Politiker sagt: Ohne Monza-GP soll Ferrari streiken!

Von Mathias Brunner
Ex-Formel-1-Fahrer Ivan Capelli kämpft als Präsident des Mailänder Autoverbands (ACI) um den Monza-GP. Roberto Maroni, Gourverneur der Region Lombardei, fährt grosses Geschütz auf.

Hinter dern Kulissen arbeitet der frühere Grand-Prix-Fahrer und Ferrari-Pilot Ivan Capelli weiter an der Zukunft von Monza. SPEEDWEEK.com-Leser wissen: das Rennen ist nur noch bis einschliesslich Ausgabe 2016 gesichert, dann muss es gemäss Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone einen neuen Vertrag geben, «denn aus kommerzieller Sicht ist der Monza-Vertrag für uns eine Katastrophe. Ich glaube nicht, dass wir über 2016 hinaus ein Abkommen mit Monza abschliessen werden.»

Um Monza unter Druck zu setzen, kam dem 84jährigen Briten der Besuch einer Delegation aus Imola in London gerade recht. Imola-Bürgermeister Daniele Manca: «Wir wollten Herrn Ecclestone einfach unsere Bereitschaft demonstrieren, dass Imola die Formel 1 wiederhaben möchte. Aber wir möchten auch das Unsere beitragen, dass der Italien-GP erhalten bleibt, vielleicht sogar abwechselnd mit Monza.»

Davon will Ivan Capelli freilich nichts wissen. Er sagt: «Die Rennen abwechselnd auszutragen, das hat in keinem Land funktioniert, das wäre für uns nur die letzte Notfallmassnahme.»

Aber nicht nur Ecclestone macht Politik. Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene hat unlängst klar gemacht, dass es aus Sicht von Ferrari nur einen Ort für den Italien-GP geben sollte – und das ist Monza.
Roberto Maroni, Gouverneur der Region Lombardei und damit auch Chef der Provinz Monza, will nicht als Duckmäuser dastehen. Er poltert schlagzeilenwirksam: «Ecclestone kann tun und lassen, was er will, aber Monza darf nicht angeführt werden. Monza muss bleiben, und dafür werden wir mit allen Mitteln kämpfen.»

Maroni weiss: der Engländer will mehr Geld sehen, die Rede ist von 20 Millionen Euro pro Jahr. Roberto Maroni sagt: «Es kann nicht sein, dass man aus puren wirtschaftlichen Gründen die Historie der Formel 1 löscht, die eng mit Monza verwoben ist.»

Daher will Maroni den Druck in der Öffentlichkeit erhöhen, «aber auch die italienische Regierung und Ferrari müssen mitziehen. Ich würde gerne ein Ferrari sehen, das sich dafür stark macht – wenn es den Monza-GP nicht mehr gibt, dann nehmen wir nicht an der Formel 1 teil.»

Maroni sucht das Gespräch mit Fiat-Geschäftsleiter und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne. Bei dem dürfte er vielleicht kein offenes Ohr für einen Streik finden, aber viel Wohlwollen für das Traditionsrennen im königlichen Park von Monza. Denn Marchionne hat schon im Rahmen des Kanada-GP festgehalten: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einen WM-Kalender ohne Monza geben wird. Wenn es vonnöten wird, dass wir bei Bernie Ecclestone intervenieren, um die Zukunft dieses Rennens zu garantieren, dann werden wir das auch tun.»

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