«Wir sind uns einig darüber, dass wir ab 2017 die Autos wesentlich schneller machen wollen. Die Rennwagen sollen aggressiver aussehen, also breiter werden, mit fetten Hinterreifen. Wir wollen mehr Abtrieb, wir wollen höhere Kurven-Tempi, wir wollen mehr Belastung für den Fahrer in den Ecken. Dann machen auch diese kilometergrossen Auslaufzonen wieder Sinn, wenn die Fahrer schneller in die Kurven pfeilen. Das ist der erste grundsätzliche Schritt, und den werden wir machen.»

«Dann müssen wir uns aber auch darüber im Klaren sein, dass die Formel 1 mit einem ganz anderen Freizeitprogramm in Konkurrenz steht als vor zehn oder vor zwanzig Jahren. Da gibt es unzählige spektakuläre Sportarten, die ein Fan in kurzen Video-Clips happengerecht geniessen kann. Was wir derzeit erleben, ist ein Problem des Fernsehmarktes generell, nicht nur ein Problem der Formel 1.»

«Für mich sind das da draussen Gladiatoren, die in unheimlich schnellen Autos sitzen, die – das sollte keiner vergessen – sehr gefährlich sind. Aber wir scheinen das nicht mehr zum Fan transportieren zu können. Das müssen wir lösen. Aber man muss auch aufpassen, dass man sich basierend auf solchen Umfragen nicht in tausend Wegen verzettelt.»

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