Formel E: In Silverstone ohne einen Zuschauer?

Kolumne von Mathias Brunner
Die Formel E hat vieles richtig gemacht

Die Formel E hat vieles richtig gemacht

Sir Richard Branson hat im Rahmen des Formel-E-Rennens von London festgehalten, die Formel E werde der Formel 1 in wenigen Jahren den Rang ablaufen. Da ist wohl Wunsch Vater des Gedankens.

2010 debütierte der Virgin-Racing-Rennstall in der Formel 1. Schon 2011 hiess das Team Marussia Virgin Racing, und Ende 2011 war Virgin aus dem Grand-Prix-Sport verschwunden: Sir Richard Branson hatte sich die Formel 1 etwas anders vorgestellt. Wie viel oder wie wenig Geld damals geflossen ist, weiss nur der Unternehmer selber. Branson sagte damals: «Wir geben vor allem unseren Namen für das Projekt und helfen bei der Sponsoren-Beschaffung. Und ein wenig Geld haben wir auch verliehen.»

Heute engagiert sich der britische Milliardär in der Formel E, sein Team schloss die Saison als Fünfte der Markenwertung ab (Sieger: e.dams Renault). Im Rahmen des Rennens in seiner Heimatstadt London kündigte der 64-Jährige vollmundig und schlagzeilenträchtig an: «Ich denke, die Formel 1 hat noch ein paar Jahre, aber die Zeit wird kommen, in der die Formel E sie überholt hat. Ich schätze, es wird wohl in vier oder fünf Jahren soweit sein. Die Formel E macht die saubere Energie sexy.»

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner rückt die Verhältnisse nach dem verbalen Werbespot von Branson wieder etwas zurecht: «Die Formel E wird doch völlig anders positioniert als die Formel 1. Ich habe mir das in London angeschaut. Die Autos sind ja recht langsam, das scheint mir eher ein Konkurrent für die GP3 zu sein als für die Formel 1. Und welche Botschaft wird eigentlich ausgesandt, wenn die Fahrer bei Hälfte des Rennens den Wagen wechseln müssen, um überhaupt ans Ziel zu kommen?»

In Monaco musste ein Kurs um den Hafen herum gelegt werden – die Steigung zum Casino hoch hätte den Formel-E-Flitzern nach kurzer Zeit die Energie ausgehen lassen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen – die Formel E macht einiges richtig: der Rennsport wird als Familienveranstaltung verkauft, und er passt wundervoll ins Konzept von FIA-Chef Jean Todt, der sich für grüneren Sport stark macht. Die Zeit war reif für eine Formel E.

Aber mit eher simpler Einheitstechnik, Eintagsveranstaltungen und Kirmes-Atmosphäre wird ein anderes Publikum angesprochen, das zeigt sich auch bei den Sponsoren. Die Nagelprobe für die Formel E in vielen Städten kommt erst noch: in der ersten Saison waren viele Besucher neugierig darauf, die Formel E einmal zu beschnuppern. Aber werden alle davon auch ein weiteres Mal einem Rennen zuschauen, bei dem die Fans lauter sind als die Autos?

Formel-E-CEO Alejandro Agag erkennt kein Problem: «Die Leute haben sich aus uns einen Spass gemacht, die leisen Autos mit einem Fön verglichen und andere Witze gerissen. Doch wenn man ein aufregendes Rennen sieht, welches interessant anzugucken ist, wird die Lautstärke zweitrangig.»

Gewiss, in der Formel 1 läuft nicht alles optimal. Die Verantwortlichen sind Willens, Änderungen vorzunehmen: Beim Formel-1-Gipfel in Biggin Hill (England) vom 1. Juli sollen die Weichen für eine attraktivere Formel 1 gestellt werden. Dazu gehört auch, dass dem grossen Wunsch der Fans Rechnung getragen wird, die Rennwagen lauter zu machen. Das dürfte bei der Formel E ein wenig schwierig werden. Wer in der Formel 1 mehr Getöse will, wird sich mit den vor sich hinzischelnden Formel E nicht so viel anfangen können.

In Wahrheit wird die Formel E der Formel 1 nicht den Rang ablaufen, weil der direkte Vergleich hinkt. Aber nichts spricht dagegen, dass die beiden Kategorien nebeneinander florieren.

Alejandro Agag hält richtig fest: «Unser Austragungsort müssen die Städte bleiben. Wir hatten in London 25.000 Zuschauer, aber wie viele würden für uns nach Silverstone fahren? Keiner.»

Der Formel-1-WM-Lauf in Silverstone vom kommenden Sonntag ist ausverkauft: 140.000 Fans werden erwartet.

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